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Studium

Berichterstattung über Ägypten

Wie berichtete die internationale Presse über den Sturz Mursis? Im Rahmen des Seminars "Media and Politics" analysieren IMS-Studierende Zeitungsartikel auf Vorurteile und einseitige Berichterstattung.

"Die Medien im Westen beschreiben Ex-Präsident Mursi als Opfer des Militärs. Das ist zu einseitig", sagt die ägyptische IMS-Studentin Miret El Naggar. Seit langem verfolgt die Journalistin die Berichterstattung der westlichen Presse über ihr Heimatland. In einem Forschungsprojekt geht sie nun dieser Beobachtung gemeinsam mit ihrem Kairoer Kollegen Walid Osman und neun weiteren Studierenden des Masterstudienganges International Media Studies nach. Hierzu analysiert die Forschungsgruppe acht internationale Tageszeitungen und überprüft, wie und in welchem Umfang über die Absetzung des ehemaligen ägyptischen Präsidenten und Muslimbruder Mohammed Mursi im Juli 2013 berichtet wurde.

Berichterstattung von Null auf Hundert

In der Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn blättern sich die Studierenden durch das Zeitungsarchiv. Sie sichten, analysieren und codieren sämtliche Artikel und Meldungen, die über Ägypten veröffentlicht wurden, und erfassen die Ergebnisse in einer Datenbank - streng nach einem System, das die "Juniorforscher" gemeinsam entwickelt haben. Die Palette ihrer Fragen reicht von der Auswahl der Quellen über die Verwendung von Stereotypen bis zu Merkmalen einseitiger Berichterstattung.

"Mich interessiert die Fokussierung auf Mursi in der internationalen Berichterstattung", sagt Nube Álvarez aus Mexiko, die die Seiten der spanischen "El Pais" nach Texten und Bildern über das Land am Nil durchsucht. Der palästinensische Journalist Mohammed Abugeth sagt nach der ersten Sichtung der "Süddeutschen Zeitung": "Unglaublich, wie rasant die Medien auf ein Thema anspringen. Erst herrscht wochenlang Flaute, dann geht es an einem Tag von Null auf Hundert." Dasselbe bestätigen Vinicio Chacón aus Costa Rica und Taina Mansani aus Brasilien über die Wiener "Presse" und die Pariser "Le Monde". Auch Bruna Amaral ist überrascht: "Die brasilianische Tageszeitung 'Estado de Sao Paulo' hatte sogar einen eigenen Korrespondenten in Kairo."

Dass sie das Archiv der Friedrich-Ebert-Stiftung nutzen können, hilft den Masterstudierenden bei ihrem Projekt. "Jetzt weiß ich, warum wir mit echten Zeitungen aus Papier arbeiten", sagt Maria Gomez aus Kolumbien über die angestaubt wirkende Methode: Nur so würden sich Umfang und Vielfalt der Berichterstattung ernsthaft miteinander vergleichen lassen. "Ich verstehe dadurch besser, wie andere Redaktionen arbeiten, begreife deren Nachrichtenfluss. Für mich als Journalistin sind das wichtige Erkenntnisse."

Medienforschung in multikulturellen Teams

Die Einbettung des Forschungsprojektes in das Seminar "Media and Politics" gewährleistet, dass die Studierenden wissenschaftlich korrekt arbeiten. "Wir bilden Medienmanager aus. Diese müssen heute mehr denn je Situationen und Tatbestände erfassen, analysieren und abstrahieren. Diese Schlüsselkompetenzen möchten wir mit dieser Art von Projekten fördern", so Studiengangsleiter Prof. Dr. Christoph Schmidt.

Dabei profitiert das Masterprogramm von der Sprachenvielfalt und den interkulturellen Kompetenzen der Studierenden. Im Laufe der nächsten Wochen wird die multinationale Forschergruppe hunderte Artikel und Bilder gesichtet, systematisiert und ausgewertet haben. Die Ergebnisse des Projektes werden voraussichtlich Mitte 2014 veröffentlicht.

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