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Politik

Belagerte Autonomiegebiete

In den Autonomiegebieten ist die Lage weiterhin unübersichtlich. Die Geburtskirche Jesu in Bethlehem wird belagert, der Ring um Arafats Quartier enger gezogen.

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Wer mit Hilfsgütern kommt, wird abgewiesen

Nach palästinensischen Angaben haben sich mehr 200 Palästinenser in der Geburtskirche im Zentrum der Stadt Bethlehem verschanzt. Sie werden von israelischen Truppen belagert, die auf dem Krippenplatz vor der Basilika Stellung bezogen haben. Nach palästinensischen Angaben haben die Eingeschlossenen, unter denen offenbar auch mehrere Schwerverletzte sind, kaum noch Nahrungsmittel.

Hilfsgüter abgewiesen

Am Mittwoch Mittag (3.4.) versuchte eine Gruppe von Kirchenvertretern zur Geburtskirche durchzudringen, um den Menschen Lebensmittel und medizinische Hilfe zu bringen. Sie wurden jedoch von israelischen Soldaten an der Stadtgrenze von Bethlehem mit Tränengasgranaten daran gehindert und mussten im strömenden Regen umkehren.

Kirchenasyl für die Eingeschlossenen?

Israelischer Panzer bei Bethlehem

Israelischer Panzer bei Bethlehem

Der lateinische Patriarch, Michel Sabbah, das Oberhaupt der Römischen Kirche im Heiligen Land, bot den Eingeschlossenen Kirchenasyl an. Nach seinen Informationen hätten sie ihre Waffen niedergelegt, sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Die Kirche sei ein Zufluchtsort für jeden, auch für Bewaffnete, sofern sie ihre Waffen aus der Hand legten, erläuterte er.

Die israelische Armee erklärte dagegen, die palästinensischen Kämpfer hätten in der Kirche Mönche und Nonnen als Geiseln genommen. Für diese Darstellung gibt es aber bislang keine Bestätigung von unabhängiger Seite. Man habe Kontakt mit dem Botschafter des Vatikan aufgenommen, um die Situation zu entschärfen, erklärte eine Sprecherin der Armee.

Ramallah: Proteste gestoppt

Auch bei Ramallah wurde ein Protestzug von Friedensaktivisten von der israelischen Polizei gestoppt. Etwa 2.000 Demonstranten, Juden und Araber, versuchten mit Hilfslieferungen für die Bevölkerung der belagerten Stadt den Kontrollpunkt Al Ram nördlich von Jerusalem zu passieren. Sie wurden von der israelischen Polizei mit Gewalt daran gehindert. Dabei soll es mehrere Verletzte gegeben haben.

Ramallah: Arafat ohne Nachschub

Israelischer Soldat vor gepanzertem Bagger in Betlehem Stadt

Israelische Soldaten in Bethlehem

Die Armee hat unterdessen den Belagerungsring um das Hauptquartier Jassir Arafats noch einmal enger gezogen und den Gebäudekomplex zusätzlich mit Stacheldraht umgeben. Dennoch ist Arafat nach Auskunft der palästinensischen Abgeordneten Hanna Aschraui weiterhin guten Mutes. Seine Popularität habe unter den Maßnahmen der israelischen Regierung nicht gelitten, im Gegenteil. Eingeschlossen hinter Stacheldraht, ohne ausreichende Nahrung, sei er zum Symbol geworden, er sei der neue Mandela, so Aschraui.

Arafat als Märtyrer?

Aschraui warnte auch davor, sich Illusionen über mögliche
Nachfolger Arafats zu machen. Sie erteilte damit in Israel
verbreiteten Spekulationen eine Absage, wonach sich nach dem Ende Arafats ein für Israel umgänglicher Verhandlungspartner finden lassen könnte. Scharon würde den Tag verfluchen, sollte er Arafat etwas antun. Denn es gebe keinen Palästinenser, der bereit wäre, ein Kollaborateur oder eine Art Anführer zu sein, der den Israelis genehm wäre, so Aschraui.

Arafat selbst hatte den Vorschlag Scharons, er könne Ramallah gemeinsam mit den europäischen Diplomaten verlassen und ins Exil gehen, empört zurück gewiesen. Lieber werde er als Märtyrer sterben, sagte er dem Fernsehsender Al Dschasira.