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Kultur

Belgien - Weltmeister des Föderalismus

25 Jahre Föderalismus: Das ist das zweite Jubiläum der Belgier am Donnerstag. Kaum ein Land gibt seinen Regionen soviel Macht wie Belgien.

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Belgien: Drei Streifen, sechs Regierungen.

Belgien - das gibt es eigentlich gar nicht. Das Land ist ein Puzzle, zusammengesetzt aus drei Regionen und drei Sprachgemeinschaften. Das wohlhabendste Puzzleteil ist Flandern, die Region im Norden, die an die Niederlande grenzt. Im Süden, an der Grenze zu Frankreich, liegt die zweite Region: die Wallonie. Und darin eine kleine Insel als dritte Region: Brüssel-Hauptstadt.

Die drei Sprachgemeinschaften orientieren sich an den Amtssprachen in Belgien: eine flämische Gemeinschaft, eine französische Gemeinschaft und eine deutsche Gemeinschaft, die im Osten Belgiens lebt.

Sechs Regierungen für ein Land

Belgien Karte mit Flandern Wallonien und der Haupstadt Brüssel

Flandern, Wallonien und Brüssel - die drei Regionen Belgiens

Diese aufwändige Unterteilung ist aber nicht nur dazu da, mehr Farbe und Abwechslung auf die Belgien-Landkarte zu bringen. Jede Region und jede Sprachgemeinschaft hat eine eigene Regierung. Nur Flandern und die Flämische Gemeinschaft haben ihre Regierung zusammengelegt. Das heißt, insgesamt gibt es in Belgien fünf regionale Regierungen und Parlamente und eine nationale Regierung, die Föderalregierung. Alle haben ihre Minister und Abgeordneten und einen satten Verwaltungsapparat. Hinzu kommen dann noch die untergeordneten Verwaltungen der zehn Provinzen und 589 Gemeinden.

Die Kompetenzen sind klar verteilt. Die Föderalregierung kümmert sich um Außenpolitik, Finanzpolitik, ums Rechts- und Gesundheitswesen und um die soziale Sicherheit, das heißt Rente, Arbeitslosengeld, etc. Kultur und Forschung liegen weitgehend in der Kompetenz der Sprachgemeinschaften. Und die Regierungen der drei Regionen bestimmen über den jeweiligen wirtschaftlichen und umweltpolitischen Kurs.

Aber warum nur?

Früher war Belgien einfach ein Staat mit einem nationalen Parlament und einem König an seiner Seite. Der Föderalismus erhielt erst in den 1970er und 1980er Jahren Einzug. Weil sich die Belgier nämlich nicht mehr einig waren. Ein Riss klaffte zwischen Flandern, das sich nach einer Flaute im wirtschaftlichen Aufschung befand, und der Wallonie, die immer ärmer wurde. Immer mehr Belgier wollten nicht mehr Belgier, sondern entweder Flamen oder Wallonen sein. Die Stimmen, die die Teilung des Landes forderten, wurden lauter. Um sie zum Schweigen zu bringen, teilte man zumindest die Regierungsgewalt. Bis heute haben einige Belgier Teilungssehnsüchte. Oft schimpfen die Flamen über die störrischen Wallonen, oft beklagen sich die Wallonen über die erfolgreichen Flamen.

Einmal eins

Am Donnerstag Abend aber sollen die Belgier nicht streiten, sondern gemeinsam feiern. Es soll einen Festumzug durch Brüssel geben. Und in der Pferdekutsche sitzen dann - fröhlich vereint - die beiden Geburtstagskinder: Madame Belgien (175) und Mademoiselle Föderalismus (25).

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