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Chemische Kriegsführung

Bericht bestätigt Sarin-Einsatz in Syrien

Auch letzte Zweifel scheinen ausgeräumt: Laut der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) ist bei dem Angriff auf die syrische Stadt Chan Scheichun im April das Nervenkampfgas Sarin verwendet worden.

Syrien Giftgasangriff in Khan Sheikhun Bodenproben (Getty Images/AFP/O. Haj Kadour)

Beweissicherung durch Bodenproben am Tatort Chan Scheichun

Man müsse nun davon ausgehen, "dass eine große Zahl an Menschen, von denen manche starben, Saringas oder einer Saringas-ähnlichen Substanz ausgesetzt waren": So das Resümee des vertraulichen Berichts an den UN-Sicherheitsrat. Die Untersuchungskommission der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) bestätigt darin den Einsatz von Giftgas in der syrischen Stadt Chan Scheichun am 4. April 2017. Das Nervenkampfgas sei sehr wahrscheinlich dort freigesetzt worden, wo nach dem Einschlag eines Geschosses nun "ein Krater in der Straße" klaffe.

Vielzahl von Hinweisen 

Die Experten seien der Auffassung, "dass solch eine Freisetzung nur als Einsatz von Saringas als chemische Waffe eingestuft" werden könne, heißt es in dem Bericht aus Den Haag. Das OPCW-Team hatte Gewebeproben von Opfern und Bodenproben untersucht sowie mit Zeugen gesprochen. Schon Mitte April hatte man mitgeteilt, dass Laborproben bei Todesopfern und Verletzten ergeben hätten, dass in Chan Scheichun "unbestreitbar" Giftgas verwendet worden sei. Britische und türkische Analysen waren zu demselben Ergebnis gekommen.    

Es sei nicht Aufgabe des OPCW die Täter zu finden, betonte die Organisation. Ein gemeinsames Gremium der OPCW und der UN soll diese Frage nun klären

Syrien Idlib Giftgasangriff (Getty Images/AFP/O. H. Kadour)

Rasche Behandlung eines verletzten Kindes in Chan Scheichun nach dem Angriff vom 4. April

Durch den C-Waffen-Angriff waren etwa 90 Menschen getötet und Hunderte schwer verletzt oder verseucht worden. Unter den Opfern waren viele Kinder. Die USA, Großbritannien und Frankreich machen die Truppen von Syriens Machthaber Baschar al-Assad dafür verantwortlich. Als Vergeltung hatte die US-Armee den syrischen Luftwaffenstützpunkt Al-Schairat, von dem der Angriff ausgegangen sein soll, mit Marschflugkörpern beschossen.

Russland stellt sich hinter Assad 

Die syrische Regierung wies die Vorwürfe wiederholt zurück. Mitte April sagte Assad in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP,  der Giftgaseinsatz in Chan Scheichun sei zu "hundert Prozent konstruiert". Russland, der wichtigste Verbündete Assads, wies den OPCW-Bericht am Freitag als "politisch gesteuert" zurück. Das Moskauer Außenministerium sprach erneut von "zweifelhaften Beweisen". Es hatte wiederholt internationale Sanktionen gegen Syrien blockiert.     

Die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, erklärte sie habe "höchstes Vertrauen in den OPCW-Bericht". "Jetzt, wo wir die nicht zu leugnende Wahrheit kennen, sehen wir einer unabhängigen Untersuchung entgegen, um genau zu bestätigen, wer für diese brutalen Angriffe verantwortlich war, damit wir Gerechtigkeit für die Opfer erringen können", fügte sie hinzu.

Deutschland appelliert an Moskau und Peking 

Die deutsche Bundesregierung forderte den UN-Sicherheitsrat auf, nun die Schuldigen zu identifizieren und zu bestrafen. Man erwarte auch von den Veto-Mächten Russland und China die Bereitschaft, Sorge dafür zu tragen, dass die Verantwortlichen - wenn diese eines Tages zweifelsfrei feststehen sollten - "auf eine angemessene Art und Weise" zur Rechenschaft gezogen würden, erklärte das Auswärtige Amt in Berlin. 

Der gemeinsame Untersuchungsmechanismus von UN und OPCW war bereits zu dem Schluss gekommen, dass die syrischen Regierungstruppen für Chlorgas-Angriffe auf drei Dörfer in den Jahren 2014 und 2015 verantwortlich waren und dass die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) 2015 Senfgas einsetzte.

SC/hk (afp, rtre, dpa)