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Nahost

Berlin, Berlin - Israelis zieht es in die deutsche Hauptstadt

Berlin ist für viele Israelis die attraktivste europäische Metropole. Doch sie kommen nicht nur als Touristen und Besucher in die deutsche Hauptstadt. Tausende haben hier inzwischen ihre neue Heimat gefunden.

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Synagoge in der Oranienburger Straße

Café "Fugger 20" in Berlin. Zigarettenrauch liegt in der Luft. Robert Schwersenzer ist Anfang 70. Er trägt eine Brille, hat graues Haar. Genüsslich zieht er an seinem Glimmstängel. Er hat die Zigaretten aus Israel mitgebracht. Mit ihrem Geschmack und ihrem Geruch erinnern sie ihn an seine Jugend.

BdT Deutschland Berlin Juden Chanukka Leuchter vor Brandenburger tor

Chanukka-Leuchter vor dem Brandenburger-Tor

Schwersenzer wuchs in Israel auf. Seine Eltern flohen 1939 vor den Nazis nach Palästina. Anfang der 1960er-Jahre, nach dem Militärdienst kehrte die Familie nach Deutschland zurück und ging nach Berlin.

Die Stadt habe sich seitdem verändert, die Leute aber nicht, sagt er. Sie seien frecher und lockerer als anderswo, genau wie die Israelis. Zudem herrsche eine ganz besondere Atmosphäre in der deutschen Hauptstadt. Ein bisschen erinnere ihn Berlin auch an Tel Aviv, zum Beispiel was das Nachtleben angehe: "Deshalb ist Berlin attraktiver als andere Städte."

Kaum ist die Zigarette aus, der Rauch verflogen, riecht es nach Kaffee, nach orientalischen Gerichten und fremden Gewürzen. Im Café "Fugger 20" gibt es typische israelische Gerichte: Falafel, Humus und Tehina. Es ist ein Stück Heimat für die Israelis in Berlin.

Ein israelischer Treffpunkt in Berlin

Es gibt nicht viele solche Restaurants in der Hauptstadt. Und nur wenige Läden bieten israelische Produkte an. Keiner weiß das besser als Dan Metzger, der vor mehr als 40 Jahren als Jugendlicher nach Berlin kam. Seine Eltern wollten ihn anfangs nicht in jenes Land gehen lassen, das so viel Leid über ihr Volk gebracht hatte.

Doch der junge Dan setzte sich durch, er wollte unbedingt Schauspiel in Deutschland studieren. Über viele Umwege landete er schließlich in Berlin. Zusammen mit einem Freund eröffnete er zuerst das erste israelische Geschäft in der Hauptstadt: "Mifgasch-Israel" - "Mifgasch bedeutet Treffpunkt", erklärt er. Später machte er ein Restaurant mit koscheren Speisen auf. Inzwischen hat er sich aus der Gastronomie zurückgezogen und genießt nun sein Rentnerdasein.

Israelischer Stammtisch

Eröffnung Holocaust Mahnmal

Das Stelenfeld des Holocaust-Mahnmals

Um dennoch in Kontakt mit seinen Landsleuten zu bleiben und um sein Hebräisch zu pflegen, geht Metzger einmal im Monat zum israelischen Stammtisch. Dort treffen sich Leute, die noch kein Deutsch sprechen, die neu in Deutschland sind und die sich darüber freuen, hier auf Landsleute zu stoßen, mit denen sie sich in ihrer Muttersprache unterhalten können. Organisiert wird der israelische Stammtisch von Ilan Weiss. Eingeladen ist jeder, egal welches Alter, egal ob Studenten, Geschäftsleute oder Rentner.

Wie viele Israelis in Berlin leben, lässt sich schwer sagen. Vielleicht nur ein paar Tausend, aber die, so schätzt Weiss, machen viel Wind.

In ihrem Buch "Israelis in Berlin" spricht Fania Oz-Salzberger von mehr als 10.000 Israelis, die in Berlin eine neue Heimat gefunden haben.

Viele sind in den letzten Jahren gekommen, nicht nur, um Urlaub zu machen. "Sie wollen hier leben, studieren und arbeiten", erklärt Jael Botsch-Fitterling von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit. Westberlin habe Israelis schon in den 1960er- Jahren angezogen. Damals kam auch sie in die geteilte Stadt, die gerade wegen ihrer Insellage für Israelis attraktiv gewesen sei.

Großes Interesse

Jüdisches Museum Berlin Plakat

Ausstellungsplakat des Jüdischen Museums Berlin

Dass das Interesse an Berlin groß ist, das spürt auch Michal Kümper. Sie führt israelische Reisegruppen durch das Jüdische Museum in Berlin. Im Jahr 2007 waren 22.000 Israelis unter den Besuchern - nach den Touristen aus den USA die zweitgrößte Gruppe. "Sie sind sehr viel lebendiger und diskussionsfreudiger als andere Gruppen, aber auch undisziplinierter", erzählt sie.

Als sie eine israelische Gruppe einmal in den so genannten Holocaustturm führte, einen engen und hohen Beton-Turm, in dem man sich klein und beklommen fühlt, stimmten die Besucher überraschend ein religiöses Lied an. "So etwas hat es hier noch nie gegeben", sagt Kümper.

Im Café "Fugger 20" ist es inzwischen ruhiger geworden, die israelische Runde löst sich langsam auf. Jeder geht wieder seiner Wege im deutschen Berlin. Doch sie alle eint eines: Das Wissen, dass sie jederzeit zurückkehren können, in ihr Land - ihr Israel.

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