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Wirtschaft

"Beide Seiten müssen aufeinander zugehen"

Russlands Wirtschaft leidet unter den EU-Sanktionen. Die Antworten des Kreml treffen deutsche Unternehmen. Im Dw-Interview spricht Eckhard Cordes vom Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft über die Folgen.

DW: Die Beziehungen zwischen Deutschland und Russland sind angespannt. Wie gehen Sie damit um?

Eckhard Cordes: Wir versuchen, Gesprächskanäle nach Russland, die wir traditionell hatten, aufrechtzuerhalten. Ein Beispiel: wir waren gerade letzte Woche in Moskau mit einer deutschen Unternehmerdelegation, die sich mit der russischen Wirtschaftsführung getroffen hat. Wir haben uns zur aktuellen Lage ausgetauscht. Aber wir versuchen auch, soweit es in unseren Möglichkeiten steht, Kontakt zur russischen Politik aufrechtzuerhalten.

Dieses Treffen in Moskau - über den Inhalt wurde Stillschweigen vereinbart. Jetzt denken einige, es ging um geheime Absprachen. Wieso haben Sie auf die Transparenz verzichtet?

Es ging natürlich nicht um Geheimabsprachen. Das ist eine Routine gewesen. Wir haben uns dieses Jahr schon mehrfach getroffen. Wir haben uns erzählen lassen, was die russische Führung plant, zur Belebung der russischen Wirtschaft. Da braucht man keine Geheimnisse. Es ist der normale Gang der Dinge.

Russland will, dass die Sanktionen aufgehoben werden, der Westen hält an den Sanktionen fest. Wie ist die Position des Ost-Ausschusses dazu?

Wir haben immer gesagt, dass wir in einer politischen Krise sind und dass eine politische Krise politisch gelöst werden muss. Der Primat der Politik gilt. Die Wirtschaft setzt das um, was die Politik entscheidet. Das ist das eine. Wenn die Politik Wirtschaftssanktionen beschließt, wird die Wirtschaft natürlich die Wirtschaftssanktionen umsetzen. Das ist eine Seite der Medaille. Die andere Seite der Medaille ist die Frage: wirken diese Wirtschaftssanktionen? Werden Sie erwünschte Ergebnisse bringen? Und hier haben wir immer mit großer Skepsis reagiert, dass das der Fall sein wird. In einer globalisierten Welt, in einer globalen Wirtschaft wirken Sanktionen dann, wenn alle mitmachen. Das ist aber hier nicht der Fall. Wenn deutsche Firmen nicht mehr bestimmte Sachen liefern dürfen, dann gehen natürlich andere in diese Lücke und wir sehen das auch schon, dass z.B. chinesische Unternehmen versuchen an die Stelle von deutschen Unternehmen zu treten. Wir glauben letztlich nicht, dass die Wirtschaftssanktionen den erwünschten politischen Erfolg haben werden.

Wenn nicht die wirtschaftlichen Sanktionen, dann was? Was könnte die Situation retten?

Es gibt nur eine einzige Möglichkeit, dass beide Seiten aufeinander zugehen. Beide Seiten müssen anerkennen, dass im Rahmen der gesamten Krisenentwicklung Fehler gemacht worden sind. Man darf nicht nur aufsetzen und schauen, was nach der Krim-Annexion passiert ist, sondern man muss zurück gehen, was ist vorher passiert. Man muss ein gesamthaftes Bild entwickeln. Und wenn dann die beiden Seiten kompromissbereit sind, wenn sie bereit sind, aufeinander zuzugehen, dann wird man eine politische Lösung dieser Krise finden. Denn wir müssen eine Lösung dieser Krise finden.

Wie groß ist der wirtschaftliche Schaden, der durch die Sanktionen verursacht wurde, für die deutsche Wirtschaft? Kann man das schon schätzen?

Das kann man noch nicht beziffern. Weil wir in einer Situation sind, in der die russische Wirtschaft ohnehin schon geschwächelt hat. Wir hatten auch 2013, beginnend in 2012, eine Verlangsamung. Das hat sich als Grundtrend in 2014 fortgesetzt, und jetzt kommen sozusagen on top die Wirtschaftssanktionen. Man kann aber sagen, wenn man das an Zahlen fest machen will, dass die deutschen Exporte nach Russland in den ersten acht Monaten dieses Jahres fast um 17 Prozent gesunken sind. Und wir fürchten, wenn wir eines Tages die Zahlen für das gesamte Jahr 2014 haben, dass die deutschen Exporte wohl um 20 Prozenz zurückgegangen sein werden.

Das Interview führte Oxana Evdokimova.

Eckhard Cordes ist ein deutscher Manager. Er war in führenden Positionen tätig, unter anderem bei der Daimler-Benz AG (heute Daimler AG), dem Familienkonzern Franz Haniel und der Metro AG. Cordes ist Mitglied in zahlreichen Aufsichtsräten. Seit Dezember 2012 ist er Vorsitzender des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft.

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