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Fokus Osteuropa

Belarus: Der Handel mit Russland schrumpft wegen der Wirtschaftskrise

Der belarussische Export nach Russland ist eingebrochen. Die EU ist zum wichtigsten Handelspartner geworden. Experten sehen aber keine strukturellen Veränderungen im belarussischen Außenhandel.

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Die Exporte aus Belarus nach Russland sind in letzter Zeit zurückgegangen. Sie haben derzeit nur noch einen Anteil von 32 Prozent am Gesamtexport des Landes. Der Anteil der Exporte in die EU-Staaten stieg hingegen auf 46 Prozent. Verkauft werden in die EU wie bisher vor allem Erölprodukte und Mineraldünger.

Nachfrage in der EU stabil

Grund für den Rückgang der Exporte nach Russland ist die Wirtschaftskrise. In seiner Jahresansprache auf der Versammlung des Industrie-Verbandes sagte der belarussische Vizepremierminister Wladimir Semaschko, im Handel mit Russland sei es "zu Verzerrungen infolge der Überwindung der Wirtschaftskrise gekommen".

Unabhängige Experten meinen, dass es im Handel mit der EU nicht zu solchen "Verzerrungen" gekommen sei. Irina Totschizkaja, Wirtschaftswissenschaftlerin beim Institut für Privatisierung und Management, erklärt, die Nachfrage auf dem russischen Markt sei drastisch eingebrochen. In die EU exportiere Belarus traditionell Erölprodukte. Deren Preise seien zwar gefallen, aber die Nachfrage sei stabil geblieben, sagt die Expertin.

Zu einer echten Diversifizierung des Exports sei es nicht gekommen. Die Struktur des Außenhandels sei unverändert, so Totschizkaja. "Die EU-Staaten haben Geld für belarussische Erdölprodukte und Dünger, während in Russland das Geld für den Kauf von Produkten des belarussischen Maschinenbaus fehlt. Das hat den Export verändert", sagt sie.

Kritik an Außenwirtschaftspolitik

Die veränderte Lage ausnutzen und nun aktiv den Export in die EU-Staaten ankurbeln, das könne Belarus nicht, sagen Experten. Denn die belarussischen Produkte seien größtenteils in der EU nicht wettbewerbsfähig. Deswegen glaubt auch der Leiter des ökonomischen Mises-Forschungszentrums, Jaroslaw Romantschuk, nicht an eine Verstetigung der Zunahme des Verkaufs belarussischer Waren auf den europäischen Märkten.

Romantschuk zufolge sind die Probleme auf die Außenwirtschaftspolitik der belarussischen Staatsmacht zurückzuführen. Belarus, so Romantschuk, hat weder eine Freihandelszone mit der EU, noch mit der Ukraine oder anderen Staaten. Der belarussische Export sei weiterhin vor allem auf Russland hin ausgerichtet. Und der Haken sei, dass der russische Verbraucher in Krisenzeiten immer weniger Waren aus Belarus kaufe.

Autor: Andrej Alechnowitsch / Markian Ostaptschuk
Redaktion: Bernd Johann

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