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Politik

Bei Geld hört die Freundschaft auf

Politiker, Künstler, Sportler, Gewerkschafter, Kardinäle und ganz viel ganz normales Volk stellten sich den Neonazis entgegen. Es war der Aufstand der Anständigen - die sich jetzt ein bisschen ums Geld kabbeln.

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Am 8. Mai wollten die Neonazis durchs Brandenburger Tor marschieren: So viel Provokation auf den Tag genau 60 Jahre nach Kriegsende war dann doch zuviel - und Grund genug für die Koalition gegen Rechts, alle politischen, ideologischen oder kulturellen Vorbehalte weniger wichtig zu nehmen und zusammenzustehen. Den gemeinsamen Kampf gegen Rechts hatten keine Geringeren als die frei gewählten Volksvertreter in seltener Einmütigkeit angeregt.

Das Ergebnis ist bekannt und beeindruckend: Die NPD musste ihren geplanten Marsch vom Berliner Alexanderplatz zur Friedrichstraße (weiter hätten sie sowieso nicht stiefeln dürfen) abblasen, weil sich Tausende couragierte Bürgerinnen und Bürger in den Weg stellten. Ein wunderbares Zeichen: Für Nazis ist in der deutschen Hauptstadt kein Platz. Keine Bilder von Fackel tragenden strammen Neonazis gingen um die Welt, sondern die eines wehrhaften Volkes, das wachsam und gut gelaunt den "Tag für die Demokratie" zelebrierte. Schlechtes Wetter und trotzdem 100.000 Leute, die mit Rocksängern, Schauspielern und anderen Promis feierten.

Und alle, die singend, redend oder moderierend auftraten, taten das natürlich kostenlos - wie es sich gehört, wenn es um einen guten Zweck geht. Kosten waren dennoch entstanden, klar. Denn das friedliche Spektakel musste organisiert werden: Bühnen, Beschallung, Toiletten – was so nötig ist, wenn eine große Menschenmenge unter freiem Himmel zusammenkommt. 300.000 Euro hat es gekostet. Je 40.000 davon haben Sozialdemokraten und Gewerkschaften bezahlt, die Grünen immerhin noch 10.000. Die Bundesvereinigung deutscher Arbeitgeber (BDA) 4000, die Aktion Sühnezeichen 2000. Und so weiter.

Keinen einzigen Cent steuerten die Christdemokraten und die Liberalen bei. Weshalb nun ein Streit darüber entbrannt ist, warum das so ist und was davon zu halten ist. Wie auch immer dieser Streit ausgehen wird, er belegt eines ganz besonders: Bei Geld hört die Freundschaft (unter Demokraten) auf. Auch, wenn es gegen Neonazis geht. Schade.

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  • Datum 13.05.2005
  • Autorin/Autor Marcel Fürstenau
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  • Permalink http://p.dw.com/p/6dj7
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