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Welt

Beim Öl sehen Nord- und Südsudan schwarz

Es geht ums Öl. Und es geht um Macht. Nach der Abspaltung des Südsudan vom Norden ist die Verteilung der Ölreserven noch immer ungelöst. Jetzt nehmen beide Parteien die Gespräche wieder auf.

Bau einer neuen Öl-Plattform im Südsudan (Foto: AP)

Ölplattform im Südsudan

Nord- und Südsudan haben in der Ölfrage unterschiedliche Positionen, aber ein gemeinsames Problem: "Beide Sudans sind vom Öl abhängig, der Süden noch etwas mehr als der Norden", sagt Wolf-Christian Paes, Südsudan-Experte des Bonner Internationalen Konversionszentrums (BICC). Das zeigen schon die nackten Zahlen: 98 Prozent seiner Staatseinnahmen gewinnt der Südsudan aus Ölverkäufen. Im Norden sind es zwischen 60 und 80 Prozent. Noch etwas anderes wird anhand der Daten deutlich: Seit der Unabhängigkeit klafft im Staatshaushalt des Nordens ein großes Loch. Denn 75 Prozent der Öleinnahmen liegen jetzt auf dem Staatsgebiet des Südens. Die Folgen hat der Internationale Währungsfond schon in seinem letzten Bericht festgestellt: Die Wirtschaft im Norden wird in diesem Jahr um knapp 0,2 Prozent schrumpfen.

Rezession und fehlende Devisen

Die beiden Präsidenten Salva Kiir (l.) und al-Bashir (Foto: dpa)

Die beiden Präsidenten Kiir (l.) und al-Bashir (r.) verfolgen im Ölgeschäft unterschiedliche Ziele

Der Nordsudan will so viel wie möglich von den Öleinnahmen behalten. "Das ist die nackte Verzweiflung", so Paes. Der Süden bietet der Regierung in Khartum 3,9 Millionen Euro für die verloren gegangenen Öleinnahmen an - der Norden aber fordert 5,5 Millionen Euro. Zudem können sich beide Seiten nicht auf Durchleitungsgebühren für die Pipeline einigen, durch die das Öl aus dem Süden in den Hafen Port Sudan im Norden fließt. Es ist die einzige Verbindung, durch die der Süden exportieren kann. Hier fordert der Norden 28 Euro pro Fass. Der Süden bietet knapp 55 Eurocent an.

Kampf um Geld und Macht

"Es geht ja auch um mehr als Öl", sagt die niederländische Sudan-Expertin Kathelijne Schenkel von der Europäischen Koalition für Öl im Sudan, einem Zusammenschluss von Nichtregierungsorganisationen, die den Ölmarkt und -verkauf im Sudan beobachten. Ihre Analyse: "Die Verteilung der Öleinnahmen ist mit der Lösung anderer Streitfragen verbunden."

Sudans Präsident al-Bashir (ganz links) und der chinesische Präsident Jintao (3.v.r.) bei einer Ehrenformation (Foto: AP)

China hat großen Einfluss im Sudan: Präsident Hu Jintao auf Staatsbesuch

Zum Beispiel ist noch immer nicht klar, was mit der Grenz-Region Abyei passiert. Eigentlich sollten die Bewohner in einer Volksabstimmung entscheiden, ob sie zum Norden oder Süden gehören wollen. Vor der Unabhängigkeit des Südens schufen beide Seiten Fakten: Die Nordarmee besetzte die Region, was der Süden nicht akzeptiert. "Es ist möglich, dass die Ölfrage gelöst werden kann, wenn sich eine Seite bei einer anderen Frage bewegt", so Sudan-Expertin Schenkel. Das wäre eine Art Tauschgeschäft: Ein Kompromiss bei der Grenzziehung beispielsweise im Tausch gegen einen Kompromiss beim Öl. Doch auch hier steht ein Durchbruch noch aus.

China als ehrlicher Makler?

Das Ausland betrachtet den Streit ums Öl mit großer Sorge. Die USA seien "sehr besorgt", teilte die Regierung in Washington kürzlich in einer Stellungnahme mit. Aber: "Nicht jedes Land hat Hebel, um etwas zu bewegen", sagt Wolf-Christian Paes. "Der wichtigste Spieler hier ist China", so Kathelijne Schenkel. Denn die beiden größten Betreiber von Ölfeldern sind chinesische und malaysische Firmen. Beide wollen nicht, dass der Ölfluss versiegt und nehmen daher auf beide Regierungen Einfluss. "Daher besteht in Teilen der westlichen Welt die Hoffnung, dass die Chinesen die Rolle eines ehrlichen Maklers übernehmen", sagt Sudan-Kenner Paes vom BICC.

Wenn es keine Einigung gibt, könnte das zu neuer Gewalt zwischen beiden Seiten führen - denn ohne Öleinnahmen, sind beide Staaten macht- und geldlos.

Autor: Daniel Pelz
Redaktion: Stefanie Duckstein

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