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Antonia Goy bei der Berlin Fashion Week

Gero Schließ
17. Januar 2017

Das Modelabel Antonia Goy gibt es schon zehn Jahre, doch erst 2017 feierten Antonia Goy und Björn Kubeja mit ihrer Kollektion "Alien Nation" ihr Debüt beim Berliner Modesalon. Sie haben viel gewagt und viel gewonnen.

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Fashion Week Berlin Antonia Goy
Bild: DW/G. Schließ

Antonia Goy strahlt und wirft ihre blonden Haare lachend in den Nacken. Monatelang hat sie auf diesen Augenblick hingearbeitet, zuletzt bis zu 20 Stunden täglich: Jetzt, nach ihrer ersten Modeshow, steht sie im großen Saal des Berliner Kronprinzenpalais und freut sich gemeinsam mit Geschäfts- und Lebenspartner Björn Kubeja über den Beifall. Kein Zweifel, die variantenreichen Entwürfe mit ihren Schleppen, Schürzen und Applikationen, die oftmals mit einem einfachen schwarzen Jersey-Kleid kombiniert sind, haben das Publikum überzeugt.

Mode als Gegenentwurf    

Fashion Week Berlin Antonia Goy
"Alien Nation" nennt Antonia Goy ihre neue Kollektion. Bild: DW/G. Schließ

"Alien Nation" – so der Titel der neuen Winterkollektion, dem Antonia Goy und Björn Kubeja gerne noch das Wort "Entfremdung" dazu stellen. Der Name habe manche Leute zuerst erschrecken lassen, erzählen sie. Die beiden Designer sind sehr empfänglich für die von ihnen als bedrückend empfundene Veränderung des politischen Klimas: "Die Kollektion ist nicht so malerisch wie manch andere vorher", meint Antonia Goy dazu.

Sie sei so etwas wie ein Gegenentwurf. Ihr sehr persönliches Plädoyer für Vielfalt und das Miteinander verschiedenster Ethnien und Religionen. Goy und Kubeja haben sich von der Vielfalt der weiblichen Mode inspirieren lassen, von unterschiedlichsten, kulturell oder religiös bedingten Bekleidungsstilen, wie man sie in Berlin überall auf der Straße studieren kann – ob in der mondänen Mitte oder in Multi-Kulti-Kiezen wie Neukölln. Goy spielt gekonnt mit den Gegensätzen, setzt Verhüllendes neben Körperbetontem ein - und das manchmal in einem einzigen Kleidungsstück. Manches wirkt einfach und eher unauffällig. In anderen Stücken materialisiert sich der Wunsch der Trägerin, das Leben zu feiern. 

Antonia Goy und Bjoern Kubeja
Antonia Goy und Björn KubejaBild: DW/G. Schließ

Langsam wachsen

Nur wenige Tage vor der Show liefen die Vorbereitungen im Berliner Atelier nahe des Hauptbahnhofs noch auf Hochtouren. Konzentrierte Anspannung war zu spüren. Für kurze Zeit hatte sich Antonia Goy trotzdem für ein Gespräch aus dem Gewusel herausgezogen. Ihr Label habe in einem kleinen Studio in der Berliner Brunnenstraße angefangen und sei langsam gewachsen, erzählt sie. Das sei gesund für die Marke und so solle es auch weitergehen. "Wir halten unsere Ansprüche auf Resultate wirklich offen", sagt Goy, denn sie wolle sich weder von der Medienresonanz noch von wirtschaftlichen Parametern die Freude und Inspiration für ihre Mode nehmen lassen. Lange habe sie mit der eigenen Show gewartet, sei von Freunden und Kollegen aber immer wieder ermuntert worden. Jetzt sei die Zeit reif gewesen, so Antonia Goy. Bjoern Kubeja, Partner im Label und im Leben, stimmt ihr zu.

Die Kosten für das kleine Label waren immens. Da gab es den Stylisten, der als Art Director gemeinsam mit den Designern die Show-Dramaturgie entwickelte und bis hin zum Make-up die Einzelheiten festlegte. Auch die 15 Models für die Show hatten ihren Preis, nicht zu reden von der Musik und – ganz wichtig – der begleitenden Pressearbeit. Über Geld wollen die beiden nicht reden, aber fünfstellig ist die Summe bestimmt. Immerhin gab es aus dem Förderprogramm des Berliner Senats einen Zuschuss von 2500 Euro.  

Antonia Goy in Ihrem Berliner Atelier.
Antonia Goy (rechts): Letzte Vorbereitungen im AtelierBild: DW/G. Schließ

"Deutscher Handel ist mutlos"

Antonia Goys Label ist bereits international aufgestellt: Läden in USA, Japan, Australien und Österreich verkaufen ihre Mode. Und jetzt ist sie auch noch beim renommierten italienischen Online-Modeshop Luisa Via Roma im Programm. Im internationalen Modebusiness sehen Goy und Kubeja auch ihre Zukunft. Denn in Deutschland stünden jungen Designern die Türen nicht gerade offen: "Der deutsche Handel ist so mutlos", klagt Antonia Goy. Die Amerikaner seien"viel spontaner". Wenn ihnen etwas gefalle, dann griffen sie zu. Die Deutschen dagegen gingen lieber auf Nummer sicher - mit etablierten ausländischen Marken.

Der Berliner Mode Salon, der nun schon in der fünften Saison bei der Berliner Fashion Week deutschen Modedesignern mit Ausstellungen und Shows eine Plattform bietet, will das ändern. Die Modeexperten rund um den Berliner Manager Marcus Kurz sind unablässig mit deutschen Händlern im Gespräch. Von ihrem Networking profitieren jetzt auch Antonia Goy und Bjoern Kubeja. Unter anderem verkauft erstmals das feine KADEWE ("Kaufhaus des Westens") ihre Mode.

Antonia Goy Winterkollektion
Antonia Goys neue Winterkollektion Bild: DW/Gero Schließ

Doch Berlin bleibt für das Designerduo ein holpriges Pflaster, auch aus einem anderen Grund: Im Laufe der Jahre sei es immer schwieriger geworden, gute Produzenten zu finden, die ihre Kleidung auf dem Niveau von Paris oder Mailand zuschnitten und nähten. "Das hat sich in Berlin ziemlich ausgedünnt", so Björn Kubeja. Die Mode von Antonia Goy lässt er deswegen in Stettin produzieren. Da gebe es hohe Qualität zu bezahlbaren Preisen – und das nicht weit weg von Berlin.

Trotzdem, auch wenn es ihnen Berlin nicht immer leicht macht: Goy und Kubeja können es sich nicht vorstellen, anderswo zu arbeiten und zu leben. Und seit ihrer ersten erfolgreichen Modeshow gibt es jetzt noch einen Grund mehr, auf Berlin zu setzen.