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Fokus Osteuropa

Belarussische Studenten suchen im Ausland nach Auswegen

Hochschulen in Weißrussland schließen Studenten wegen ihrer politischen Überzeugungen vom Studium aus. Ukrainische Studentenverbände wollen belarussischen Studenten jetzt zu einem Studium in der Ukraine verhelfen.

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Kiew und andere Universitätsstädte als letzter Ausweg?

Am Montag (6.6.) haben sich weißrussische Studenten, Aktivisten von oppositionellen Jugendbewegungen und Vertreter unabhängiger Medien in einem offenen Brief an den Präsidenten, die Premierministerin und den Bildungsminister der Ukraine gewandt. In dem Brief bitten sie, belarussischen Studenten ein Studium in der Ukraine zu ermöglichen. Dem Mitglied des belarussischen Journalistenverbandes und Führer der Jugendfront, Aleksej Schein, zufolge sind bereits Dutzende Studenten wegen ihrer politischen Überzeugungen aus belarussischen Universitäten und Instituten ausgeschlossen worden.

Jugend wichtige Oppositionskraft

Bald werde die Aufstellung oppositioneller Kandidaten für die Präsidentschaftswahlen 2006 abgeschlossen sein, sagte Schein. Zu den wichtigsten Oppositionskräften könnten die oppositionellen Jugendorganisationen und die unabhängigen Medien werden, die von der Staatsmacht unterdrückt würden. Schein verheimlichte nicht die Absicht der Opposition, das Regime von Aleksandr Lukaschenko zu stürzen. Schein betonte: „Wir haben das beeindruckende Vorbild Ukraine und wir sind überzeugt, dass es auch bei uns solche Veränderungen geben wird. Die Jugend bereitet eine Mobilisierungskampagne vor. Wir wissen, dass die Staatsmacht die Wahlen fälschen wird. Deswegen wollen wir die Menschen auf die Straßen holen, während und nach den Wahlen.“

Drohungen gegen Dozenten

Die Korrespondentin der oppositionellen Zeitung Narodnaja wolja, Wolga Klaskowskaja, sagte, sie sei von der Fakultät für Journalismus aus politischen Motiven ausgeschlossen worden. „Mir wurde nicht gestattet, die Prüfungen abzulegen. Vorher wurde mir gedroht, dies sei eine staatliche Universität und wenn ich an ihr studiere, dann müsse ich die Politik des Staates unterstützen. Allen Studenten wurden Praktika in oppositionellen Medien untersagt. Aber wie sich herausstellte, habe ich nicht nur ein Praktikum bei einer besonders kritischen Oppositionszeitung absolviert, sondern bin zudem für sie ständig tätig. Später habe ich erfahren, dass Dozenten, die unsere Zeitung abonnieren, aufgefordert wurden, das Abonnement zu kündigen, mit der Drohung, sie würden andernfalls ihren Arbeitsplatz verlieren. Studenten, die sich mit einer Protesterklärung für mich eingesetzt hatten, haben es heute auch schwer und könnten schon morgen von der Hochschule ausgeschlossen werden.“

Hilfe auch aus Litauen und Polen

Heute studieren einige belarussische Studenten, die in ihrer Heimat aus Hochschulen ausgeschlossen wurden, in Litauen. Für die jungen Belarussen sind das Visum und der Lebensunterhalt in dem EU-Land aber zu teuer. Einer der Führer der ukrainischen Studentenschaft, Oleh Jazenko, sagte der Deutschen Welle, Vertreter ukrainischer, litauischer und polnischer Studentenverbände hätten sich bereits an die Europäische Kommission und die ukrainische Regierung mit der Bitte gewandt, belarussischen Studenten ein Studium an ukrainischen Universitäten zu ermöglichen. „Wir wollen, dass die Europäische Kommission das Studium belarussischer Studenten finanziell fördert und die ukrainische Regierung das Bildungsministerium entsprechend beauftragt, damit ukrainische Universitäten Belarussen aufnehmen“, sagte Jazenko.

Aleksandr Sawizkij, Kiew

DW-RADIO/Russisch, 6.6.2005, Fokus Ost-Südost

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