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Nahost

Beim Wiederaufbau des Irak helfen

Seit dem Sturz Saddam Husseins hat der Irak unruhige Zeiten hinter sich. Anschläge und Entführungen haben ausländische Investoren lange abgeschreckt. Jetzt wagen sich immer mehr Deutsche ins Land - wie Michael Kurth.

Michael Kurth al Naqib im Irak (Bild: Michael Kurth)

Michael Kurth al Naqib im Irak

Michael Kurth hat lange darauf gewartet, wieder im Irak arbeiten zu können. Mitte der achtziger Jahre war der Informatiker und Elektrotechniker dort, um beim Bau des Flughafens in Basra zu helfen. Danach hat er den Irak nie wieder besucht - bis vor kurzem. Denn sieben Jahre nach dem offiziellen Ende des Krieges sieht er seine Chance gekommen. "Der Irak hat seit 1986 eine ganz besondere Anziehungskraft auf mich ausgeübt", sagt Kurth. "Außerdem wollte ich auch gerne bei dem Wiederaufbau helfen." Deshalb habe er sich entschieden, wieder im Irak tätig zu werden.

Vor allem aber erhofft sich Kurth im Irak lukrative Aufträge. Denn nach Jahren der Sanktionen und Kriege laufen inzwischen Ausschreibungen für große Projekte des Wiederaufbaus an - etwa im Straßen- und Schienenbau oder im Energiesektor. Genau solche Projekte sind es, die Kurth reizen. Nachdem er mit seiner Elektro-Firma in Köln jahrelang eher kleine Brötchen backen musste, will er jetzt wieder ganz oben mitspielen. "In den nächsten fünf Jahren werden insgesamt 75 Milliarden US-Dollar verbaut, die in den Budgets schon hinterlegt sind", sagt Kurth. "Wenn man qualifiziert ist, kann man im Irak sehr viel erreichen und sehr viel machen."

"Keine Probleme" mit der Sicherheit

Messestand in Erbil: Michael Kurth al Naqib mit Frau und Mitarbeitern (Bild: Michael Kurth)

Messestand in Erbil: Michael Kurth al Naqib mit Frau und Mitarbeitern

Um viel zu erreichen, nimmt Michael Kurth auch die Risiken im Irak auf sich. Obwohl sich die Lage in den vergangenen Monaten etwas verbessert hat, gibt es noch immer regelmäßig Gewaltausbrüche, Anschläge und Entführungen. Das Auswärtige Amt warnt deshalb ausdrücklich vor Reisen in den Irak. Michael Kurth stört das nicht. "Sie müssen auf Menschen zugehen können, Sie dürfen keine Angst haben, wenn Sie durch Sicherheitsbarrieren gehen", sagt Kurth. "Auf manchen Straßen im Irak sitzen alle 50 Meter Menschen mit Maschinengewehren. Wenn Sie Probleme damit haben, dann bleiben Sie besser in Deutschland. Ich persönlich habe keine Probleme damit."

Eine Einstellung, die einige seiner Familienmitglieder und Freunde nicht nachvollziehen können. Er wird mit einer Reihe von Vorbehalten konfrontiert. "Viele Menschen haben anfangs gedacht: Der Spinner, was will der überhaupt im Irak?," sagt Kurth. Es sei aber so, dass er nicht immer alle Menschen in seine Pläne involvieren müsse. "Wenn ich etwas machen möchte, dann ziehe ich das durch. Und so mach ich das auch mit dem Irak."

Bevor er das Projekt Irak aber angehen konnte, musste Michael Kurth in Deutschland Vorbereitungen treffen. "Ich bin ja keine 20 mehr, als ich einfach den Koffer packen und gehen konnte," erklärt er. "Ich habe Familie und muss also schon sehen, dass zu Hause alles so weitergeht, wie alle anderen das gewohnt sind." Für seine Firma in Köln hat Kurth deshalb einen Prokuristen, einen neuen Meister und weitere Mitarbeiter eingestellt. "So ist es jetzt möglich, dass ich mich immer mehr aus dem Geschäft rausziehen und mich mehr meinem neuen 'Hobby' Irak widmen kann."

"Al Naqib" als Türöffner für den irakischen Markt

Sicherheitsbeamter im Irak (Bild: AP)

Die Sicherheitslage im Irak ist nach wie vor instabil

Deshalb hat Michael Kurth Anfang des Jahres das Unternehmen "Al Naqib Group" gegründet. Es trägt den Namen seiner aus dem Irak stammenden Frau, den auch er inzwischen angenommen hat. Mit ihm will Michael Kurth al Naqib Ausschreibungen für große Projekte gewinnen und sie dann zusammen mit deutschen Partnern umsetzen. Seit kurzem unterhält er dazu auch ein eigenes Büro im nordirakischen Erbil. Um erste Kontakte zu knüpfen, war Kurth al Naqib Mitte Oktober auch mit einem eigenen Stand auf der dortigen Wirtschaftsmesse vertreten. Seine Chancen, so auf dem irakischen Markt Fuß zu fassen, schätzt er selbst als gut ein. Denn "Made in Germany" sei im Irak nicht nur ein Wort. "Und das i-Tüpfelchen ist bei uns definitiv die Herkunft meiner Frau. Denn ihr Name stammt aus einem alten irakischen Adelsgeschlecht", begründet Kurth. Deshalb gebe es sehr viele Menschen die ihnen Hilfe anböten und Türen öffneten.

Trotzdem: Den ganz großen Auftrag hat Kurth bisher noch nicht. Was er hat, das sind eine Menge Anfragen – zum Beispiel für den Bau von Krankenhäusern, Einkaufszentren und die Beleuchtung eines Fußballstadions. Insgesamt, so sagt er, hätten die ein Volumen von mehr als 50 Millionen Euro. Das könne im Moment weder die Firma "Elektro Bettgens" in Köln, noch die "Al Naqib Group" stemmen. "Deshalb machen wir Cherry-Picking", kündigt Kurth an. "Ich such mir die schönsten Projekte aus und um die werden wir uns kümmern und sehen, dass wir die Aufträge bekommen." Ob ihm das gelingt, entscheidet sich im November. Dann fliegt Kurth erneut in den Irak. Wenn alles gut geht, will er in Zukunft zwischen Deutschland und dem Irak pendeln.

Autorin: Theresa Tropper
Redaktion: Christine Harjes