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Klima

Beim Geld hört die Freundschaft auf

Noch ist es relativ preiswert, das Klimaziel von zwei Grad zu erreichen, so die Klimaexperten. Doch wer zahlt? Die Finanzierung gehört zu den traditionellen Streitthemen bei den UN-Klimakonferenzen.

Was kostet es, das Klima zu retten? Es gibt internationale Studien, die von ein bis zwei Prozent des weltweiten Sozialprodukts ausgehen, wenn die globale Erwärmung unter zwei Grad Celsius bleiben soll.

Professor Gernot Klepper vom Institut für Weltwirtschaft an der Universität Kiel hält die Größenordnung für realistisch, aber: "Wenn wir noch zehn Jahre warten, dann kann es natürlich sehr viel teurer werden, als wenn wir gleich beginnen", warnt er.

Ein bis zwei Prozent des globalen Sozialprodukts wären laut aktuellen Weltbankzahlen rund 780 Milliarden Dollar pro Jahr. Eine für manche schwindelerregende Summe, doch eigentlich preiswert, wenn man bedenkt, dass allein die G-20-Länder die Produktion fossiler Brennstoffe – Kohle, Öl und Gas – mit über 450 Milliarden Dollar pro Jahr subventionieren und damit erheblich zum Klimawandel beitragen.

Energiewende ist nicht genug

Die Kosten für eine klimafreundliche Weltwirtschaft sollen vor allem die einzelnen Länder tragen. Vor dem Gipfel in Paris haben die meisten Länder ihre nationalen Klimaziele vorgelegt. Wenn man alle Maßnahmen addiert, würden die eingereichten Ziele die globale Erwärmung lediglich auf 2,7 Grad Celsius bis Ende des Jahrhunderts begrenzen.

Um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen, reicht eine globale Energiewende nicht aus. Land- und Forstwirtschaft gehören neben der Industrie zu den größten Klimasündern und sind für rund ein Viertel der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich.

"Selbst wenn wir noch so erfolgreich sind beim Vermeiden der Emissionen aus den fossilen Brennstoffen: Allein dadurch erreichen wir den Klimaschutz nicht", sagt Waldexperte Christoph Thies von Greenpeace. Er fordert:

"Es muss ein finanzieller Anreiz durch die Industrieländer bereit gestellt werden, damit die Entwicklungsländer Jahr für Jahr ihre Wälder schützen und nicht abbrennen und abholzen."

Hilfe für Entwicklungsländer

Das Problem: Für die meisten Entwicklungsländer bringt der Wald erst dann Geld, wenn er gerodet wird: Für Palmöl-Plantagen, Soja-Felder oder Rohstoffabbau.

Palmölplantage

Palmölplantagen bringen mehr Geld als Regenwälder

"In vielen Entwicklungsländern ist Landwirtschaft und Landnutzung ein ganz wesentlicher Teil der Wirtschaft", betont Gustavo Silva-Chavez, Forst und Landwirtschaftsexperte der Non-Profit-Organisation Forest Trends. Für ihn ist klar, dass viele Entwicklungsländer ihre Klimaschutzziele nicht ohne internationale Finanzhilfe erreichen können. Forest Trends analysierte Ende Oktober die nationalen Zusagen, die beim internationalen Klimasekretariat in Bonn eingegangen waren. Danach machten 57 Entwicklungsländer ihre Emissionsziele von internationaler Unterstützung abhängig.

Grüner Klimafonds

Die Industrieländer haben bereits zugesagt, ab 2020 jährlich 100 Milliarden US-Dollar in einen Klimafonds einzuzahlen. Das Geld aus dem "Grünen Klimafonds" (Green Climate Fund) soll vor allem Entwicklungsländer zu gute kommen, damit sie Emissionen vermeiden und Anpassungsmaßnahmen finanzieren können.

"Bei den internationalen Organisationen gibt es ja schon die Strukturen, das Geld einzusammeln", erzählt Gernot Klepper vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel. Er hofft nun, dass Paris die versprochenen 100 Milliarden US-Dollar in den Fonds bringen wird und sieht das Problem eher bei der Umsetzung in den Entwicklungsländern.

Bangladesch Klimaflüchtlinge Slum Dhaka

Immer mehr Menschen flüchten vor den Folgen des Klimawandels und landen meist in Slums

"In den Nehmerländern müssen für diese Mittel noch die Strukturen geschaffen werden, damit die Gelder wirklich sinnvoll eingesetzt werden können", sagt Klepper. Die Geberländer bestehen ihrerseits auf Nachprüfbarkeit, dass die Mittel auch tatsächlich für Klimaschutz und Anpassungsmaßnahmen ausgegeben werden.

Schlüsselfrage Geld

Die Frage wer zu den Geber- und wer zu den Nehmerländern zählt, steht in Paris noch im Raum. Die Industrieländer möchten künftig Schwellenländer wie China oder Indien zur Verantwortung ziehen und zur Kasse bitten. Schließlich verursachen Schwellen- und Entwicklungsländer heute 60 Prozent der weltweiten Emissionen.

Die Schwellen- und Entwicklungsländer in der G77 argumentieren, dass sie ein Recht auf Entwicklung haben und dass ihre Pro-Kopf-Emissionen nur ein Bruchteil von den Pro-Kopf-Emissionen der Industrieländer sind. Deshalb, so die Argumentation, müssen die Industrieländer mehr Emissionen einsparen und den Hauptanteil zum internationalen Klimafonds beisteuern.

So standen sich Industrie- und Entwicklungsländer in der Finanzfrage bisher eher unversöhnlich gegenüber.

Privatwirtschaft mit im Boot

Unerwartete Hilfe könnte von der Wirtschaft kommen. Die Nachricht, dass der weltgrößte Versicherungskonzern Allianz aus Investitionen in der Kohlewirtschaft aussteigt, wird auch in Paris für neue Impulse sorgen.

Bildergalerie Solarenergie - China

Die Wirtschaft treibt die Energiewende bereits heute mit voran

Ohnehin, so Umweltökonom Gernot Klepper, wird allgemein unterschätzt, was die Privatwirtschaft heute bereits tut.

"Viele Klimaschutz-Maßnahmen und -Technologien sind ja in der Privatwirtschaft entwickelt worden und verbreiten sich heute auf der ganzen Welt", sagt Klepper und hebt noch die Tatsache hervor, dass viele Unternehmen bereits aktiv an Anpassungsmaßnahmen arbeiten – aus Eigeninteresse.

Wie weit die Politik es in Paris schaffen wird, die Rahmenbedingungen für die Beteiligung der Wirtschaft festzulegen, ist ungewiss. Sicher dagegen ist, dass viele Entwicklungsländer bereits heute den eigentlichen Preis für den Klimawandel zahlen. Die Häufigkeit und Schwere der klimabedingten Katastrophen wie Überflutungen, Dürren und Taifune nehmen zu und treffen die ärmsten Ländern am härtesten.

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