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Wissen & Umwelt

Beim Frühstück mit Forschern

Beim Nobelpreisträgertreffen beginnt der Tag früh: Noch vor 7 Uhr morgens steht das "Science Breakfast" an. Allmählich sind hier alle warm miteinander geworden - längst geht es nicht mehr nur um Wissenschaft.

Der Bodensee liegt noch unter einer Nebeldecke, und selbst die Lindauer scheinen noch zu schlafen - sonst wären die Straßen der Altstadt wohl kaum so menschenleer.

Einzig die Teilnehmer des diesjährigen Nobelpreisträgertreffens sind früh dran: Um 6:45 Uhr sieht man sie in den kleinen Gassen zum gemeinschaftlichen Frühstück trotten - gut erkennbar sind sie durch die roten Umhängetaschen, die es in diesem Jahr für die Nachwuchswissenschaftler gab.

Mit Smalltalk in den Tag

Im Forum am See, wo das wissenschaftliche Frühstück, das "Science Breakfast", stattfindet, ist es mit der morgendlichen Ruhe vorbei. Nach ein paar Tagen, die Nachwuchs und Nobelpreisträger nun beim Treffen miteinander verbracht haben, herrscht lockere Stimmung: quietschvergnügt - zwischen Semmeln und Stehtischen.

"Ihr wart gestern noch lange wach, oder?" fragt ein Nachwuchswissenschaftler seine amerikanische Kollegin. Es sei nicht allzu spät gewesen, antwortet sie. Sie habe sich nur noch lange mit ihrer Zimmernachbarin unterhalten. "Möglich, dass wir etwas zu laut gelacht haben… Sorry!", entschuldigt sie die "Ruhestörung". Also: selbst bei der jungen Elite geht es um diese Uhrzeit noch nicht um wissenschaftliche Themen.

"Wir übernachten hier gruppenweise in Gästehäusern oder Gastfamilien", erklärt die 25-jährige Thea Hering, die gerade mit ihrer Doktorarbeit an der Universität in Regensburg begonnen hat. Die meisten Deutschen seien etwas außerhalb von Lindau, die ausländischen Nachwuchswissenschaftler dafür zentraler untergebracht. "Wegen der Orientierung ist das sinnvoll: mit Bus und Bahn zur Inselhalle zu pendeln ist für uns 'Locals' schon einfacher", sagt sie. Trotzdem sei es schade, da sie so meist nur während der Veranstaltungen auf die ausländischen Kollegen treffe.

Auf dem Nobelpreisträgertreffen in Lindau malen drei Nachwuchsforscher aus Israel, was sie unter grüner Chemie verstehen (Foto: DW/Hannah Fuchs)

Nachwuchsforscher malen für die DW, was sie sich unter Grüner Chemie vorstellen

"Hast du die Erdbeeren probiert?" fragt Shaji Varghese aus Indien und löffelt seinen Obstsalat aus. "So gute hatte ich bisher noch nicht!" Vegetarier hätten es hier bei dem Treffen nicht immer so leicht, sagt er lachend.

Nachdem die Forscher das Frühstücksbuffet geplündert und den letzten Abend haben Revue passieren lassen, geht es mit der ersten Diskussionsrunde weiter. Es geht um Energie: "Wie können wir uns den Herausforderungen in Zukunft stellen?" lautet die Frage des Vormittags. Alle Nachwuchswissenschaftler sitzen hierbei an runden Tischen, deren Papierdecken zum Scribblen und Brainstormen gedacht sind. Kritzeln - das machen Wissenschaftler wohl doch ganz gerne.

"Hier zu forschen wäre mein Traum"

Nachwuchsforscher Richard Taylor beim Lindauer Nobelpreisträgertreffen 2013 (Foto: DW/Hannah Fuchs)

Richard Taylor hofft auf ein Forschungsstipendium in Deutschland

Beim Science Breakfast mit dabei ist auch Richard Taylor, ein junger Akademiker aus Trinidad und Tobago. An der University of the West Indies arbeitet er mit einer kleinen Gruppe Studenten an neuen Materialien, um Lösungen für effiziente Energieumwandlung zu finden. Was ihm an Lindau besonders gut gefällt? "Der See ist wunderschön! Die Straßen! Die Architektur!" Er hätte nicht gedacht, dass es solche schönen Städte in Deutschland gibt.

