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Wirtschaft

Berlin - Gutes Pflaster für Startups

Lange Zeit hatte Berlin das Nachsehen. Junge Internet-Startups zog es nach London oder Madrid - dorthin, wo sich die Investoren tummelten. Deutschlands Hauptstadt ging leer aus. Doch nun hat sich das Blatt gewendet.

Frau mit Laptop liegt auf einer Wiese vor dem Kanzleramt in Berlin (Foto: Fotolia)

Der Anfang eines Startups ist eine gute Idee

Berlin-Mitte, Rosenthaler Straße: Eine quirlige und angesagte Gegend. Auf den Bürgersteigen drängen sich Passanten und Touristen, in den Schaufenstern liegt die neueste Trend-Mode, die Cafés und Bistros sind gut gefüllt. Neben Latte Macchiato und Chai Latte stehen Laptops, in Berlin-Mitte ist die Internetbranche zu Hause.

Zu ihr gehört auch Benjamin Esser, der sich in der Rosenthaler Straße mit seiner noch jungen Firma "Urbanara" angesiedelt hat. Der Online-Shop vermarktet hochwertige Heimtextilien und Wohnaccessoires aus aller Welt und ist seit fünf Monaten online.

Berlin muss die Konkurrenz nicht fürchten

Benjamin Esser (Foto: Zoe Glazebrook)

Urbanara-Gründer Benjamin Esser

"Ich glaube, dass Berlin heute das Zentrum des E-Commerce in Europa ist", sagt Esser selbstbewusst. Er schätzt die Kreativität, die relativ niedrigen Kosten und die Nähe zu den Investoren, die seit einiger Zeit auch immer häufiger den Weg nach Berlin finden. Seither kann Deutschlands Hauptstadt auch mit London, München, Barcelona und Madrid mithalten. In Berlin findet Esser alles, was er braucht: kreative Leute, Menschen, die mit Technik umgehen können, Grafiker. "Und die Stadt macht momentan auch einfach Spaß."

Spaß gehört für Esser, Sohn einer Bolivianerin und eines Deutschen, auch im Job unbedingt dazu. Er hat schon viel von der Welt gesehen: Zuletzt arbeitete er bei einem Startup in Shanghai. Dessen Geschäftsmodell, der Verkauf von Möbeln im Internet, erschien ihm vielversprechend. Er übertrug es auf Kaschmirdecken, Leinen-Bettwäsche und Seidenkissen und schnitt das Angebot auf Deutschland zu. Geschäftsadresse ist eine große Altbauwohnung in der Rosenthaler Straße, für die Esser, so rechnet er vor, in München die doppelte und in London die vierfache Miete zahlen müsste.

Risikobereitschaft gehört dazu

Blick auf die dunstige Skyline von Shanghai (Foto: dpa)

Inspiration aus Shanghai - aber keine Kopiervorlage

In den ehemaligen Wohnräumen stehen provisorisch aussehende Schreibtische, an denen ein paar junge Leute vor ihren Laptops sitzen. Esser bekommt Bewerbungen aus Barcelona, Zürich, ja sogar Südafrika und Südamerika: "Viele vergleichen Berlin nicht zu Unrecht mit London in den Achtziger-Jahren oder New York in den Siebzigern." Die Bewerber wollen diese Aufbruchstimmung gerne miterleben.

Zwei Räume hat Esser an ein anderes Internet-Startup untervermietet, allerdings immer nur für einen Monat, denn er weiß nicht, wie schnell sein Unternehmen wachsen wird. Aber so sei das nun mal bei einem Startup: Wer Sicherheit und Stabilität suche, der sei in dieser Szene falsch.

Das sagt auch Anna Ott. Sie arbeitet für die Berliner Personalagentur I-Potentials, die sich auf junge Internet-Unternehmen spezialisiert hat. Ott spricht von Berlin als europäischem Pendant zum kalifornischen Silicon Valley. Die Webszene entwickle sich rasant, und die frühen Phasen seien dabei immer besonders spannend.

Ott erlebt sehr häufig, dass Unternehmen Personal brauchen, aber nicht verraten wollen wofür. "Das ist immer wahnsinnig konspirativ", sagt sie, "und fühlt sich manchmal so an, als sei man auf dem Schwarzmarkt." Erst nachdem die Kandidaten Geheimhaltungsabkommen unterschrieben hätten, erführen sie, worum es überhaupt gehe.

Selbst ausdenken anstatt zu kopieren

Anna Ott von I-Potentials (Foto: Swetlana Gasetski)

Anna Ott von I-Potentials

In der Vergangenheit waren viele Gründer sogenannte "Copy Cats", die versuchten, ein in den USA erfolgreiches Internet-Projekt lediglich zu kopieren, unter anderem Namen zu vermarkten und dann schnell einen Käufer zu finden. Inzwischen machen in Berlin ansässige Startups aber zunehmend mit eigenen Ideen auf sich aufmerksam. Bekannte Beispiele sind die Musikplattform "Soundcloud" oder "Wooga", ein Unternehmen, das Online-Spiele für das soziale Netzwerk Facebook entwickelt. Für Furore sorgte jüngst das Meinungs- und Rankingportal "Amen", in das der Hollywood-Star Ashton Kutcher und der Manager der Sängerin Madonna, Guy Oseary, zwei Millionen US-Dollar investiert haben sollen.

Ein Investment, das mit hohem Risiko verbunden ist. Wer kann bei der Gründung eines Internet-Startups schon voraussagen, ob sich eine Idee durchsetzen kann? Insbesondere, wenn es für diese Idee bisher gar keinen Markt gab. Von zehn Internet-Startups, so sagt Personalberaterin Anna Ott, überlebe am Ende nur eines.

Doch auch wenn es nicht einfach ist, aus einem Startup ein erfolgreiches Geschäft zu machen, das langfristig Erfolg hat, in einem sind sich in der Berliner Startup-Szene alle einig: Ein Ende des Booms ist nicht absehbar. Im Gegenteil: Der Höhepunkt stehe erst noch bevor.

Autorin: Sabine Kinkartz
Redaktion: Jutta Wasserrab