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Medientraining

Berlin: Internationale Pressearbeit für NGO-Wahlbeobachter aus der Ukraine und Russland

Ende Oktober 2014 wird in der Ukraine ein neues Parlament gewählt. Während eines Trainings machten sich ukrainische und russische Wahlbeobachter fit für den professionellen Umgang mit der internationalen Presse.

Was interessiert die westlichen Medien? Welche Informationen benötigen sie? Wie kommuniziere ich mit ihnen? Wie schreibe ich eine Pressemitteilung? Und zu welchem Zeitpunkt macht eine Pressekonferenz Sinn? Mit diesen Fragen waren ukrainische NGO-Vertreter von OPORA, Committee of Voters of Ukraine (CVU) und der russischen Nichtregierungsorganisation GOLOS nach Berlin gereist.

Antworten bekamen Sie prompt während des einwöchigen Medientrainings der DW Akademie: "Informieren Sie uns über alles, was sie beobachten - eine regelmäßige, kurze Zusammenfassung über Gewalt, Einschüchterungsversuche oder Unregelmäßigkeiten", so Marcus Heithecker, Ressortleiter Politik bei der Tageszeitung "Die Welt" im Gespräch mit der Gruppe.

Im Gespräch mit Marcus Heithecker, Ressortleiter Politik Die Welt (Foto: DW Akademie/Ulrike Meyer).

"Keep it simple" - Marcus Heithecker im Gespräch mit den Wahlbeobachtern

"Am Besten kontaktieren Sie direkt unsere Korrespondenten vor Ort. Ernennen Sie einen Sprecher, der fließend Englisch spricht. Geben Sie uns kurze, tagesaktuelle Informationen, keine langen Analysen. Seien Sie proaktiv. Informieren Sie die Medien rechtzeitig und setzen Sie Ihre Pressekonferenz eine Woche vor der Wahl an." Praktische Ratschläge von einem Medienprofi: "Keep it short and simpel!"

"Ich war von der Erkenntnis wie vom Blitz getroffen, dass wir einen zweiten Twitter-Account für die westlichen Journalisten einrichten sollten, mit speziell aufbereiteten Informationen für deren Medien. Und dass Facebook für diese Art der journalistischen Kommunikation nicht geeignet ist", begeisterte sich Roman Udot, Co-Vorsitzender von GOLOS, über das gemeinsame Gespräch mit Stefan Voss von der Nachrichtenagentur dpa.

Kompetent auftreten und professionell kommunizieren

Wahlbeobachter aus der Ukraine und aus Russland zu Besuch beim Auswärtigen Amt (Foto: Kateryna Zhemchuzhnykova).

Wahlbeobachter aus der Ukraine und aus Russland

Während des einwöchigen, vom Auswärtigen Amt initiierten Medientrainings bekamen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer innerhalb kürzester Zeit einen intensiven Einblick in die wichtigsten Regeln des journalistischen Handwerks. So sind nur die wenigsten der teilnehmenden NGO-Mitarbeiter ausgebildete Journalisten. Vielmehr haben sie ihre Wurzeln in den Bürgerbewegungen ihrer Länder und wollen mit ihrem Engagement zum Wandel in der Region beitragen. "Die Welt erwartet von der Ukraine einen Wechsel und die Wahlen sind eine große Chance für Veränderungen", sagte Teilnehmerin Iryna Shevets, die sich bei der ukrainischen NGO OPORA engagiert. "Aber auch für uns Wahlbeobachter ist diese Wahl eine große Chance. Wir wollen kompetent auftreten, professionell kommunizieren und ernstgenommen werden."

Im Training wurden daher auch Sprachbarrieren thematisiert. "Es ist nicht einfach, Englisch vor der Kamera zu sprechen", sagte Milena Zherdii von der ukrainischen NGO CVU, "und ich will nicht, dass meine Botschaft durch einen schwachen Auftritt zerstört wird." Diesen starken Auftritt vor Kameras und Mikrofonen konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zwei Tage lang mit den DW Akademie-Trainern Susanne Wieseler und Thomas Kohlmann sowie der Moderatorin Meike Krüger üben und professionalisieren.

Die Anforderungen an internationale Wahlbeobachter sind in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Neben der Anzeige etwaiger Verstöße während der Wahl, analysieren sie bereits im Vorfeld, wie sich die Kandidaten vor der Wahl präsentieren und mit welchen Floskeln sie ihre Programme und Versprechen der Bevölkerung vorstellen. Je näher die Wahl rückt, desto häufiger werden sie darum auch in ihren eigenen Ländern um Interviews und Fernsehauftritte gebeten - beispielsweise für die Sendung "Before you Vote", einem speziellen Aufklärungsprogramm des öffentlich-rechtlichen ukrainischen Fernsehens in Zusammenarbeit mit OPORA, das den Wahlkampf kritisch unter die Lupe nimmt. "Wir werden von der Bevölkerung und den Journalisten respektiert, sie vertrauen uns", so Milena Zherdii von CVU. Um dieses Vertrauen nicht zu enttäuschen, müssen innerhalb weniger Minuten komplizierte Inhalte verständlich auf den Punkt gebracht werden.

Rollenverständnis

Medientraining der DW Akademie für ukrainische und russische Wahlbeobachter

Nach dem Auftakt in Berlin wird das Training rund um die Wahlen in der Ukraine weitergehen

Ebenso wichtig ist es, sich genau über die eigene Rolle im Klaren zu sein. Die 27-jährige Iryna Shevets ist seit zehn Jahren bei OPORA aktiv. Im Training erfuhr sie, dass sie gerade deshalb verstärkt darauf achten solle, als unabhängige Wahlbeobachterin zu sprechen und nicht als Aktivistin einer Nichtregierungsorganisation. CVU, OPORA und GOLOS gehören zu den dreizehn Organisationen der "European Platform for Democratic Elections" (EPDE). Gemeinsam ist ihnen, dass sie in ihrem jeweiligen Land die Wahlbeobachtung und die demokratischen Wahlprozesse in ganz Europa unterstützen.

"In diesen Zeiten junge Russen und Ukrainer zusammen zu bringen, ist vielleicht schon ein Erfolg an sich. Wir haben ihnen gezeigt, wie westliche Medien arbeiten und wie sie sich selbst mehr Gehör verschaffen können. Schon im Vorfeld und während der Wahlen in der Ukraine, Ende Oktober, werden sie als nationale Wahlbeobachter das neue Wissen anwenden können", so das Resümee der Trainerin Petra Bornhöft, erfahrene Journalistin und ehemalige Korrespondentin beim Nachrichtenmagazin "Spiegel".

Rund um die Wahlen in der Ukraine werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erneut in ihrer Pressearbeit von der DW Akademie in Kiew beratend begleitet werden.

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Daniela Wiesler, Leiterin Medientraining DW Akademie (Foto: Stefan Lemanski).

Daniela Wiesler-Schnalke

Leiterin Medientraining

T: +49.228.429-3505
E: dw-akademie.medientraining@dw.com