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Fokus Osteuropa

Belarussen auf Jobsuche in Russland

Die Wirtschaftskrise in Belarus verschärft sich weiter. Nach massiver Geldentwertung und starkem Preisanstieg sehen sich immer mehr Belarussen gezwungen, im Ausland Arbeit zu suchen. Meist zieht es sie nach Moskau.

Belarussische Arbeiter auf dem Bahnsteig des Belarussischen Bahnhofs in Moskau (Foto: DW)

Tausende Belarussen kommen täglich in Moskau an

Jeden Tag kommen am Moskauer Belarussischen Bahnhof elf Züge aus dem Nachbarland an. Die Fahrkarten sind meist schon lange im Voraus ausverkauft, obwohl in den vergangenen Wochen die Preise deutlich angehoben wurden. Nach Schätzungen der russischen Eisenbahn treffen mehr als 6.000 Belarussen täglich in Moskau ein. Etwa die Hälfte von ihnen will dort einen Job finden. Die genaue Anzahl der belarussischen Wanderarbeiter kennt aber niemand. Denn auch wenn die Belarussen einen Job finden, melden sie sich meist nicht bei den Behörden vor Ort.

Enttäuschte Hoffnungen


Der Belarussische Bahnhof in Moskau (Foto: DW)

Der Belarussische Bahnhof in Moskau

Die meisten von ihnen sind gut ausgebildete Bauarbeiter. Im Vorfeld der Wahlen im Dezember vergangenen Jahres habe Präsident Aleksandr Lukaschenko den Bauarbeitern in Belarus Monatsgehälter von umgerechnet 350 Euro versprochen. Solche Löhne bekämen aber nur wenige Spezialisten in Minsk, beklagen die belarussischen Wanderarbeiter. In Mogilew zum Beispiel habe ein Bauarbeiter noch vor wenigen Monaten umgerechnet 270 Euro verdient. Davon habe man normal leben können. Aber nach der Abwertung des belarussischen Rubels um 56 Prozent und dem starken Preisanstieg habe sich die Situation deutlich verschlechtert.

Auf den Bahnsteigen des Belarussischen Bahnhofs herrscht keine Hektik. Ankömmlinge aus Mogilew schauen sich in aller Ruhe um, ob sie unter den Passagieren des Nachtzuges Bekannte finden. Sogar Kellner beliebter Restaurants in Mogilew sind unter den Arbeitssuchenden anzutreffen. Wegen des Preisanstiegs in Belarus klagt die dortige Gastronomie über immer weniger Gäste. Zudem bekommen Keller immer weniger Trinkgeld, das einen wesentlichen Anteil an ihrem Verdienst ausmacht.

Angesichts der katastrophalen wirtschaftlichen Lage stehen auch viele Niederlassungen ausländischer Firmen in Belarus, die sich auf den Handel mit Importwaren wie Kaugummi, Schokoriegel und Energie-Drinks spezialisiert haben, kurz vor der Schließung. Viele Vertriebsleiter haben bereits in Moskau gearbeitet, viele von ihnen wurden dort aus- und fortgebildet. Ihr slawisches Erscheinungsbild und russische Sprachkenntnisse ermöglichen es ihnen, leicht eine geeignete Beschäftigung in Russland zu finden.


Belarussen in Russland willkommen

Portrait von Ales Famin (Foto: DW)

Ales Famin hilft seinen Landsleuten

Der russische Arbeitsmarkt kann den Ansturm Arbeitssuchender aus Belarus verkraften. Bereits Ende April berichteten russische Medien von einer Prognose der belarussischen Behörden, wonach wegen der Finanzkrise etwa 600.000 Menschen ihren Job verlieren würden. Für die Moskauer Personalvermittlungen war dies ein Signal dafür, dass sich schon bald eine größere Anzahl von Fachleuten aus dem Nachbarland aufmachen wird, um in Russland nach Arbeit zu suchen. In russischen Zeitungen gibt es inzwischen sogar Jobangebote gezielt für belarussische Staatsbürger.

Von leicht verdientem Geld kann in Moskau aber keine Rede sein. Anders als in Belarus dauert ein Arbeitstag in der russischen Hauptstadt oft deutlich länger als acht Stunden. Etwa die Hälfte eines durchschnittlichen Monatslohns in Höhe von umgerechnet 650 bis 700 Euro muss für die Miete einer Unterkunft aufgebracht werden. Ales Famin, der aus Mogilew stammt, kennt das Leben in Moskau gut. Er rät seinen Landsleuten, eine Zwei- oder Dreizimmerwohnung zu mieten. "Man kann sich zu dritt zusammentun und sich so beispielsweise eine Miete von umgerechnet 750 Euro teilen." So könne man Geld sparen, erläutert Famin.

Nach Abzug aller Kosten und Mahlzeiten kann es einem belarussischen Arbeiter gelingen, pro Monat umgerechnet 350 Euro nach Hause zu bringen. Im Unterschied zu Belarus, haben sie dann harte Währung in der Tasche, die unabhängig von den Kursen ist, die von der Nationalbank in Minsk vorgegeben werden. Dass die Wirtschaftskrise in ihrer Heimat schnell überwunden wird, daran glaubt unter den belarussischen Wanderarbeitern zurzeit niemand.

Autor: Alexander Burakow / Markian Ostaptschuk

Redaktion: Bernd Johann





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