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Fußball

Bengalo – was ist das?

In letzter Zeit ist im Zusammenhang mit der Gewalt im Fußball oft die Rede von Pyrotechnik, bengalischen Feuern oder Böllern. Wie kommt das alles ins Stadion? Und wer sind eigentlich Ultras?

Wenn Szenen wie beim Relegationsspiel am 15. Mai zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC (2:2) zu sehen sind, dann wird schnell folgendes Vokabular gewählt: "Hooligans" oder "Ultras", "Bengalos" und "Gewalt". Manchmal gerät dabei einiges durcheinander. Stichwort Pyrotechnik – was ist das genau? "Pyrotechnik ist Rauch, Feuer oder – auch sehr schlimm – Böller, also Knallkörper", erklärt Volker Lange, Einsatzleiter der Polizei bei Fußball-Bundesligaspielen in Köln. Man kann Bengalos und Böller ab 18 Jahren im Internet kaufen. "Das ist aber nicht das kleine Feuerwerk, was Vater, Sohn und Mutter vielleicht mal Silvester zünden", macht Lange klar. "Da werden Dinge verwendet, die in Deutschland gar nicht zugelassen sind. Wenn diese Knallkörper in Ihrem Nahbereich explodieren, müssen Sie sofort ins Krankenhaus, sonst haben Sie einen dauerhaften Hörschaden."

Bengalos werden oft von Frauen geschmuggelt

Bengalos, die man immer öfter in den Fankurven brennen sieht, seien zum Teil Seenotrettungsfackeln, erläutert Lange. "Die sind so konstruiert, dass man damit in Seenot weithin sichtbar auch unter schwierigen Bedingungen wie Regen oder Wasser Zeichen geben kann, damit man gerettet wird." Entsprechend schwer sind diese Fackeln zu löschen. Im Stadion stehen oft Sandeimer parat, in denen die Flammen erstickt werden. Gefährlich sind diese Fackeln wegen ihrer Hitze von über 1000 Grad und der damit einhergehenden Rauchentwicklung. Bengalos sind oft nicht größer als ein Lippenstift oder ein Edding und dementsprechend leicht ins Stadion zu schmuggeln, erklärt Rainer Mendel, Fanbeauftrager des 1. FC Köln. "Das wird häufig von Frauen genutzt, die diese Dinge ins Stadion bringen. In der Hose oder im BH." Auch Rauchpulver kann leicht an den Ordnern vorbeigeschummelt werden. "Das kann man in der Zigarettenpackung mitführen oder in kleinen Tütchen in den Strümpfen."

Fußballfans werden vor dem Eintritt ins Stadion von Sicherheitskräften durchsucht. (Foto: Armin Weigel, dpa)

Nicht immer findet man etwas bei den Einlasskontrollen

Der 1. FC Köln hat als erster Bundesligaverein Spürhunde eingesetzt, die Pyrotechnik erschnüffeln sollen. Doch ansonsten hat man beim Stadioneinlass kaum eine Chance, etwas zu finden, sagt Mendel. Man könne aber nicht wie am Flughafen jeden bis auf die Unterhose kontrollieren und scannen. Deshalb müsse man versuchen, die Menschen zu überzeugen, dass es gefährlich ist. "Wenn sie dann erwischt werden, müssen sie entsprechend sanktioniert werden und für die Schäden aufkommen."

Nicht jeder Ultra ist ein Hooligan

Was sind das für Menschen, die andere Fans und ihren Verein damit in Gefahr bringen? Die Rede ist oft von Hooligans oder Ultras. Teilweise sei der Übergang fließend, klärt der Fanexperte Mendel auf. "Hooligan ist ein Begriff aus den 80ern. Spielt heute nicht mehr eine so große Rolle." Mitte der 90er haben sich dann Ultra-Gruppierungen gegründet, für die die bedingungslose Unterstützung des Teams im Vordergrund stand und für die Gewalt kaum eine Rolle spielte. Im Laufe der Jahre hat sich das verändert, Ultra-Gruppierungen distanzieren sich nicht deutlich von Gewalttätern.

Mitglieder der Ultra-Fan-Gruppierung Schickeria warten in der Kurve mit einem Banner. (Foto: Sebastian Widmann/dapd)

Die "Schickeria" - eine Ultra- Fan-Gruppierung des FC Bayern München

Massenreaktion im Freudentaumel

Ein weiteres Phänomen entscheidender Fußballspiele ist die Platzerstürmung. Doch auch hier heißt es genau hinzuschauen. Es gibt durchaus einen Unterschied zwischen einer freudetrunkenen Masse, die vor Begeisterung auf das Spielfeld läuft und einigen wenigen, die während der Partie vermummt den Platz stürmen. In Düsseldorf waren Fortuna-Fans vor dem Abpfiff auf den Platz gelaufen, ein klarer Fall von Massenreaktion, erklärt Professor Harald Lange vom Institut für Fankultur. "Da staut sich was auf. Man kann es kaum noch erwarten und dann ist es eine Form von Gruppenzwang: Man zieht einfach nach." Kurz gesagt: Wenn einer rennt, rennen alle – egal, ob der Schiedsrichter gerade ein Foul oder – wie hier angenommen – das Spiel abgepfiffen hat. "Im Grunde wartet man nur, bis es endlich losgeht. Ein typisches massenpsychologisch erklärbares Phänomen, was wir da gesehen haben." Doch was wäre geschehen, hätte Berlin das entscheidende Tor erzielt, als die Menschen schon um den Platz herum gestanden haben? Nicht auszudenken.

Rauchbomben zur Tarnung

In Köln stürmten unter einer schwarzen Rauchwolke Vermummte auf den Platz. Eine klare Rechtsverletzung, erklärt Polizei-Einsatzleiter Volker Lange: "Bei allem Verständnis für Emotionen: Auf den Platz gehen, Zäune überklettern und zerschneiden, Ordner aus dem Weg räumen, Pyrotechnik wie eine Gefechtsfeldverdunklung einzusetzen, um dann aus dem Schutz des Rauches zu kommen, darf man nicht. Man muss auf seinem Platz bleiben." Oft müssen Krawallmacher gleich mehrere Barrieren überwinden, um auf den Platz zu gelangen: Zaun, Ballnetz, Werbebande, Ordner. "Wer das macht, der will auch Böses." Szenen wie in dieser Saison hat es übrigens schon oft gegeben. Im Unterschied zu früher sind die deutschen Stadion heute modern gebaut und haben ein Sicherheitskonzept, also zum Beispiel viele Fluchtwege und Wellenbrecher. Wenn jedoch einige Chaoten Randale machen, stehen sie im Mittelpunkt. Und ihr Verein und die friedlichen Fußballfans haben das Nachsehen.