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Aktuell Asien

Bekannter US-Fotojournalist und Dolmetscher in Afghanistan getötet

Der mehrfach preisgekrönte amerikanische Foto- und Videoreporter David Gilkey und sein afghanischer Dolmetscher Sabihullah Tamanna kamen bei einem Taliban-Angriff ums Leben. Auch die Regierungen reagierten bestürzt.

David Gilkey und Sabihullah Tamanna (Artikelfoto, Gilkey r.) gehörten laut US-Medien zu einem vierköpfigen Team des amerikanischen Senders "National Public Radio" (NPR), das afghanische Regierungstruppen in der Provinz Helmand begleitete. Beide seien nahe Mardscha bei einem Hinterhalt der radikalislamischen Taliban unter Granatenbeschuss gekommen und dabei getötet worden, teilte der Sender in Washington mit.

Das Land am Hindukusch ist einer der gefährlichsten Einsatzorte für Journalisten weltweit. Das Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) gab an, dass seit 2011 bereits 24 Journalisten in Afghanistan getötet worden sind. Der Sender NPR verliert erstmals in seiner 46-jährigen Geschichte einen Reporter bei einem Einsatz.

NPR-Fotograf David Gilkey (foto: Wall Street Journal via AP)

Lieferte Berichte von den Fronten in aller Welt: Foto- und Videojournalist David Gilkey, hier im Mai in Kandahar

Das Fahrzeug des Fotojournalisten und seines Übersetzers sei völlig zerstört worden, meldete die Zeitung "New York Times" unter Berufung auf afghanische Militärs. Zwei andere Mitarbeiter des Radiosenders, die in dem Armeekonvoi in einem anderen Fahrzeug unterwegs waren, seien unverletzt geblieben, hieß es. Die Region in Helmand gilt als wichtiges Zentrum der afghanischen Opiumproduktion und wird fast komplett von den Taliban kontrolliert.

US-Außenminister John Kerry würdigte Gilkey und erklärte, dass der Angriff auf den Journalisten an die gefährliche Lage in Afghanistan erinnere. Die Tat sei eine "grausame Mahnung, welcher Gefahr das afghanische Volk, die nationalen Sicherheits- und Verteidigungskräfte und unerschrockene Journalisten" ausgesetzt seien, sagte Kerry. Der afghanische Präsident Ashraf Ghani sprach von einem "feigen Angriff", der gegen die "Prinzipien und Werte des Islam und der Menschlichkeit" ebenso verstoße wie gegen internationales Recht. Die Taliban unterschieden nicht zwischen Soldaten, Zivilisten oder Journalisten, beklagte Ghani während eines Besuchs in der Provinz Helmand.

Mit seiner Arbeit in Kriegs- und Krisenregionen hatte sich Gilkey den Ruf als einer der besten Foto- und Videojournalisten der Welt erarbeitet. Er hatte wiederholt über die Konflikte in Afghanistan und Irak berichtet, auch seine Fotoarbeiten zur Ebola-Krise in Afrika fanden große Beachtung. Gilkey gewann viele Preise der Medienbranche - unter anderem einen Emmy, einen Peabody-Preis und eine Auszeichnung der Fotografenvereinigung des Weißen Hauses.

"Davids Leidenschaft galt der Aufgabe, diese Kriege und die Menschen darin für die Öffentlichkeit sichtbar zu machen", erklärte NPR-Vizepräsident Michael Oreskes. Gilkey habe die Öffentlichkeit "die Welt mit anderen Augen" sehen lassen. "Er ist bei diesem Engagement gestorben."

SC/wl (afp, APE, dpa)

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