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Kultur

Berlin ist nun mal nicht Hollywood

Sadistischer Serienkiller und Provinpolizist: Regisseur Christian Alvart wagt sich an das Genre Psychothriller. Warum aber sieht sein Film "Antikörper" wie ein schlechtes Remake des US-amerikanisches Vorbilds aus?

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Wie stellen Sie sich einen Psychopathen vor?

Zwischendurch denkt man, der Film könnte ja okay sein. Wenn der Hintergrund grauschwarz ist, der Regen strömt und der Asphalt glänzt. Aber dann kommen die Schnitte, die vielen schnellen Schnitte, die Dynamik und Action und Gefahr signalisieren. Und Dialoge mit Sätzen wie "Du wirst in der Hölle schmoren". Und grauenvolle Uptempo-Techno-Sounds, die so schön modern klingen wollen.

Bieder und unfreiwillig komisch

"Du bist hier nicht in Hollywood" möchte man dem deutschen Jungregisseur Christian Alvart zuraunen. Große Vorbilder sind ja kein Problem. Aber der Psychopath heißt in Jonathan Demmes "Schweigen der Lämmer" eben nicht Gabriel Engel, sondern Hannibal Lecter. Und so ist eben auch der ganze Film von Christian Alvart: über weite Strecken furchtbar bieder und unfreiwillig komisch.

Filmszene Antikörper von Christian Alvart

Jagd auf den Serienkiller

Zur Geschichte: In einer düsteren Berliner Wohnung werden mit frisch gezapftem Blut apokalyptische Bilder gemalt. Vor der Tür warten zwei zitternde Polizisten, die sich auf das Schlimmste gefasst machen. Sie werden nicht enttäuscht, die Zuschauer auch nicht. Nach einem spektakulären Fluchtversuch wird der Serienkiller (André Hennike in bizarrer Kriegsbemalung) vom abgebrühten Kommissar Seiler (Heinz Hoenig) festgenommen.

Katholik und Bestie

Als der Berliner Cop beim Kindermörder Engel auf Granit beißt, schaltet sich der Dorfpolizist Michael Martens (Wotan Wilke Möhring) in die Verhöre ein. Der erhofft sich die Aufklärung eines eineinhalb Jahre zurückliegenden Sexualmordes an einer Zwölfjährigen. Dieses Verbrechen lastet wie ein Fluch auf ihm und entfremdet Martens von seiner Familie und der Dorfgemeinschaft.

Filmszene Antikörper von Christian Alvart

Nina Proll und Wotan Wilke Möhring

Der fromme, innerlich zerrissene Landbeamte fährt also in die große Stadt und beginnt seine Interviews mit dem teuflischen Psychopathen. Und so langsam wird die Sache dann lächerlich. "Wen hast du erwartet - Hannibal Lecter?", fragt der gefallene Engel den gottesfürchtigen Provinzbullen. Der dämonische Gabriel hält sich allerdings anders als sein cleveres Vorbild mit Stammtischfragen nach dem Sexleben seines braven Verhörpartners auf. Dabei glotzt er die ganze Zeit mit starrem Blick sein Gegenüber an.

Das Böse in Berlin

Das ist - nicht nur für den biederen Martens - etwas zu viel. Er gerät auf die schiefe Bahn, landet im Bordell, absolviert einen dreckigen One-Night-Stand, wird schließlich fast wahnsinnig. Ja, ja das Böse und der Sündenpfuhl Berlin fordern ihren Tribut.

Filmszene Antikörper von Christian Alvart

Heinz Hoenig mit Wotan Wilke Möhring in schummriger Umgebung

Regisseur und Drehbuchautor Christian Alvart jongliert in seinem durchaus gewagten, aber zu klischeebeladenen Thriller mit Gegensätzen wie Großstadt und Land, Selbstverwirklichung und Familie, Werteverfall und Religiosität. Besonders neu ist das nicht. Glücklicherweise werden zumindest die Gut-und-Böse-Fragen des Films offen gelassen. (mb)

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