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Aktuell Europa

Bergwerksmanagement in Soma weist jegliche Verantwortung von sich

Ein tragischer Unfall, meinen die Unternehmer nach dem schwersten Grubenunglück in der Türkei. Die trauernden Familien der toten Bergleute verlangen Aufklärung. Die Wut richtet sich zunehmend auch gegen die Regierung.

Höchstens noch 18 Bergleute seien unter Tage verschüttet, teilte der türkische Energieminister Taner Yildiz mit und ließ durchblicken, dass es auch für sie keine Hoffnung mehr gebe. 284 Todesopfer hat es bislang beim schwersten Grubenunglück in der Geschichte der Türkei gegeben. Insgesamt wird in Soma mit mehr als 300 Toten gerechnet. Auch Yildiz versicherte noch einmal, sollte es zu Verstößen gegen die Sicherheitsbestimmungen gekommen sein, würden die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen.

Der Betreiber der Kohlegrube erklärte, der genaue Grund für den Ausbruch der Brände im Stollen sei auch drei Tage nach der Katatrophe noch unklar. Es handele sich um einen "unglaublichen Unfall, an einem Ort, wo es in den letzten 30 Jahren sehr wenig Unfälle gegeben habe", sagte der Chef der Soma Holding, Alp Gurkan, vor der Presse. Er habe sein eigenes Geld ausgegeben, um den Sicherheitsstandard der Mine zu verbessern.

Auch Soma-Komur-Generaldirektor Akin Celik wies Vorwürfe wegen Fahrlässigkeiten oder einer Mitschuld des Unternehmens zurück. Ein Manager dementierte jetzt die Berichte, das Feuer sei durch einen Fehler in der Elektik ausgebrochen. Es nannte als Ursache eine "Kohlenstaubexplosion".

Neben dem Bergwerksbetreiber richtet sich der öffentliche Protest auch gegen die Regierung unter Recep Tayyip Erdogan.

Dem Ministerpräsidenten und seiner islamisch-konservativen Partei AKP wird unter anderem vorgeworfen, Kritik an mangelnden Sicherheitsbestimmungen unterdrückt und die Privatisierung der Zechen vorangetrieben zu haben. Der Premier hatte das Unglück als "Arbeitsunfall" bezeichnet. Helle Empörung löste zudem ein Berater Erdogans aus, der am Ort der Katastrophe in Soma auf einen Demonstranten eingetreten hatte. Er bedauere den Zwischenfall, er habe wohl "die Selbstbeherrschung verloren", entschuldigte sich Yusuf Yerkel einen Tag später.

Die Proteste gegen die Regierung gingen weiter. In der westtürkischen Metropole Izmir ging die Polizei am Donnerstag mit Tränengas und Wasserwerfern gegen etwa 20.000 Demonstranten vor. Gewerkschaften hatten zum Streik aufgerufen. In Ankara und Istanbul hatten schon am Vorabend Tausende den Rücktritt Erdogans verlangt.

SC/as (APE, rtre, afpe, dpa)