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Lebensart

Berlin Fashion Week: Laufsteg vor dem Aus?

Käufer wollen Mode nicht nur sehen, sondern sie auch berühren. Ist die Laufsteg-Tradition deshalb überholt? Die Berliner Fashion Week testete, wie erfolgreich Partys und Ausstellungen sind, um Design zu verkaufen.

Im "Berliner Mode Salon", einer Nebenveranstaltung der Berliner Fashion Week, zeigen junge, bekannte Designer aus Deutschland, was sie können. Über mehrere Stockwerke des eleganten Berliner Kronprinzenpalais verteilt präsentieren sie ihre Schnitte. In diesem Jahr ist auch die Topmarke "Escada" mit einer farbenfrohen Ausstellung im Erdgeschoss wieder dabei. In den letzten Saisons war sie nicht auf den Berliner Laufstegen vertreten.

"Wenn sie dabei helfen, junge Designer zu bezahlen, sind sie hier herzlich willkommen", sagt einer der Berliner Modemacher. Im Obergeschoss stellt die Handtaschenunternehmerin Lili Radu ihr neuestes Sortiment von Portemonnaies vor - manche mit eingelassenen Lederstreifen, andere aus exotischem Stachelrochen hergestellt.

"Hier ist vor allem viel Presse", sagt sie inmitten der geschäftigen Menge. Sie erklärt, dass sie bereits am Vortag einige gute Geschäfte an ihrem Stand abschließen konnte. Es seien nicht nur die üblichen Kunden aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gekommen, sondern auch welche aus anderen Ländern.

Junge Marken mit wenig Geld müssen sich entscheiden, wo sie investieren - lieber in eine Laufstegshow, die möglicherweise positive Kritiken erhält, oder in einen Ausstellungssalon, der vor allem Einkäufer anspricht, die direkt Ware bestellen könnten. Radu, der dieses Frühjahr in die riesige amerikanische Kaufhauskette "Bloomingdales" eingestiegen ist, hat die finanziellen Ressourcen, um gleich beide Optionen zu nutzen - Luxus für viele Designer.

Der Laufsteg ist nicht der einzige Weg

Seine Laufstegshow im Kronprinzenpalais war letzte Saison eine der beliebtesten: Hien Le ist auch dieses Mal wieder mit dabei. Freundlich empfängt er die Besucher in einer ruhigen Ecke des "Berliner Mode Salons" und erklärt ihnen seine neuesten, maßgeschneiderten Designs - ein ruhiges, wasserblaues Camouflagemuster.

Ein Model trägt Mode von Lena Hoschek auf der Mercedes-Benz Fashion Week in Berlin (Foto: Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa)

Laufstegshows, wie diese hier von Lena Hoschek, lagen lange im Trend

Er sagt, der Sommer sei eigentlich die bessere Zeit für eine Modenschau. Mehr Leute würden dann kommen und die Stadt sei lebendiger. Diesen Winter hat er investiert: Seine Designs wird er auch bei einer Messe in der Modemetropole Paris vorstellen: "Ich habe immer gedacht, dass eine Modenschau eine gute Sache wäre, ganz besonders, weil sie in Berlin stattfindet und wir Berlin präsentieren sollten. Das war eine gute Möglichkeit, um zu zeigen, was wir eigentlich machen. Aber mittlerweile fühle ich mich nicht mehr dazu verpflichtet", erklärt er. Heutzutage gebe es andere Optionen, sagt er. Man könne eine Präsentation machen oder sogar einen Modefilm. Der Laufsteg sei längst nicht mehr der einzige Weg zum Erfolg.

Wie steht es um die Zukunft der Fashion Weeks?

Dies ist besonders für Bobby Kolade ein emotionales Thema. In dieser Saison hat er nicht nur die Laufstege hinter sich gelassen, sondern ist vollständig vom Kalender der Berlin Fashion Week verschwunden, um sein eigenes Ding zu machen.

Am Montag, nur einen Tag bevor die offiziellen Veranstaltungen begonnen haben, versuchte Kolade über zwei unterschiedliche Wege, die Wünsche der Modekenner, die sich immer mehr in seine weltoffenen, sportlich-glamourösen Designs verliebt haben, zufriedenzustellen:

Über den Tag verteilt hat er mit den größten Modeherausgebern, Reportern und Stylisten im "Happy Shop Global Alliance", einem Berliner Concept Store, der Kolades Mode verkauft, gesprochen. Noch am selben Abend wurde der Laden zu einer Partylocation mit DJ und elektronischer Musik, begleitet von Filmen über Kolades Mode, die im Hintergrund liefen. Cocktails haben natürlich nicht gefehlt.

SJ Ballantyne, der Gründer des "Happy Shops", hält das für eine erfolgreiche Strategie: einerseits Gespräche mit denen, die sich näher mit Kolades Entwürfen beschäftigen möchten, und andererseits eine Party für den Rest der Modebegeisterten.

Partys ermöglichen direkte Rückmeldungen

"Shows zu veranstalten, ist unglaublich teuer, und man weiß dennoch nicht direkt, was die Menschen eigentlich denken, bis es dann endlich in die Presse kommt", erklärt er und bemerkt, dass ihr Event sogar internationales Publikum bis hin zur italienischen "Vogue" erreicht hätte. "Ich glaube, dass dieser Weg, direktes Feedback zu bekommen, für Bobby viel besser ist."

Kolade war ebenfalls sehr zufrieden mit seinem Experiment, das den wichtigsten Personen einen genauen Blick auf seine Arbeiten ermöglichte - ganz im Gegensatz zu dem kurzen Eindruck, den man normalerweise von den vorbeihuschenden Laufstegmodels bekommt.

"Dabei fehlen einfach die Menschen, die sehen, wie gut die Kleidungsstücke gemacht sind. Ich hingegen hatte Chefherausgeber, die sich die Kleidungsstücke genau angesehen haben, die sie berührt haben", schwärmt er und findet, dass der Laufsteg für junge Designer längst nicht mehr relevant sei.

Ein Model zeigt Mode des Labels Bobby Kolade am 09.07.2015 in Berlin bei der Berliner Fashion Week (Foto: Britta Pedersen/dpa)

Die Mode von Bobby Kolade war in der letzten Saison noch auf dem Laufsteg zu sehen

Betrachte es, berühre es, bestelle es

In gewisser Weise könnte Bobby Kolades neues Modell den Zyklus von Modepräsentation und -verkauf verändern. Denn der muss, um digitale Kunden glücklich zu machen, immer schneller funktionieren: Der Kunde will direkt etwas kaufen können, sobald er es gesehen hat. "Ich denke, es könnte sehr interessant sein, den Laufsteg zu überspringen und die Produkte dort zu präsentieren, wo sie auch verkauft werden", sagt er.

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