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COP23

Berlin-Bonn: Sonderzug zum Klimagipfel

Fahren statt fliegen? Um Fidschi und andere Inselstaaten zu retten, sind ehrgeizigere Schritte nötig. Auf der Bahnfahrt zur Klimakonferenz hat DW-Reporter Jens Thurau Menschen aus dem Südpazifik getroffen.

"Es wäre natürlich am besten, wenn alle Teilnehmer so zur Klimakonferenz kämen, wie wir das tun: Mit der Bahn!" Der Botschafter der Fidschi-Inseln in Deutschland, Deo Saran, steht gerade - irgendwo zwischen Berlin und Wolfsburg - in Wagen 24 des Sonderzuges zur Weltklimakonferenz. Aber klar, das geht nicht.

Aus über 190 Staaten kommen über 20.000 Delegierte, Journalisten und Umweltschützer in diesen Tagen nach Bonn, wo am Montag die COP23, also die 23. Klimakonferenz der Vereinten Nationen beginnt. Gerade einmal 250 von ihnen sitzen in dem Sonderzug. Aber der Botschafter findet, wenn es irgendwie geht, sollte man das Fliegen vermeiden: "Jeder, der Klimagase vermeidet, zählt. Wir sind doch eine globale Gemeinschaft auf derselben Reise." Vereint im Kampf gegen den Klimawandel also.

Werbung für die Deutsche Bahn

Die Fidschi-Inseln übernehmen die Präsidentschaft der Mammut-Tagung am Rhein, Deutschland ist Gastgeber. Und ein Sonderzug mit allen Extras, spendiert von der Bahn, bringt 250 Teilnehmer umweltfreundlich und öffentlichkeitswirksam an den Konferenzort.

UN-Klimakonferenz 2017 in Bonn | Train to Bonn (DW/J. Thurau)

Großes Symbol, kleiner Umwelteffekt: Sonderzug zum Klimagipfel mit Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD), Deo Saran, Botschafter von Fidschi und Bahnvorstand Richard Lutz (v.r.)

Klar, dass die Bahn kräftig Eigenwerbung macht: Bahnchef Richard Lutz verkündet per Bordmikrofon, dass sein Unternehmen bis 2030 nochmal die Hälfte der Klimagase einsparen will. Der Fernverkehr soll schon bald nur noch mit Öko-Strom fahren. Auf ins nachhaltige Zeitalter!

Fidschi im Rampenlicht …

Für die Inseln des Südpazifiks aber kommt das alles womöglich zu spät. In einem hinteren Wagon sitzt Frances Namoumou, die Klimabeauftragte des Pazifischen Kirchenrates in Fidschi. Und sie spricht über das Pariser Klimaabkommen von 2015, mit dem die Unterzeichner die Erderwärmung auf zwei Grad begrenzen, am besten aber bei 1,5 Grad stoppen wollen.

Frances Namoumou, Klimabeauftragte des Pazifischen Kirchenrates aus Fidschi (DW/J. Thurau)

Schlägt Alarm: Frances Namoumou, Klimabeauftragte des Pazifischen Kirchenrates in Fidschi

"Für uns macht das einen gewaltigen Unterschied. Die zwei Grad, die überall sonst gefeiert werden, sind für uns quasi ein Todesurteil." Sie erzählt, wie in ihrer Heimat ein erstes Küstendorf mit rund 200 Bewohnern umgesiedelt werden musste. Jetzt wohnen die Menschen im Hochland. Dort sind sie sicher vor dem immer höher steigenden Meer, vor den Stürmen. "Aber sie haben ihre Heimat verloren, sie verlieren ihre traditionellen Fertigkeiten beim Fischen", sagt Namoumou. "Traurig ist das. Aber es geht nicht anders."

… wenn es fast zu spät ist

Der Klimawandel ist schon so weit vorangeschritten, dass Fidschi - wenn überhaupt - nur noch geholfen ist, wenn die künftige Erwärmung maximal 1,5 Grad beträgt. Schwer zu sagen, ob sich die Staaten in Bonn wie geplant darauf verständigen, ihre Klimaziele ehrgeiziger zu fassen. Damit Fidschi noch eine Chance hat. Zurzeit, so Schätzungen, ergäben die Klimaziele, die im Paris-Vertrag stehen, eine Erwärmung von drei Grad durchschnittlich.

Tafue Lusama, Präsident des Roten Kreuzes Tuvalu (Dw/J. Thurau )

Tafue Lusama, Präsident des Roten Kreuzes Tuvalu: "Bei uns sind alle Menschen vom Treibhauseffekt betroffen."

Aber immerhin: Die Präsidentschaft über die Konferenz bietet die Chance, die prekäre Lage im Südpazifik zumindest bekannter zu machen. Auch die von Tuvalu, das wie Fidschi ein Inselstaat ist, aber nicht vulkanischem Ursprungs. Deshalb gibt es dort nicht einmal ein Hochland, in das man die Menschen umsiedeln könnte, wie Tafue Lusama erzählt, Präsident des Roten Kreuzes in Tuvalu. "Bei uns sind alle Menschen vom Treibhauseffekt betroffen. Alle. Und alle Lebensebenen." Auch er wird in Bonn kräftig für 1,5 Grad werben.

Hendricks: Der Teufel liegt im Detail.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) weiß, wie verwundbar die kleinen Inselstaaten sind. "Im Vertrag von Paris steht als wirkliche Verpflichtung: deutlich unter zwei Grad. Wir sollten aber den Ehrgeiz haben, uns doch den 1,5 Grad konkret anzunähern. Und die Pazifikstaaten haben Recht, wenn sie sagen, vor allem die Länder des Nordens müssen da noch mehr tun", so die Ministerin zur DW.

Aber dann sagt Hendricks auch, dass die Konferenz in Bonn schon ein Erfolg wäre, wenn die Staaten es schafften, sich auf gemeinsame Regeln für ihre Klimaziele zu einigen, die ab 2020 wirksam sein sollen. Etwa darauf, wie man die Ziele vergleichbar macht, also welcher Staat wann welche Minderung an Klimagasen melden muss. "Da liegt der Teufel dann oft im Detail", so Hendricks.

Dem Zwei-Grad-Ziel dürfte die Weltgemeinschaft auch in Bonn kaum näher kommen, den 1,5 Grad schon gar nicht. Immerhin haben die Zugreisenden Klimagase eingespart. Und pünktlich, das war dieser Zug natürlich auch.

Video ansehen 02:12

Kampf dem Klimawandel auf der Bonner Konferenz COP23

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