Auch von der Tagung habe er einiges mitgenommen, das er seinen Studenten unbedingt zeigen möchte. "Ich weiß jetzt, wie ich meine Studenten inspirieren und sie so richtig für Chemie begeistern kann!" meint Taylor. Wenn er wieder in der Uni ist, werde er mit ihnen die Vortragsvideos aus Lindau noch einmal ansehen.

Außerdem wolle er sich für ein Fellowship der Alexander von Humboldt-Stiftung bewerben. "Hier zu forschen wäre mein Traum! Es gibt hier so fantastische Institute. Und Deutschland ist weltweit führend, was Wissenschaft betrifft", schwärmt der 34-Jährige.

Kollegen von allen Kontinenten

Mittlerweile ist es Nachmittag geworden und es regnet in Strömen. Der pakistanische Nachwuchsforscher Arslan Ali sucht während der Kaffeepause zwischen zwei Vorträgen Unterschlupf in einem der Zelte. Bei der Menge an Nachwuchswissenschaftlern mussten sich die Veranstalter etwas ausdenken: Die Essensausgabe und das Internetcafé wurden aus der Inselhalle in große Zelte ausgelagert.

Nachwuchsforscher Aslan Ali aus Pakistan zeigt auf dem Lindauer Nobelpreistreffen Fotos von seiner Heimat (Foto: DW/Hannah Fuchs)

In der Kaffeepause zeigt Aslan Aslani Bilder aus seiner Heimat Pakistan

Das WLAN von Arslans Smartphone streikt - er hat Zeit zu plaudern. Er lerne viele Nachwuchswissenschaftler aus allen möglichen Ländern hier kennen, sagt er, alle etwa im gleichen Alter. "Das ist toll, wir bleiben in Kontakt und landen dann bald zur selben Zeit im Arbeitsalltag“, erklärt der junge Pakistaner mit dem Vollbart. "Und dann forschen wir gemeinsam, nur überall auf der Welt verteilt." Das internationale Zusammenarbeiten fängt in Lindau wohl also erst an.

Hochmotivierter Nachwuchs

"Die Leidenschaft der jungen Wissenschaftler fühlt man hier beim Treffen ganz besonders", findet Mario Molina. Er ist einer der 34 Nobelpreisträger, die in diesem Jahr in Lindau dabei sind. Der mexikanische Chemiker sitzt im bayrischen Restaurant der Inselhalle - mit Cola Light.

"Die Leidenschaft der jungen Leute ist die größte Belohnung für mich und meine Arbeit", sagt Molina. Er glaubt nicht, dass die Begeisterung nur für den wissenschaftlichen Fortschritt von Nutzen sei, sondern auch für die Zufriedenheit der Menschen selbst: Verstehen und Dazulernen sei in allen Lebenslagen wichtig.

Diese besagte Leidenschaft des jungen Forschernachwuchses ist beim Lindauer Nobelpreisträgertreffen auch nicht zu übersehen - und erst recht nicht zu überhören. Eine Gruppe fällt dabei besonders auf: Renana Gershoni-Poranne, Raz Zarivach und Ben Maoz kommen alle aus Israel, sie haben sich bei der Tagung jedoch zum ersten Mal getroffen.

"Die Menschen hier sind toll, die Stadt, naja, das Wetter geht so, endlich mal die Chance haben, Nobelpreisträger zu treffen…" - das alles gefalle ihnen besonders gut an Lindau, zählen sie auf, wild durcheinander. "Und das Bier" fügt Ben hinzu.

Nachwuchsforscher Aslan Ali (Mitte) auf dem bayerischen Abend beim Lindauer Nobelpreisträgertreffen (Foto: DW/Hannah Fuchs)

Beim bayerischen Abend in Lindau geht es international zu

Viele Nationen, viele Traditionen

Bier gibt es am Abend dann auch reichlich. Beim traditionellen bayerischen Abend der Tagung geht es zünftig zu: Es gibt nicht nur Bier, sondern auch Brezeln und Trachten. So hält Nobelpreisträger Robert Huber seine Willkommensrede mit Gamsbart, einem bayerischen Trachtenhut.

Aber man sieht auch afrikanische Gewänder, Kimonos, nepalesische Hüte,… - das bunte Treiben und die internationale Atmosphäre der Veranstaltung bleiben trotz Mottoparty erhalten.

Hier geht es mal nicht um wissenschaftlichen Austausch, sondern darum, eine gute Zeit zu haben. Bis zum Zapfenstreich tanzen Nachwuchswissenschaftler zwischen Schuhplattlern und Nobelpreisträgern.

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