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Nahost/Nordafrika

Berichte aus Schatila: "Das war immer mein Traum"

Oft dringen aus Flüchtlingscamps wenig Informationen nach draußen. Und auch die Bewohner sind schlecht informiert. Die Bürgerjournalisten von Schatila im Libanon zeigen, wie es anders geht.

Libanon Flüchtlingslager Schatila Bürgerjournalistin (DW/Nasir Al-Jezairi)

Die Palästinenserin Rayan Sukkar lebt im Flüchtlingslager Schatila und arbeitet als Bürgerjournalistin.  

Das Flüchtlingslager Schatila im Libanon gibt es schon seit Jahrzehnten. Bis zu 40.000 Menschen leben dort, neben palästinensischen Flüchtlingen auch immer mehr Syrer, die vor dem Bürgerkrieg in ihrem Land fliehen. Die Palästinenserin Rayan Sukkar wurde in Schatila geboren, vor 22 Jahren. Sie ist Teilnehmerin in einem DW Akademie-Projekt für Bürgerjournalisten und berichtet seit neustem für und über die Bewohner im Camp. Damit will sie jungen Palästinensern und Syrern eine Stimme geben und positive Beispiele in ihrer Umgebung aufzeigen, erzählt sie.

Von Rayan Sukkar

"Campji", das kommt vom englischen Wort "Camp" und der arabischen Wortendung "ji".  Es ist das Slangwort der Jugendlichen für die Bewohner in Schatila. Campji, das sind wir alle. Deswegen heißt auch unsere Online-Plattform so, auf der wir ab Ende November Videos für die Menschen in Schatila veröffentlichen werden. Das sind Interviews, Beiträge oder Vox-pops, produziert von mir und neun anderen Palästinensern und Syrern, die als Reporter in den Straßen unterwegs sind. Wir möchten die Geschichten der Bewohner im Camp erzählen und Themen ansprechen, die für uns alle wichtig sind.

In Schatila haben wir es jeden Tag mit verschiedenen Herausforderungen zu tun. Da ist zum einen die marode Infrastruktur – es fehlt an Elektrizität und sauberem Wasser. Die fehlende Sicherheit ist ein Problem, aber auch Drogenmissbrauch und Arbeitslosigkeit sowie die Tatsache, dass wir als Bewohner keine offizielle Arbeitserlaubnis für den Libanon bekommen. Die Bilder und Berichte in den Medien über unser Camp sind oft sehr negativ und stereotyp.

Libanon Flüchtlingslager Schatila Bürgerjournalistin Rayan Sukkar (DW/Nasir Al-Jezairi )

Rayan Sukkar (links) mit Trainer Peter Brückner bei einem Video-Shooting im Flüchtlingslager - gemeinsam mit weiteren Bürgerjournalisten

Mit "Campji" wollen wir den Menschen auch Hoffnung machen. Das Ganze ist ein Projekt der DW Akademie. Deren Trainer entwickeln mit uns Erzählformate und zeigen uns, wie man als Videojournalist arbeitet. Wir lernen alles von der Idee bis zur Umsetzung einer journalistischen Geschichte. Ich bin durch eine Freundin auf das Projekt aufmerksam geworden. "Wäre das nicht etwas für dich?", fragte sie, als sie ein Poster an einer Mauer am Straßenrand im Camp sah. Da musste ich keine Minute überlegen. Als Journalistin zu arbeiten, das ist schon immer mein Traum gewesen. Derzeit studiere ich Kommunikationswissenschaften in Beirut. Die Arbeit als Video-Reporterin ist eine tolle Ergänzung, weil ich so meiner Stimme als Palästinenserin im Libanon Gehör verschaffen kann.

Humor ist ein ganz wichtiger Aspekt für uns als Bürgerjournalisten. Wir möchten einerseits den Alltag in Schatila so abbilden, wie er ist, aber vor allem auch positive Beispiele aufzeigen. Der Humor als Stilmittel erlaubt uns, dabei auch sensible Themen anzusprechen und den Zuschauern die Möglichkeit zu geben, über ihren Alltag zu lachen, auch wenn er schwierig sein kann. Mit einem Lachen kann ich jedes Thema und jede Botschaft vermitteln.

Libanon Flüchtlingscamp Schatila Video-Produktion (DW/Nasir Al-Jezairi)

Video-Produktion für die Online-Plattform "Campji" - ein Nachrichtenportal für das Flüchtlingscamp Schatila im Libanon. Die Beiträge kommen von engagierten Bürgerjournalisten.

Außerdem haben wir ein investigatives Format, mit dem wir Problemen nachforschen. Wie dem Missmanagement im Camp zum Beispiel. Da müssen wir natürlich sehr vorsichtig sein. Das Camp wird von verschiedenen palästinensischen Fraktionen gemanagt, die unterschiedlichen politischen Lagern angehören. Denen kommt eine kritische Berichterstattung nicht gelegen. Das ist eine Gratwanderung: die wahren Probleme ansprechen ohne mit dem Finger zu zeigen. Am Anfang war das auch sehr schwierig, weil wir zum Teil daran gehindert wurden, mit unserer Kamera zu drehen.

Ich bin wirklich stolz über die Berichte, die wir gemeinsam schon produziert haben. Wir haben Berichte über Menschen mit besonderen Talenten gedreht. Ich selbst habe verschiedene Koch-Tutorials und ein Portrait über einen Comedian produziert. Momentan arbeite ich an einem Bericht über das sinkende Bildungsniveau an den Schulen im Camp.

Ich glaube fest daran, dass sich mit "Campji" etwas in Schatila ändern wird und die Menschen ihrem Alltag etwas Positives abgewinnen können. Und sie die Probleme mit anderen Augen betrachten und darüber ins Gespräch kommen.

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