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Kultur

Bergkönig Ricco war gedopt

Der italienische Bergkönig Riccardo Ricco ist als dritter Radprofi bei der diesjährigen Tour de France positiv auf EPO getestet worden. Sein Rennstall Saunier Duval kündigte daraufhin seinen kompletten Rückzug an.

Der Rennfahrer Riccardo Ricco vom Team Saunier Duval-Scott, Foto: AP

Am Ende: Bergkönig Ricco

Die 95. Tour de France hat offenbar ihren dritten und prominentesten Dopingfall: Der zweimalige Etappensieger, der Italiener Riccardo Ricco ist bei einer Urin-Kontrolle positiv auf EPO getestet worden. Der spanische Rennstall Saunier Duval zog direkt die Konsequenzen aus dem Vorfall um seinen Kapitän und schickte die Mannschaft erst gar nicht mehr zum Start der 12. Etappe nach Lavelanet. "Wir stellen unsere sportlichen Aktivitäten im Moment ein. Er ist kein x-beliebiger Fahrer, wir haben das Team um ihn herum aufgebaut", erklärte Teamchef Pietro Algeri den Tränen nahe.

Ricco hatte die beiden Bergetappen in Super-Besse Sancy und Bagneres-de-Bigorre gewonnen. Der Giro-Zweite war nach der elften Etappe am Mittwoch (16.07.2008) Gesamtneunter und fuhr im Trikot des Bergkönigs.

Keine Drakonische Maßnahmen?

Bei seiner Festnahme hatten sich regelrechte Jagdszenen in Lavelanet abgespielt. Bergtrikot-Träger Ricco wollte am Startort im Wagen seines Teams flüchten, die Polizei verfolgte ihn und nahm ihn in Gewahrsam.

Der Rennfahrer Riccardo Ricco vom Team Saunier Duval-Scott wird festgenommen, Foto: AP

Jagdszenen in Lavelanet: Die Polizei nimmt Ricco fest

Dem 24-jährigen Italiener, für große Sprüche und Provokationen bekannt, wurde die Verwendung des neuen EPO-Präparats CERA nach dem Zeitfahren am Dienstag in Cholet nachgewiesen.

"Wir werden noch keine drakonischen Maßnahmen gegen die Teams einleiten, so lange wir nicht mehr wissen", hatte vor dem selbst gewählten Tour-Aus der spanischen Mannschaft ASO-Direktor Patrice Clerc erklärt. "Für uns ist das ein weiterer von isolierten Fällen."

Mit dem zweifachen Etappensieger Ricco wurde der dritte Doper nach Manuel Beltran und Moises Dueñas Nevado (beide Spanien) enttarnt. Im Gepäck von Duenas Nevado wurden zudem bei einer Razzia in seinem Hotelzimmer zahlreiche medizinische Utensilien sowie verdächtige Substanzen sichergestellt. Dabei fanden die Dopingfahnder auch ein in Frankreich verbotenes Produkt. Duenas Nevado droht nun sogar eine Gefängnisstrafe.

Früher Verdacht

Ricco war bereits zu Tour-Beginn in Verdacht geraten, nachdem sein Name auf einer Liste von fünf Fahrern erschienen sein soll, die nach Kontrollen der französischen Anti-Doping-Agentur AFLD Auffälligkeiten aufgewiesen hätten, wie die "L'Équipe" berichtete. Der diesjährige Zweite des Giro d'Italia hatte seinen Hämatokritwert außerhalb der Norm mit natürlichen Ursachen erklärt: "Mein Hämatokritwert liegt von Kindesbeinen an über der Norm, wie bei manch anderen Fahrern auch. Das hat genetische Ursachen und ist bei der UCI dokumentiert", sagte er.

Rennfahrer Manuel Beltran, Foto: AP

Auch gedopt: Manuel Beltran

Beinahe sprachlos zeigte sich Hans-Michael Holczer, der Chef vom Team Gerolsteiner. "Dazu fällt mir nichts mehr ein. Ich gehe jetzt davon aus, dass Ricco nicht der letzte Dopingsünder ist." Er sehe dennoch keine Gefahr für die Fortsetzung der Tour de France, die 2006 und 2007 ähnliche Doping-Erdbeben erlebt hatte. "Die Tour geht weiter, sie steht hinter den Kontrollen und hat sie initiiert. Uns stehen wahrscheinlich noch weitere Unbelehrbare ins Haus. Interessant wird, aus welchen Teams sie kommen könnten", sagte er.

Keine effektive Kontrolle?

Der Doping-Experte Rasmus Damsgaard hatte vor Bekanntwerden des neuesten Falles ein düsteres Bild von der Tour gemalt. Der Däne, der die internen Anti-Doping-Programme in Jens Voigts CSC-Saxo-Team und bei der US-Equipe Garmin leitet, kritisierte den Tour-Veranstalter ASO und die AFLD, die die Tests beim Juli-Spektakel vornimmt. "Ich befürchte, sie würden 10, 20 oder 30 Prozent der Fahrer mit EPO überführen, wenn sie jetzt das komplette Feld testen würden. Die zwei Fälle Beltran und Dueñas zeigen, dass ihre Dopingkontrollen nicht funktionieren, solange sie sich mit Stichproben begnügen", hatte Damsgaard einem dänischen Internetportal erklärt. Voigt nannte den Vorwurf eine gewagte Aussage. (ina)

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