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Deutschlandtour

Berchtesgaden - Stille Nacht, Böller kracht

Das Christkind, der geschmückte Weihnachtsbaum, Geschenke, Lieder und der Kirchgang sind feste Bestandteile des Festes. Die Stimmung in der heiligen Nacht ist in vielen Haushalten besinnlich. Doch nicht überall.

In Bischofswiesen wird das Weihnachtsfest angeschossen (Foto: AP)

In Bischofswiesen wird das Weihnachtsfest "angeschossen"

Im Berchtesgadener Land, an der südöstlichen Peripherie Bayerns, pflegen Schützenvereine das Christkind mit Böllerschüssen zu begrüßen. Da jeder Knall vielfach von den hohen Bergen ringsum widerhallt, herrscht in dieser vermeintlich so stillen Nacht ein Höllenlärm. Zumindest bis Mitternacht. Sobald die Kirchenglocken läuten, darf jede Büchse nur noch einmal abgefeuert werden. Dann wird es still - schließlich müssen auch die Schützen zur Christmette.

Wer meint, dass dies doch wohl ein ziemlich unchristliches Spektakel ist, hat nicht ganz Unrecht. Seine Wurzeln hat der Brauch schließlich in der heidnischen Erlebniswelt. Die verschneite Bergwelt von Watzmann & Co. galt seit jeher als Reich, in dem die Dämonen hausten, die die Menschen auf den abgelegenen Höfen bedrohten. Es wurde mit Peitschen geknallt und mit Ketten gerasselt, um die teuflischen Plagegeister loszuwerden. Je lauter, desto besser.

Geschenk des Himmels

Böllerschützen im Berchtesgadener Land (© Kurdirektion des Berchtesgadener Landes / Ammon)

Weihnachtsschießen

Die Bewohner der Fürstpropstei Berchtesgaden müssen die Erfindung der Feuerwaffen denn auch als "Geschenk des Himmels" empfunden haben. 1666 wurde der Brauch des Weihnachtsschießens erstmals in einem fürstlichen Protokoll erwähnt - und auch gleich verboten. Nicht nur um das Wildern zu verhindern. Die Herrscher befanden damals auch, dass "das Schießen nicht der Ehre Gottes dient, sondern nur von Schurken; der Krach ist höchst beschwerlich für ehrliche Menschen und vor allem für Kranke."

Ausgerichtet hat das Verbot wenig, genauso wenig wie all die weiteren Verbote, die noch folgen sollten. Das widerspenstige Volk schoss weiter - auch als ein königliches Verbot der Nachtmesse in der Klosterkirche und der Rückzug des Hofes aus Berchtesgaden drohte. Nichts half, auch nicht die "letzte Maßnahme": die Beschlagnahme aller Feuerwaffen. Die erfinderischen Bajuwaren zündeten das Schießpulver fortan einfach in alten Kirchenschlüsseln oder in den Kratzeisen der Schornsteinfeger.

Panorama (Foto: Kurdirektion des Berchtesgadener Landes)

Der Watzmann (2713 m), der höchste Berg der Berchtesgadener Landes

Messe mit Schuss

Legalisiert wurde das Weihnachtsschießen erst am Anfang des 20. Jahrhunderts, als die "Weihnachtsschützenvereine" für eine gewisse Ordnung sorgten. Denn inzwischen wurde so begeistert mit Feuerwaffen und Schießpulver experimentiert, dass sich häufiger Zwischenfälle ereigneten. Unvergessen ist im Berchtesgadener Land noch immer der Schütze, der unfreiwillig das vorzeitige Ende der Weihnachtsmesse herbeiführte, als sich aus der Büchse in seinem Rucksack ein unkontrollierter Schuss löste.

Jetzt ist natürlich alles ordentlich geregelt und in einen gesetzlichen bayerischen Rahmen gepresst. Aber der besondere Brauch des Weihnachtsschießens mit kurzläufigen, großkalibrigen Handböllern sorgt dafür, dass die stille Nacht im Berchtesgadener Land doch noch immer etwas aus dem heiligen Rahmen fällt.

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