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Nach dem Weihnachtsmarkt-Anschlag

Berlin steht in der Trauer fest zusammen

"Unser Zusammenhalt ist stärker als jeder Hass." In einem bewegenden Trauergottesdienst hat die Hauptstadt der Opfer des verheerenden LKW-Anschlags gedacht. Der ursprünglich verdächtige Pakistaner ist wieder frei.

In der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche haben Geistliche aller Konfessionen ihren Widerstand gegen Hass und Gewalt bekundet. Rund 800 Menschen in und vor dem Berliner Wahrzeichen nahmen an dem ökumenischen Gottesdienst teil. Unter den Gästen waren Bundespräsident Joachim Gauck, Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundestagspräsident Norbert Lammert, Bundesratspräsidentin Malu Dreyer, Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier, Bundesinnenminister Thomas de Maizière, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller sowie Berlins katholischer Erzbischof Heiner Koch, ein Rabbiner und mehrere Imame.

"Wir sind zusammengekommen, um vor Gott unser Erschrecken, unsere Trauer, unsere Fragen zu tragen", sagte der Pfarrer der Gedächtniskirche, Martin Germer. Der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Markus Dröge, sagte, gerade jetzt werde man zusammenstehen: "Wir geben dem Terror nicht dadurch recht, dass wir uns entzweien lassen, nur weil wir aus unterschiedlichen Kulturen stammen oder auf verschiedene Weise unseren Glauben leben oder unsere Weltanschauung pflegen."

Das Brandenburger Tor leuchtet an diesem Abend in den Deutschlandfarben. "Dieses Mal wird das Tor in unseren eigenen Farben angestrahlt", hatte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller angekündigt. Nach Terrorattacken in anderen Ländern war das weltberühmte Gebäude als Zeichen der Solidarität mehrfach in deren Nationalfarben angestrahlt worden.

Derweil bleiben die Polizeibehörden in Deutschland in höchster Alarmbereitschaft: Ein oder mehrere Attentäter könnten nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt noch auf freiem Fuß sein. Der verdächtige Flüchtling aus Pakistan zählt offenbar nicht dazu. Wie die Bundesanwaltschaft bekannt gab, ist gegen den Mann kein Haftbefehl beantragt worden. Er sei auf freien Fuß gesetzt worden.

Berlins Polizeipräsident Klaus Kandt rief die Bürger zu erhöhter Wachsamkeit auf. Für Generalbundesanwalt Peter Frank deuten das Anschlagsziel wie auch die Art und Weise des Vorgehens auf einen islamistischen Hintergrund hin.

Am Abend reklamierte die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) die Tat für sich. Das meldete die IS-Propagandaagentur Amak.

LKW raste durch Budengasse

An der Gedächtniskirche war am Montagabend ein Schwerlastwagen in eine Budengasse des Weihnachtsmarktes gerast. Zwölf Menschen wurden getötet, unter ihnen der ursprüngliche Fahrer des aus Polen stammenden und wohl gestohlenen Lkw. Er sei in der Fahrerkabine erschossen worden, teilte Frank mit.

Von den Getöteten sind bislang sechs Menschen identifiziert worden. Alle seien deutsche Staatsbürger, teilten die Behörden mit. 49 Menschen sind verletzt, 14 von ihnen sehr schwer. 24 Patienten konnten im Laufe des Tages nach Hause entlassen werden. Ein "Hoffnungszeichen", wie die Berliner Polizei twitterte.

Video ansehen 01:30

Täter möglicherweise noch auf freiem Fuß

Die Weihnachtsmärkte in Deutschland sollen trotz des Anschlags in Berlin geöffnet bleiben. Darauf verständigten sich die Innenminister von Bund und Ländern in einer telefonischen Schaltkonferenz. "Wir dürfen und wir werden uns unser freiheitliches Leben nicht nehmen lassen", erklärte Bundesinnenminister Thomas de Maizière. Nur in der Hauptstadt selbst machten die Märkte am Dienstag aus Anteilnahme mit den Anschlagsopfern und deren Angehörige nicht auf.

Auch die Silvesterplanung in Köln "läuft ungehindert weiter", wie die Pressesprecherin der Domstadt, Inge Schürmann, der DW versichert. Möglicherweise werde das Sicherheitskonzept noch einmal angepasst. In Hamburg werde die Polizei "sichtbar und robust" in Erscheinung treten, kündigte Innensenator Andy Grote (SPD) an. Die Innenminister anderer Bundesländer teilten mit, die Beamten würden bei Einsätzen auf den Märkten Schusswesten und Maschinenpistolen tragen.

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund wies darauf hin, dass die Sicherheit auf den Weihnachtsmärkten seit Jahren oben auf der Tagesordnung stehe. Schon in den vergangenen Monaten hätten die Kommunen in Absprache mit der Polizei die Sicherheitskonzepte verschärft, sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg der "Neuen Osnabrücker Zeitung". 

rb/wl/sti (dpa, afp, rtre, epd)

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