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Politik

Bella Italia ....

Bella Italia? Da ist sich Bundeskanzler Gerhard Schröder nicht mehr so sicher. Denn der italienische Staatssekretär für Tourismus hat ihm die Freude auf seinen traditionellen Urlaub an der Adria gründlich vermasselt.

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Als die Welt noch in Ordnung war: Schröder in Venedig, 2001

Die deutschen Italien-Besucher sind "einförmige, supernationalistische stereotypisierte Blonde, die besoffen von aufgeblasener Selbstsicherheit im Sommer über Italiens Strände herfallen."

Staatssekretär im italienischen Wirtschaftsministerium Stefano Stefani

Der italienische Staatssekretär Stefano Stefani

Das schrieb der italienische Staatssekretär für Tourismus, Stefano Stefani, vor wenigen Tagen in "La Padania", der Zeitung die seiner "Lega Nord" nahe steht. Empörung in Deutschland. Das war der Polemik zu viel. Zwei Tage lang überlegte Bundeskanzler Schröder öffentlich, seinen üblichen Italien-Urlaub abzusagen. Nun steht sein Entschluss fest: Er fährt nicht.

Zwar hatten sich einige Regierungsmitglieder, unter ihnen Außenminister Franco Frattini, von den Äußerungen des Staatssekretärs distanziert. Doch Stefani selbst sah bislang keine Notwendigkeit, sich zu entschuldigen. Vielleicht konnte der Staatsminister mit dem klangvollen Namen nicht wissen, dass im Kabinett der deutschen Regierung einige passionierte Italien-Urlauber sitzen. Etwa Außenminister Joschka Fischer oder Innenminister Otto Schily. Letzterer forderte angesichts der "unflätigen Bemerkungen" eines "tölpelhaften Staatssekretärs" auch prompt Stefanis Rücktritt.

Fehltritt Nummer eins

Der Haussegen in den deutsch-italienischen Beziehungen hängt jetzt ein bisschen schief. Denn der Zeitpunkt für Stefanis polemische Entgleisungen hätte ungünstiger nicht sein können. Erst in der vergangen Woche hatte sich Ministerpräsident Silvio Berlusconi einen ähnlichen Klops geleistet.

Zum Auftakt seiner Ratspräsidentschaft schlug er den SPD-Abgeordneten Martin Schulz im EU-Parlament für eine Rolle als Nazi-Aufseher in einem Film vor. Die Parlamentarier waren schockiert. Berlusconi nannte den Vergleich kurz darauf "ironisch". Doch die EU-Abgeordneten konnten Berlusconis "ironischen Humor" nicht teilen und so rang sich der Ratspräsident später noch eine Art Entschuldigung ab. Erst der Eklat im EU-Parlament und nun die abfälligen Bemerkungen des Stefano Stefani. Ein schwerer Schlag für die deutsch-italienischen Beziehungen.

Der Deutschen "Sehnsucht nach Italien"

Urlauber in Italien Strand von Rimini

Rimini muss diesmal ohne Schröder auskommen

Dabei wissen die Deutschen durchaus, dass einige ihrer Landsleute im Ausland nicht immer die beste Figur abgeben. Man denke nur an die berüchtigten Ballermann-Orgien auf Mallorca. Es können sich eben nicht alle so feinfühlig geben, wie der edle Goethe auf seinen vielzitierten Italien-Reisen. Der fand in Rom, Paestum und Palermo zu geistiger Identität und hinterließ den Deutschen die "Sehnsucht nach Italien".

Die spießige Capri-Fischer-Romantik der 1950-er Jahre ist zwar längst überholt, aber noch immer strömen fast zehn Millionen Deutsche jedes Jahr an die Adriaküste, nach Rimini und in die Toskana. Und sie alle spülen jährlich fast neun Milliarden Euro in die Kassen der italienischen Tourismusbranche. Das betonen deutsche Politiker dieser Tage auch immer wieder gerne.

Natürlich fürchten nun italienische Tourismusanbieter, die "einförmigen Blonden" könnten in diesem Jahr ausbleiben. Linke italienische Zeitungen wie die "L'Unità" titelten schon: "Schröder an die Deutschen: Nein zu Ferien in Italien!" Soweit ist es ja nun doch noch nicht. Bisher hat nur Schröder selbst "Nein zu Ferien in Italien" gesagt.

Das gelobte Land

Die Urlaubsfrage des Kanzlers löst inzwischen jedenfalls große Anteilnahme aus. Nach dem Motto: "Zu Hause ist es doch am schönsten" eilt jetzt selbst die Opposition Schröder zur Hilfe und überschlägt sich geradezu mit konstruktiven Vorschlägen.

Peter Ramsauer, parlamentarischer Geschäftsführer der Unions-Bundestagsfraktion, will Familie Schröder in seinem bayerischen Wahlkreis mit offenen Armen empfangen. Zwischen Chiemsee und Königssee sei das gelobte Land, ließ Ramsauer den Kanzler wissen. Und auch der baden-württembergische Wirtschaftsminister Walter Döring von der FDP hat einen wohlmeinenden Tipp: In seinem "Ländle" gebe es "viele wunderschöne Urlaubsziele".

Schröders Haus in Hannover

Home Sweet Home: des Kanzlers Domizil in Hannover

Aber der Kanzler hat sich offenbar anders entschieden. Er verbringt die "schönsten Wochen des Jahres" im heimischen Garten in Hannover - in einer Stadt mit, so Schröder, "sehr, sehr hoher Lebensqualität". Über den verpatzten Italien-Urlaub kann er sich dann bei Lino trösten lassen. Dem gehört nämlich Schröders Lieblingsrestaurant "Roma".

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