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Amerika

Bemüht geschlossen für Romney

Mit einem Tag Verspätung begann der Parteitag der Republikaner in Tampa. Die Delegierten nominierten Mitt Romney zum Präsidentschaftskandidaten und Paul Ryan zu seinem Vize – doch es herrschte nicht nur Einigkeit.

Ann Sullivan ist überzeugt: ihr Heimatstaat North Carolina wird dazu beitragen, dass Mitt Romney der nächste US-Präsident wird. "Wir sind motiviert", sagt die Abgeordnete aus Goldsboro, "wir sind auch ein bisschen gerissener als beim letzten Mal, diesmal sind wir auf den Angriff vorbereitet." North Carolina, wo die Demokraten in der nächsten Woche ihren Parteitag in Charleston abhalten, ist einer der "Battleground States", der umkämpften Bundesstaaten. Präsident Obama gewann in dem traditionell konservativen Staat 2008 knapp die Wahl, im Moment liegt Mitt Romney in den Umfragen leicht vorne.

Ann Sullivan (Foto: DW/Bergmann)

Mit Engagement für Romney: Ann Sullivan

Am ersten "richtigen" Tag des Republikaner-Parteitags, dessen Programm wegen des Hurricans Isaac zusammengestaucht wurde, hat sich Ann Sullivan in Schale geworfen: der Hut auf den silbergrauen Locken hat das Muster der US-Fahne, das T-Shirt ist rot - die Farbe der Republikaner, um den Hals hängen viele Elefanten, Variationen des Parteimaskottchens. In ihrem Hotel in St. Petersburg macht sie sich bereit, auf die andere Seite der Bucht, nach Tampa, zum Ort des Parteitags zu fahren. Seit über 40 Jahren engagiert sie sich in der Politik, erzählt sie. Sie halte viel von Familienwerten und deswegen vertraue sie auch Mitt Romney, der seit 43 Jahren mit seiner Frau Ann verheiratet ist und fünf Söhne hat.

Ohne Kirche geht nichts

Christliche Werte sind ihr wichtig, aber es stört sie nicht, dass Romney Mormone ist, die würden auch an Jesus und die Bibel glauben. "Was mich stört, ist, dass wir jemanden im Weißen Haus haben, der nicht zur Kirche geht, und auch seine Kinder wachsen offensichtlich ohne christliche Erziehung auf", so die Abgeordnete. Präsident Obama hat in seiner Amtszeit einige Male öffentlich einen Gottesdienst besucht, aber das ist Ann Sullivan zu wenig. Die Abgeordnete zählt sich selbst zur Tea Party und hält viel von Herman Cain, der gerade vor ihrer Delegation beim Frühstück gesprochen hat. Der Ex-Unternehmer Cain, der das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner aufgegeben hatte, nachdem Vorwürfe von sexueller Belästigung öffentlich wurden, ist eine der Ikonen der Tea Party.

Elefantenstatue (Foto: DW/Bergmann)

Elefanten haben ein dickes Fell - Republikaner auch?

Die Tea Party ist ein loser Zusammenschluss rechts der Republikaner und keine eigene Organisation, aber ihre Anhänger eint die Forderung nach einem schlanken Staat, wenig Steuern, freiem Unternehmertum, und sie halten christlich-konservative Werte hoch. Ihre Vertreter wie Herman Cain verfolgen derzeit aber noch ein anderes Ziel: "Ich bin auf einer Mission, und die lautet, Barack Obama zu schlagen", erklärte er in St. Petersburg und machte Werbung für seinen früheren Rivalen: Er, Cain, wisse aus eigener Anschauung, dass Romney nicht nur der beste Mann für den Job, sondern auch sympathisch sei, schließlich habe er ihn im Vorwahlkampf oft erlebt.

