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Extremismus

Bericht: Jeder vierter heimgekehrte Dschihadist schwört ab

Etwa jeder dritte Islamist, der zum Dschihad nach Syrien oder Irak fuhr, ist bereits wieder in Deutschland. Die "Welt" zitiert nun eine Studie, wonach ein Viertel der Rückkehrer mit den Sicherheitsbehörden kooperieren.

Hamburg IS-Rückkehrer Harry S. Interview Radio Bremen (Radio Bremen)

Der IS-Rückkehrer Harry S. aus Bremen muss sich vor dem Oberlandesgericht Hamburg verantworten

Die Tageszeitung "Die Welt" berichtet unter Berufung auf eine als Verschlusssache eingestufte Studie zu Radikalisierungshintergründen, dass ein Viertel der Rückkehrer aus den Dschihad-Kampfgebieten sich zur Zusammenarbeit mit den deutschen Sicherheitsbehörden bereiterklärt habe. Sie gäben beispielsweise Informationen zur Islamistenszene in Syrien oder Deutschland weiter. In 22 Prozent der Fälle arbeiten auch die Eltern mit den deutschen Behörden zusammen. Die Studie wurde laut "Welt" vom Hessischen Informations- und Kompetenzzentrum gegen Extremismus, dem Bundeskriminalamt (BKA) und dem Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) erstellt. Demnach reisten mehr als 850 Islamisten in den vergangenen Jahren in das Bürgerkriegsgebiet nach Syrien und den Nordirak aus.

Für die 61-seitige Studie, die der "Welt" vorliegt, seien 784 Lebensläufe von Menschen zwischen 13 und 62 Jahren untersucht worden, die sich dort den Terrorgruppen "Islamischer Staat" (IS), Dschabhat al-Nusra oder Junud al-Sham angeschlossen hätten. 274 seien inzwischen wieder in Deutschland, heißt es. Knapp die Hälfte (48 Prozent) der Heimkehrer bleibt ihrem extremistischen Milieu treu, wie die "Welt" weiter schreibt. Bei acht Prozent gingen die Behörden nur von einer "taktisch motivierten Rückkehr aus, etwa um sich zu erholen oder um neue Ausrüstung oder Geld zu besorgen". Lediglich etwa jeder zehnte Ausgereiste sei bislang frustriert oder desillusioniert zurückgekehrt. Dazu passt, dass sich schließlich auch nur wenige, nämlich neun Prozent, aus dem extremistischen oder salafistischen Milieu zurückziehen.

Bei der Untersuchung ging es vor allem um folgende Fragen: Wer hat sich warum auf den Weg gemacht? Welche Faktoren spielten bei der Radikalisierung eine Rolle? Welche Altersgruppen sind besonders anfällig? Welchen Bildungshintergrund haben die Dschihadisten? Mögliche Konsequenzen aus dem Bericht sollen auf der Innenministerkonferenz besprochen, die von Montag bis Mittwoch in Saarbrücken stattfindet.

 

Zahl der Ausreisen nimmt ab

Etwa ein Drittel der ausgereisten Islamisten soll sich der Studie zufolge noch im Kriegsgebiet aufhalten. Ein Drittel sei mittlerweile zurückgekehrt, zwölf Prozent von ihnen seien inhaftiert. Die restlichen Personen befänden sich wohl im Ausland oder ihr Aufenthaltsstatus sei unbekannt, heißt es in dem Bericht.

Es sei derzeit ein signifikanter Rückgang der Ausreisen zu verzeichnen, so die Studie. Zwischen Juli 2015 und Juni 2016 seien nur noch 49 Ausreisen registriert worden. Dies liege womöglich an der „stark abnehmenden Strahlkraft des IS", heißt es. Im Zeitraum rund um die Ausrufung des sogenannten Kalifats durch den IS im Jahr 2014 waren es noch bis zu 100 Ausreisen pro Monat.

Womöglich habe diese Entwicklung aber auch damit zu tun, dass der IS seine Anhänger im Westen seit geraumer Zeit "ausdrücklich dazu aufruft, nicht mehr in das ,Kalifat‘ auszureisen, sondern in ihren Heimatländern Anschläge zu verüben".

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagte dazu: "Die Arbeit der Behörden, Kontrollen und Festnahmen bei der Ausreise oder Einreise, zeigt ihre Wirkung." Dennoch könne man erst in einem Jahr von einer Wende sprechen, "wenn der Trend anhält".

kle/qu (dpa, welt.de)

 

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