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Kultur

Bequemes Leben im Abo

Abonnenten bezahlen Geld dafür, dass sie regelmäßig zur gewohnten Zeit etwas in gewohnter Qualität nach Hause geliefert bekommen. Früher war es nur die Zeitung. Doch jetzt sind die Möglichkeiten fast unbegrenzt.

Tageszeitung im Gartenzaun (Bild: Fotolia)

Es klingt wie der Traum vom Schlaraffenland: Jeden ersten Dienstag im Monat erhalten Sie ein Schokoladen-Paket von höchster Qualität, gerade soviel, dass Sie sich jeden Abend mit geschlossenen Augen am Kühlschrank stehend genüsslich eine Praline auf der Zunge zergehen lassen können. Dank eines Schokoladen-Abonnements ist das kein Wunschtraum mehr.

Sollten Sie nur wenig Freizeit haben und somit nur selten die Zeit für einen ausgiebigen Stadtbummel finden, müssen Sie nicht verzweifeln, denn es gibt kaum noch etwas, das Sie sich nicht schicken lassen können, regelmäßig, im Abonnement. Das ist bequem - keine Rennerei, kein Ausverkauf, keine Warteschlangen an den Kassen.

Im Netz lauert die Abo-Falle

Das klingt alles sehr verführerisch - doch manche Anbieter locken den Kunden auch in die sogenannte Abo-Falle: Sie machen traumhafte Lock-Angebote und bringen den Kunden so zum Vertragsabschluss. Unseriöse Firmen machen es den Kunden sehr schwer, da schnell wieder rauszukommen, und schon muss man mindestens ein Jahr lang für monatlich 50 Euro irgendwas kaufen, das man gar nicht haben will.

Frau hält Telefonhörer ans Ohr (Bild: ap)

Telefonwerbung: eine häufige Kundenfalle

So findet man im Netz auch Seiten, die Ratschläge geben, wie man welches Abo am einfachsten aufkündigt. Es gibt auch einen Service, der den Kunden an Kündigungsfristen erinnert und ihn über die Vertragslaufzeiten informiert. Zudem bieten diese Seiten eine Vielzahl an Kündigungsformularen und Informationen rund ums Konsumieren an.

In Deutschland ist streng geregelt, wie so ein Abo-Vertrag aussehen darf, wie lange ein Abo laufen kann, wann es sich automatisch verlängern darf oder wie die Kündigungsfristen ausehen. Möchte der Kunde sein Abonnement kündigen, darf die Kündigungsfrist nicht mehr als 3 Monate betragen. Die meisten Anbieter halten sich daran. Und manche geben ihren Abonnenten die Gelegenheit, den Vertrag schon innerhalb eines Monats zu kündigen.

Alles begann mit einer Zeitung

Erstmals taucht der Begriff "Abonnement" im Zusammenhang mit einer Zeitung auf. Das 1833 gegründete Boulevard-Blatt New York Sun vertrieb seine Ausgaben anfangs ausschließlich über Abonnements.

Druckerpresse von 1902 (Bild: dpa)

Druckerpresse von 1902

Mit der Industrialisierung wuchs auch der Zeitungsmarkt. Große Auflagen konnten gedruckt werden, und die Zustellungswege wurden kürzer. Heute verlassen in Deutschland knapp 24 Millionen Tages-, Wochen- und Sonntagszeitungen pro Erscheinungstag die Druckereien. Davon sind gut 14 Millionen abonniert. Noch. Denn immer mehr Menschen informieren sich schneller über die Onlinemedien. Ohne das Internet wiederum hätten die Anbieter von Socken-, Zahnbürsten- oder Schokoladen-Abonnements allerdings "schlechte Karten".

Nichts, was es nicht gibt?

Und so ist die Liste der abonnierbaren Dinge lang - und manchmal recht kurios. Das Gemüse-Abo zum Beispiel liefert frisches Saisongemüse aus kontrolliertem Anbau direkt nach Hause. Tomaten, Möhren und Zwiebeln können dabei sein, aber auch ungewöhnliche Früchte, wie Chilis oder Pastinaken. Die Preise dieser Gemüse-Abos richten sich nach Größe der Kisten und Lieferumfang. Rezepte frei Haus gibt es dazu.

Frau präsentiert kostbaren roten Schuh (Bild: ap)

Traumschuh aus dem Netz

Eine völlig andere Klientel wird vom Schuh-Abo bedient: In den USA ist das bereits ein Renner, auch hier in Deutschland gibt es immer mehr Abonnentinnen. Man füllt einen Fragebogen aus: Lieblingsfarbe, Kleidungsstil, Trendbewusstsein. Danach erhält die Kundin monatlich ein Paket mit mehreren Paaren, laut Anbieter von Modeexperten ausgewählt. Dann genügt ein Mausklick und das Wunschpaar wird geliefert, für umgerechnet knapp 30 Euro pro Paar und Monat.

Mit einem Bier-Abo können interessierte Herren Biere aus verschiedenen Ländern und Regionen kennenlernen. Für stolze 20 Euro erhält man ein deutsches und sieben internationale Biersorten, also 8 Flaschen. Das ist eher ein Liebhaberpreis, deswegen kommen besonders Sammler bei diesem Abonnement auf ihre Kosten.

Das kurioseste Angebot ist sicherlich das Zahnbürsten-Abo: Alle zwei Monate sollte man die Zahnbürste wechseln, raten Zahnärzte. Doch wer achtet schon akribisch darauf? Mit dem Zahnbürsten-Abo ist das Problem gelöst. Zwischen einem und drei Euro kostet der Spaß im Monat.

Die Liste ist - fast - unendlich. Sicherlich werden irgendwann auch findige Friseure, Massagestudios oder Restaurants ihre Dienste als Abo anbieten. Es wäre doch gar nicht so übel zu wissen, dass man die Garantie darauf hat, einmal im Monat so richtig verwöhnt zu werden.

Autorin: Lydia Herms
Redaktion: Silke Wünsch