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Champions League

​​​​​​​Bemüht, aber ausgeschieden

Während der BVB offenbar weiter mit den Nachwirkungen des Sprengstoff-Attentats kämpft, beeindruckt die talentierte Elf des AS Monaco. Der französische Tabellenführer ist eine Nummer zu groß für Dortmunds Team.

Champions League AS Monaco vs Borussia Dortmund (REUTERS/Livepic/J. P. Pelissier)

Gesichter, die von mehr künden als nur von Enttäuschung: Die BVB-Spieler nach dem Abpfiff.

Nein, das war kein normales Spiel für Borussia Dortmund. Wer kurz nach dem Abpfiff in die Gesichter der BVB-Spieler blickte, sah dort eine Leere, die nicht nur mit der enttäuschenden 1:3 (0:2)-Niederlage beim AS Monaco zu erklären ist. Das Aus im Viertelfinale der Champions League bleibt überschattet vom Sprengstoff-Attentat vor dem Hinspiel. Vor gut einer Woche kamen sie nach Erkenntnissen der Polizei nur mit Glück mit dem Leben davon, Fußball sollte sie schnell wieder von dunklen Gedanken ablenken. Das ging wohl alles zu schnell. Denn die Gedanken an die Geschehnisse von Dortmund-Höchten ließen sich so schnell nicht vertreiben.

Schon vor dem Spiel war dies zu spüren: Der Dortmunder Bus blieb auf dem Weg ins Stadion 15 Minuten lang stehen, offenbar ohne dass den Insassen ein Grund mitgeteilt wurde. Schnell wurden Erinnerungen an den Anschlag vor gut einer Woche wach. "Die Viertelstunde (Wartezeit im Bus, Anm. d. Red.) hat dafür gesorgt, dass keiner mehr an Fußball gedacht hat", berichtete Trainer Thomas Tuchel von der Situation im Bus. "Eine genaue Erklärung, warum wir nicht losfahren konnten, gab es nicht - es hieß nur, dass es um die Sicherheit geht." Dem ohnehin angekratzten Nervenkostüm der BVB-Elf dürfte das nicht gerade gut getan haben. "Eine ganze Menge" habe das Attentat mit dem Ausscheiden der Borussen zu tun gehabt, sagte Marco Reus, auch wenn man durchaus die Chance auf ein Weiterkommen gehabt hätte.

Bürkis Fehler 

BVB vs Monaco (Getty Images/B.Horvat)

Ein Fehler von Torhüter Bürki läd Monacos Mbappé förmlich zur Führung ein

Dortmund begann die Partie dennoch druckvoll und mutig, agierte eher wie eine Heimmannschaft. Angefeuert von gut 1300 mitgereisten Fans drängte der BVB die Monegassen in die Defensive. Doch dann der Schock: Mendy prüfte Roman Bürki mit einem harten Distanzschuss und der schweizer Keeper faustete den Ball in die Mitte, direkt vor die Füße von Jung-Stürmer Kylian Mbappé, der humorlos zum 1:0 abstaubte (3. Minute) - ein klarer Torwartfehler. Dortmund geriet also früh in Rückstand, was man unbedingt vermeiden wollte. Doch das Team zeigte sich wenig beeindruckt und spielte weiter nach vorn. AS Monaco machte die Räume dicht und zwang den BVB zu längeren Laufwegen. Dennoch kam Marco Reus in der 10. Minute zu einer sehenswerten Torchance, wirkte aber fünf Meter vor dem Tor etwas überrascht von der unverhofften Gelegenheit und scheiterte an AS-Keeper Danijel Subasic. Letzterer war kurz darauf machtlos, als ein 20-Meter-Freistoß von Nuri Sahin mit viel Effet gegen das Lattenkreuz krachte - Pech für den BVB (16.).

