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Fokus Osteuropa

Belarussisches Fernsehen wirft Polen Spionage vor

"Agent 590" ist der Titel eines vom belarussischen Fernsehen gesendeten Films. Darin wird Mitarbeitern der polnischen Botschaft in Minsk Spionage und Einmischung in die inneren Angelegenheiten von Belarus vorgeworfen.

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Ein unkenntlich gemachter angeblicher KGB-Mitarbeiter berichtet mit verfälschter Stimme

Am Abend des 7. Februar hat der erste Kanal des staatlichen belarussischen Fernsehens zur besten Sendezeit den Film "Agent 590" ausgestrahlt. Der Film wurde zuvor tagelang im Fernsehen angekündigt. In dem Film kamen der Leiter des Zentrums für Information und Öffentlichkeitsarbeit des belarussischen KGB, Walerij Nadtotschajew, sowie eine anonyme Person zu Wort, deren Gesicht nicht gezeigt und deren Stimme verfälscht wurde.

Die anonyme Person, die als Mitarbeiter der belarussischen Spionageabwehr bezeichnet wurde, erklärte in dem Film, in der polnischen Botschaft arbeite seit langem eine Niederlassung des polnischen Geheimdienstes, die sich mit allen Formen der geheimdienstlichen Tätigkeit befasse. Die Geheimdienstler würden ihre diplomatische Immunität ausnutzen und sich nicht nur mit legaler Aufklärung befassen. Sie würden sich regelmäßig in die inneren Angelegenheiten der Republik Belarus einmischen. Gerade deswegen seien die polnischen Diplomaten Buczak, Olborski und Butko vorzeitig aus Minsk abgezogen worden.

Warschau: Film ist Propaganda

Monika Sadkowska, Pressesprecherin der polnischen Botschaft in Minsk, sagte in einem Gespräch mit der Deutschen Welle: "‘Agent 590‘ ist ein weiterer Propagandafilm, der gut in die gesamte Politik passt, die von den staatlichen Medien verfolgt wird. Das ist nicht der erste Fall, in dem das belarussische Fernsehen unbegründet die polnische Botschaft kritisiert. Ähnliche Vorwürfe gab es auch schon gegen Botschaften anderer Staaten der Europäischen Union."

Reaktion auf Milinkewitschs Polen-Besuch?

Sergej Kaljakin, Leiter des Wahlstabs des gemeinsamen Präsidentschaftskandidaten der demokratischen Kräfte, führt den neuen belarussisch-polnischen Skandal auf Aleksandr Milinkewitschs Besuch in Polen zurück. Der gemeinsame Präsidentschaftskandidat der demokratischen Kräfte hatte vor kurzem vor dem polnischen Sejm eine Rede gehalten. Zudem wurde er vom polnischen Präsidenten Lech Kaczynski empfangen. Das Treffen wertete der Pressesprecher des belarussischen Außenministeriums, Andrej Popow, als "deutliche Unterstützung nur eines Präsidentschaftskandidaten durch die polnische Seite". Zudem bezeichnete er das Treffen als klare Einmischung in die innenpolitischen Vorgänge in Belarus.

"Belarus von bösen Kräften umzingelt"

Wer die Nachrichten des ersten Kanals des belarussischen Staatsfernsehens regelmäßig verfolgt, kennt die Bilder gut, die in dem Film "Agent 590" vorkamen. Es handelt sich um immer dieselben Bilder, von denen manche sogar schon zehn Jahre alt sind und in immer wieder anderen Beiträgen vorkommen. Der belarussische Kulturwissenschaftler Maksim Schbankow, meint, mit solchen Filmen wie "Agent 590" wolle die Führung des Landes das Volk um sich scharen. Um dies zu erreichen, werde Belarus als belagerte Festung und als Insel der Stabilität dargestellt, die von bösen Kräften umzingelt sei.

Jelena Danejko, Minsk
DW-RADIO/Russisch, 8.2.2006, Fokus Ost-Südost

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