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Wirtschaft

BenQ schickt Ex-Siemens-Handysparte in die Insolvenz

Ein Jahr nach der offiziellen Übernahme der Handysparte von Siemens hat der taiwanische Konzern BenQ der Produktion in Deutschland den Todesstoß versetzt: Er verlagert Entwicklung und Produktion nach Asien.

K. Y. Lee, Chief Executive Officer von BenQ Corporation hält am 10. Mai 2005 in Bombay, Indien ein Handy in die Kameras

Zur Rettung seiner verlustreichen Handy-Sparte holte der Siemens-Konzern 2005 den taiwanesischen Mobilfunkhersteller BenQ an Bord - jetzt ist BenQ Deutschland insolvent

BenQ Mobile habe einen Insolvenzantrag eingereicht, sagte eine Sprecherin des Münchner Amtsgerichts am Freitag (29.9.2006). Damit steht die Tochter des taiwanesischen BenQ-Konzerns vor dem Aus. Unmittelbar vor Ablauf der Beschäftigungsgarantie für die rund 3000 Mitarbeiter in Deutschland erklärte die Konzernmutter am Donnerstag (28.9.) überraschend, keinerlei Finanzhilfen mehr an die defizitäre Tochter zu überweisen.

Deutlich hinter den Erwartungen zurück geblieben

Die Produktion und Entwicklung von Handys der Marke BenQ-Siemens soll künftig ausschließlich in Asien erfolgen, erklärte die Konzernmutter in Taiwan. Ein Grund dafür sei vor allem die in Deutschland enttäuschende Umsatz- und Margenentwicklung des von Siemens übernommenen Handygeschäfts.

"Wir sind deutlich hinter den uns ursprünglich selbst gesetzten Zahlen zurück geblieben", räumte auch der Strategiechef von BenQ-Deutschland, Marco Stülpner, ein. Besonders der Auftragseingang für die kommenden Monate sei enttäuschend. "Die Entwicklungen im Weihnachtsgeschäft waren wohl mit ein entscheidender Auslöser für die Entscheidung." BenQ hatte hier zu Lande seit der Siemens-Übernahme laufend an Marktanteilen verloren.

Versprechen gebrochen

Am Unternehmenssitz in München stehen nun bis zu 1400 Arbeitsplätze vor dem möglichen Aus, in den Werken Kamp-Lintfort und Bocholt in Nordrhein-Westfalen weitere 1600 Stellen. Siemens hatte bei der Übernahme des Milliardenverlust schreibenden Handygeschäfts durch BenQ noch zusätzlich eine Mitgift von 250 Millionen Euro gezahlt. Die im Juni 2005 bekannt gegebene Abspaltung der verlustträchtigen Handysparte war eine der ersten Amtshandlungen des neuen Siemenschefs Klaus Kleinfeld.

Bei der Übernahme hatte BenQ zugesichert, die rund 3000 Arbeitsplätze in Deutschland vorerst zu erhalten, und auch die von Siemens gegebene Standortgarantie für das nordrhein-westfälische Werk Kamp-Lintfort bis 2006 übernommen. "Wir werden auch noch in fünf Jahren in Deutschland Handys herstellen", hatte BenQ-Vizepräsident Jerry Wang sogar vor einem Jahr zum offiziellen Start den Mitarbeitern des neuen Tochterunternehmens versprochen.

Empörung bei den Gewerkschaften - Bedauern bei Siemens

Was nun aus den deutschen Beschäftigten werden soll, weiß die deutsche Unternehmensleitung noch nicht. "Es ist wichtig, dass wir versuchen, dass laufende Geschäft aufrecht zu erhalten", sagte Stülpner. "Ich glaube, dass sind wir unseren Mitarbeitern schuldig."

Die IG Metall reagierte empört auf das drohende Aus für die deutschen Arbeitsplätze: "Die bevorstehende Insolvenz von BenQ ist Folge des eklatanten Versagens des Managements", erklärte Bayerns IG-Metall-Chef Werner Neugebauer. Der Gewerkschafter übte harte Kritik am Siemens-Management um Konzernchef Kleinfeld: "Damit ist zum wiederholten Mal traurig bewiesen, dass die Probleme in einzelnen Teilen von Siemens nicht an den angeblich zu hohen Gehältern der Beschäftigten, sondern an der Unfähigkeit des Managements liegen."

Neugebauer forderte den Konzern zum Eingreifen auf: "Siemens ist und bleibt jetzt in der moralischen Verantwortung." Der Gewerkschafter erklärte, der Vorgang bestätige Kritiker von damals, dass sich Siemens nach eigenem Missmanagement nicht nur der Sparte entledigt habe, sondern vor allem auch der Verantwortung für seine Beschäftigten. Siemens selbst äußerte sich nur in knappen Worten zu dem überraschenden Aus seiner Ex-Sparte: "Wir bedauern das sehr", teilte eine Sprecherin mit.

BenQ-Chef spricht von schmerzhafter Entscheidung

In Taipeh erklärte BenQ-Chef K.Y. Lee, sein Konzern habe mit dem Schritt, der deutschen Tochter den Geldhahn abzudrehen, unaufhörliche Verluste eindämmen müssen. Seit der Übernahme sei eine "Unmenge Kapital und Ressourcen" in die deutsche Tochter gesteckt worden. "Trotz der Fortschritte bei Kostensenkungen und auf der Ausgabenseite haben ausweitende Verluste diese schmerzhafte Entscheidung unausweichlich gemacht", betonte Lee. BenQ werde die Produktion und Entwicklung seiner Handys künftig auf Asien beschränken.

Der taiwanische Konzern hat das Recht, den Markennamen Siemens noch fünf Jahre lang benutzen zu dürfen. Allerdings begann das Unternehmen schon vor einem Jahr den deutschen Namen schrittweise durch das eigene Logo zu ersetzen. BenQ wurde 1984 gegründet und 2001 aus dem Computerkonzern Acer ausgegliedert. Nachdem der Konzern zunächst im Auftrag anderer Unternehmen als Zulieferer Handys, Scanner, Digitalkameras oder Laptops herstellte, setzt BenQ seit jüngerer Zeit verstärkt auf eigene Markenprodukte. Das weltweit rund 18.000 Mitarbeiter zählende Unternehmen produziert dabei hauptsächlich in China, Taiwan, Malaysia und Mexiko. (je)

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