Lieber Romney als Obama

Die Tea Party schart sich also hinter Mitt Romney. Auch wenn er ganz sicher nicht ihr Favorit ist: die Abneigung gegen den Präsidenten überwiegt. Vor kurzem war das noch anders. Da wurden auch republikanische Abgeordnete gnadenlos geschasst, wenn sie zum Establishment gehörten oder nicht für die Werte der Tea Party standen. Die konservative Graswurzelbewegung schaffte es, 2010 viele ihrer Kandidaten ins Repräsentantenhaus zu bringen. Sie sorgte so dafür, dass die Demokraten die Mehrheit im Repräsentantenhaus verloren.

"Die Wahl von Paul Ryan [als Vizepräsidentschaftskandidat] hilft sehr, die Tea Party-Basis zu begeistern", erklärte Herman Cain der DW nach seiner Rede vor den Abgeordneten aus North Carolina, "denn Ryan gilt als konservativ." Er verkörpere auch die drei Hauptforderungen der Tea Party: er ist fiskalkonservativ, unterstützt die freie Marktwirtschaft, und er will die Verfassung stärken. "Mehr will die Tea Party gar nicht", fuhr er fort. "Und wenn man den Abgeordneten Ryan mit der Führungserfahrung von Mitt Romney zusammentut, dann denke ich, haben wir ein sehr starkes Team."

Störfaktor bei den Republikanern

Es waren andere Republikaner, die auf dem Parteitag für Unruhe sorgten. Die Anhänger von Ron Paul, der sein Rennen um die Präsidentschaftskandidatur nicht aufgegeben hatte und einige Delegierte sammeln konnte, zeigten sich frustriert über Parteiregeln, die an diesem Tag auch noch verschärft werden sollten. Sie besagen, dass Delegierte, die ein Kandidat in einem Bundesstaat gewonnen hat, einem anderen Kandidaten zugeschlagen werden können.

Am Ende stand jedoch die Nominierung Romneys fest, und auch das Parteiprogramm wurde verabschiedet. Es enthält Zugeständnisse an den christlich-konservativen und den Tea Party-Flügel der Partei: es bestätigt die Ehe zwischen Mann und Frau, verbietet Abtreibung, ohne auf Ausnahmen einzugehen, und fordert einen Verfassungszusatz, der einen ausgeglichenen Staatshaushalt vorschreibt.

Versöhnliches, kämpferisches Ende

Ann Romney (Foto: AFP)

Werbung für den eigenen Mann: Ann Romney

Am späten Abend wurde es dann versöhnlich. In einer emotionalen Rede präsentierte Ann Romney ihren Mann von seiner menschlichen Seite: "Er ist herzlich, liebevoll und geduldig", sagte sie, "er hat versucht, sein Leben an Familienwerten, Glauben und Nächstenliebe zu orientieren" und sei stets bereit zu helfen, wenn jemand in Not sei, ohne darüber viele Worte zu verlieren. Sie versprach, es gebe niemanden, der härter arbeiten würde, um das Land lebenswerter zu machen, als Mitt Romney: "Dieser Mann wird nicht scheitern." Außerdem umwarb sie jenen Teil der Wähler, mit dem Mitt Romney bisher Schwierigkeiten hat: Frauen. "Ihr seid das Beste, was Amerika hat", sagte sie unter dem Applaus der Delegierten, "ihr seid die Hoffnung Amerikas, ohne Euch gäbe es Amerika nicht, wir ehren und lobpreisen Euch."

Die letzte Rede des Abends hielt New Jerseys Gouverneur Chris Christie, den viele in der Partei gerne als Präsidentschaftskandidaten oder zumindest als Vizepräsidenten gesehen hätten. Christie gab sich kämpferisch, rief dazu auf, den unangenehmen Tatsachen wie der hohen Staatsverschuldung ins Auge zu sehen und die notwendigen Konsequenzen zu ziehen, auch wenn diese unbeliebt sind. "Wir gewinnen, wenn wir klar machen, was getan werden muss, wir verlieren, wenn wir ihr Spiel von Angstmachen und Spalten mitspielen." Denn Mitt Romney, das ist den Republikanern in Tampa klar, hat gegen Präsident Obama nur eine Chance, wenn die Partei geschlossen hinter ihm steht.

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