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Fokus Osteuropa

Belgrad startet diplomatische Offensive gegen UN-Vermittler Ahtisaari

Äußerungen über die Verantwortung des serbischen Volkes für die Lage im Kosovo sorgen für Verstimmung zwischen UN-Unterhändler Ahtisaari und Serbien. Belgrad wirft dem Diplomaten Parteinahme vor.

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Martti Ahtisaari im Mittelpunkt der Kritik

Serbiens Staatsspitze hat äußerst scharf auf den Bombenanschlag in Nord-Mitrovica reagiert. Die politische Führung in Belgrad hat UN-Chefunterhändlers Martti Ahtisaari eine Mitverantwortung für den Vorfall vorgeworfen. Der Anschlag sei unmittelbar nach Äußerungen des UN-Gesandten erfolgt, wonach die Serben „als Volk“ Schuld an den Ereignissen im Kosovo trügen, heißt es in Belgrad.

Kostunica gibt Staatengemeinschaft Mitschuld

Serbiens Premier Vojislav Kostunica hat in einer Erklärung betont, für Bombenanschläge auf unschuldige serbische Bürger in Kosovska Mitrovica seien „albanische Terroristen und Vertreter der internationalen Gemeinschaft“ gleichermaßen verantwortlich. Die internationale Gemeinschaft unterstütze und ermutige Terroristen durch ihr Nichtstun, heißt es in der Erklärung des serbischen Premiers.

Kostunica fügte hinzu: „Ahtisaari hat schon mehrfach implizit und auch fast explizit den Standpunkt geäußert, dass sowohl ein Kompromiss als auch Verhandlungen über den Status Kosovos überflüssig sind, weil es eine Lösung gibt, die nur noch umgesetzt werden muss – und die ist: ein unabhängiges Kosovo.“ Kostunica zufolge hat sich Ahtissari mit seiner Aussage, die Serben seien „als Volk“ Schuld“ an der Lage im Kosovo, den Verfechtern der Theorie von der Kollektivschuld eines Volkes angeschlossen.“

Diplomatische Offensive gegen Ahtisaari

Bereits nach Ahtisaaris jüngstem Kosovo-Besuch hatte sich Belgrad bereits über die Schuldzuweisung des UN-Chefunterhändlers in einem Schreiben beschwert und eine Erklärung gefordert. Leon Kojen, einer der Koordinatoren im serbischen Verhandlungsteam für die Kosovo-Gespräche, sagte: „Wenn Ahtisaari vollkommen hinter dieser Aussage steht, stellt sich die Frage, wie er seiner Meinung nach die Funktion des Sondergesandten des UN-Generalsekretärs für den Kosovo-Status ausüben will, nicht zuletzt auch deswegen, weil seine Aussage auf grundlegende Weise auch seine Neutralität in Frage stellt“.

Auf einer Sitzung des serbischen Verhandlungsteams, die Staatspräsident Boris Tadic, Premier Vojislav Kostunica und Außenminister Vuk Draskovic leiteten, wurde beschlossen, dass Belgrad noch nicht den Rücktritt von Ahtisaari fordern werde. Sehr wohl aber solle eine diplomatische Offensive gegen ihn gestartet werden, um die internationalen Entscheidungsträger darüber zu informieren, dass Ahtisaari parteiisch sei. Belgrad will also zunächst die Ergebnisse seiner diplomatischen Offensive und Ahtisaaris Reaktion abwarten, bevor über eine Rücktrittsforderung entschieden wird.

Ivica Petrovic, Belgrad

DW-RADIO/Serbisch, 28.8.2006, Fokus Ost-Südost