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Nahost

Beobachter sollen Blutvergießen stoppen

Die Beobachter der Arabischen Liga sind in der Protesthochburg Homs eingetroffen. Können sie Präsident Assad davon abhalten, weiter mit Gewalt gegen Aktivisten vorzugehen? Jüngste Berichte nähren massive Zweifel.

Durchgestrichenes Plakat von Präsident Assad (Foto: dapd)

Machthaber Assad - die Opposition will ihn stürzen

Die Beobachter der Arabischen Liga sind am Dienstag (27.12.2011) in den von Regierungstruppen belagerten Vierteln der zentralsyrischen Stadt Homs eingetroffen. Wie das syrische Staatsfernsehen berichtete, erreichte die Delegation am Vormittag die Unruheregion. Noch am frühen Morgen hatte die drittgrößte Stadt des Landes nach Angaben von Oppositionsaktivisten unter heftigem Beschuss gestanden. Kurz vor Ankunft der Mission seien dann etwa elf Panzer aus dem Stadtteil Baba Amro abgezogen worden, teilte die in London ansässige syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit.

Der Leiter der Beobachtermission, der sudanesische General Mohammed Ahmed Mustafa el Dabi, hatte zuvor dem ägyptischen Fernsehen und der Nachrichtenagentur AFP berichtet, die syrischen Behörden seien "sehr kooperativ".

Panzer, Granaten, Blut

Gepanzerte Fahrzeuge, angeblich bei der Fahrt durch Homs (Foto: dapd)

Bild aus einem Amateurvideo, angeblich aufgenommen in Homs

"Wir werden hier abgeschlachtet", sagte ein Bewohner des Viertels Baba Amr in Homs, das die syrische Armee unter Beschuss nahm. Ein im Internet veröffentlichtes Amateurvideo zeigt drei Panzer im Einsatz in der Nähe eines Mehrfamilienhauses. Die Besatzung des einen Panzers feuert aus einem Maschinengewehr in die Straße, der zweite schießt offenbar Granaten ab. In einer schmalen Straße liegen Menschen in ihrem Blut. Anwohnern zufolge hat die Armee die Absperrung des Stadtviertels in den vergangenen Tagen verschärft. Soldaten hätten Schützengräben aufgeworfen, die eine Flucht von Anwohnern oder oppositionellen Kämpfern verhinderten, berichteten Augenzeugen.

Die Beobachter der Arabischen Liga sollen in Homs nun überprüfen, ob Präsident Baschar al-Assad wie zugesagt seine Truppen aus der drittgrößten Stadt des Landes abzieht. Zunächst flogen "50 Beobachter und zehn Vertreter aus dem Sekretariat der Arabischen Liga" von Kairo nach Damaskus, wie Sicherheitskreise am Flughafen der ägyptischen Hauptstadt sagten. Insgesamt will das Staatenbündnis bis Ende des Monats 150 arabische Beobachter nach Syrien entsenden.

Tausende Tote

UN-Sicherheitsrat (Archivfoto: dpad)

UN-Sanktionen gegen Syrien scheiterten bisher vor allem am Widerstand Russlands

Assad hatte dem Einsatz der Beobachter erst zugestimmt, nachdem die Arabische Liga mit einer Überweisung des Falls an den UN-Sicherheitsrat drohte. Das mächtigste Gremium der Vereinten Nationen kann weitreichende Sanktionen verhängen. Im Einsatz gegen Regierungstruppen in Libyen unterstützte es eine Flugverbotszone, die von der Nato militärisch durchgesetzt wurde.

Bei der Niederschlagung der Proteste gegen Assad und seine Regierung wurden nach Schätzungen der Vereinten Nationen in den vergangenen neun Monaten mehr als 5000 Syrer getötet, in manchen Berichten ist sogar von mehr als 6000 Todesopfern die Rede. Die Situation spitzte sich am vergangenen Freitag nach einem Doppelanschlag in Damaskus weiter zu: Bei der Explosion zweier Sprengsätze waren 44 Menschen in den Tod gerissen worden, zahlreiche Personen erlitten Verletzungen. Das syrische Innenministerium machte das Terrornetzwerk Al Kaida dafür verantwortlich. Zu dem Doppelanschlag bekannte sich bisher allerdings niemand. Deshalb spekulieren Oppositionelle, der syrische Geheimdienst könnte hinter den Explosionen stecken, um die Protestbewegung zu diskreditieren.

Autor: Christian Walz (rtr, dpa, afp)
Redaktion: Walter Lausch

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