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Musik

Berlin bekommt ein "House of Jazz"

Berlin soll Europas Jazz-Hauptstadt werden - wenn es nach dem deutschen Trompeter Till Brönner geht. Seine Vision: ein Jazz-Tempel nach New Yorker Vorbild, inklusive Orchester und Nachwuchsförderung.

Das alte Gebäude am Spreeufer in Berlin-Mitte ist sanierungsbedürftig. Altbauten wie diese in bester Lage schreien nach Kultur - und die ist jetzt schon drin: Künstler, Musikproduzenten, Konzertlocations, sogar ein Hersteller von nachhaltiger Limonade existieren in der "Alten Münze", einer ehemaligen Münzprägeanstalt mit Geschichte. Jetzt soll Großes hinzukommen: Ein Jazz-Mekka, das Musiker aus der ganzen Welt anziehen soll. Mit Bühnen, Studios, einer Akademie und einem hauseigenen Orchester.

Mächtige Jazz-Freunde

Diese Vision hat den Jazz-Trompeter Till Brönner schon lange umgetrieben - jetzt könnte sie tatsächlich wahr werden. Denn Brönner hat wichtige Leute von seinem Projekt überzeugen können: Die Kulturstaatsministerin Monika Grütters etwa. Und den noch amtierenden Berliner Kulturstaatssekretär Tim Renner. Und zwei Mitglieder des Haushaltsausschusses des Bundestages. Dort wurden nun 12,5 Millionen Euro für die Sanierung der "Alten Münze" bewilligt. Dies ist allerdings erst die Hälfte der Summe, die für eine komplette Sanierung der 10.000 Quadratmeter großen Fläche anfallen würde. Noch ist nicht geklärt, wer die andere Hälfte aufbringen soll. Ebensowenig ist klar, wer die laufenden Kosten von etwa fünf Millionen Euro jährlich trägt, wie die derzeitigen Mieter zu dem Vorhaben stehen und was eigentlich der zukünftige Kultursenator, Tim Renners Nachfolger Klaus Lederer von den Linken, dazu sagt.

Berlin soll Jazz-Metropole sein

Um offene Fragen zu beantworten, hat Till Brönner eine 120 Seiten starke Machbarkeitsstudie vorgelegt. Allein für die hat der Bund bereits 50.000 Euro springen lassen. Darin ist unter anderem zu lesen, dass "die Zeit gekommen sei, ein Zeichen für die integrative Kraft der Musik in Europa zu setzen". In Berlin soll ein zentraler und kultureller Ort etabliert werden, an dem deutsche und internationale Gäste teilhaben können, wo Talente gefördert werden, wo Austausch und Forschung stattfinden, wo Traditionen gepflegt werden.

Als Vorbild gilt das Jazz at Lincoln Center (JALC) in New York. Das hat sich auf die Fahne geschrieben, "die global community des Jazz zu unterhalten, zu bereichern und zu erweitern", wie es in den Statuten des JALC steht. Jazz, so heißt es weiter, sei eine Metapher für Demokratie.

Nun soll also das deutsche Gegenstück in Berlin entstehen. Als Jazzstadt hat Berlin schon lange einen Namen. Seit 1964 findet das "Jazzfest Berlin" statt - eine der renommiertesten und ältesten Jazzveranstaltungen in Europa. Internationale Musiker kommen gerne nach Berlin, die Haupstadt hat immer noch eine große Anziehungskraft auf Kreative aus aller Welt. Nach Ansicht Till Brönners kann ein "House of Jazz" nur in Berlin entstehen.

Die finanziellen Weichen für Brönners Traum sind gestellt worden - allerdings noch von der alten Landesregierung. Die restlichen Fragen gehen an die neue rot-rot-grüne Berliner Landesregierung. Ob dort auch so viele Jazzfreunde sitzen, wird sich zeigen.