Die Elf aus Monaco blieb davon unbeeindruckt und bei ihrer Linie: Mit schnellen, überfallartigen Kontern wollten sie die Dortmunder Dreierkette knacken. Und das gelang kurz darauf erneut: Thomas Lemar wurde auf der linken Seite sträflich viel Zeit und Raum gestattet, den er zu einer präzisen Flanke auf den Kopf von Radamel Falcao nutzte. Und der 31-jährige Kapitän köpfte - völlig unbedrängt von Gegenspieler Matthias Ginter - zum 2:0 ein. Hochgeschwindigkeitsfußball in beeindruckender Präzision - das junge Team von Monaco empfahl sich an diesem Abend für höhere Aufgaben. "Uns fehlte die Zuordnung. Wir haben die erste Halbzeit nicht gut gespielt", analysierte Marco Reus nach dem Spiel. 

Tuchels Wechselspiele

BVB Monaco Fußball (Getty Images/V.Hache)

Der Dortmund-Schreck: Youngster Mbappé (l.) dürfte nach dem Viertelfinale noch begehrter werden

Auf der anderen Seite reagierte Borussia-Trainer Thomas Tuchel und wechselte schon nach 27 Minuten den schwachen Erik Durm aus, für ihn kam Offensivmotor Ousmane Dembélé, der überraschend nicht in der Startelf stand. Tuchel änderte damit auch sein System: Aus dem 3-4-2-1 wurde ein 4-2-3-1 - eine Umstellung, die erst in der zweiten Halbzeit Wirkung entfaltete.

Gut drei Minuten nach dem Wiederanpfiff setzte sich Dembélé mit seinem beeindruckenden Antritt  auf der rechten Außenbahn gegen die AS-Verteidiger durch, servierte Marco Reus und der traf aus elf Metern per Direktabnahme zum Anschluss (49.) - die Hoffnung war zurück, die Fangesänge der Dortmunder wurden schlagartig lauter. Der französische Tabellenführer, der in der Liga bereits 90 Tore in 32 Spielen schoss, blieb aber mit schnellen Kontern gefährlich. Gleich mehrfach musste BVB-Torwart Bürki gegen Mbappé retten. Das Bild aus Halbzeit eins setzte sich fort: Dortmund blieb die spielbestimmende Mannschaft mit deutlich mehr Ballbesitz, doch das erhöhte Risiko sorgte auf der Gegenseite für Gefahr vor dem Tor. Monaco setzte weiter auf schnelle Vorstöße und Falcao scheiterte mit einem Lupfer über Bürki knapp (65.). Nach gut 70 Minuten setzte Tuchel alles auf eine Karte, brachte mit Christian Pulisic für Raphael Guerreiro einen weiteren Offensivmann und ließ seine Elf weiter auf das Tor von Monaco anrennen. Der durchaus nicht ganz unumstrittene Trainer wollte nichts unversucht lassen - doch Monacos Konterspiel wurde immer energischer und gefährlicher.

Monacos Offensivkraft

Die Konsequenz: Der Druck zeigte Wirkung. Wie schon im Hinspiel leistete sich Lukasz Piszczek einen schlimmen Fehlpass im Aufbauspiel, Lemar nahm das Geschenk dankend an und bediente mit einer langen Flanke  den erst kurz zuvor eingewechselten Valere Germain. Und der staubte ab. Der Deckel war drauf - 3:1, die Entscheidung zu Gunsten von Monaco, die sich zuvor angedeutet hatte.

Am Ende war es ein verdienter Sieg von AS Monaco. Das junge Team von Trainer Leonardo Jardim zeigte viel Reife und Kaltschnäuzigkeit. Die wohl stärkste Waffe der Monegassen - die geballte Offensivkraft von Mbappé, Falcao und Co. - gab den Ausschlag und zeigte der ebenfalls noch jungen Borussen-Elf ihre Grenzen auf. Gefeiert wurde die Mannschaft der Schwarz-Gelben dennoch: von den eigenen Fans und auch von denen des AS Monaco, die erneut Fingerspitzengefühl bewiesen und der unterlegenen Elf mit der schweren Hypothek ihren Respekt zeigten.

Hier können Sie die Partie im Re-Live nachlesen:

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