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Alltagsdeutsch – Podcast

Bei Gastfamilien zu Hause

Zahlreiche Austauschorganisationen ermöglichen unter anderem Schülern einen Aufenthalt im Ausland. Zu ihnen gehört auch der gemeinnützige Verein „Experiment“. Sein Motto: Miteinander leben, voneinander lernen.

Sprecher:
Sie ist die älteste Austauschorganisation der Welt: „The Experiment in International Living“. Sie existiert schon seit 1932. In insgesamt 23 Ländern unterhält die Organisation eigene Büros, darunter auch in Deutschland, in Bonn. Hier vermittelt der Verein „Experiment“ Menschen ab dem Alter von 13 Jahren in Gastfamilien. Diese nehmen die Gastschüler für einige Wochen bis zu einem ganzen Jahr auf. „Experiment“ ist ein gemeinnütziger Verein, der mit seiner Arbeit kein Geld verdienen darf. Angewiesen ist er deshalb unter anderem auf Spenden und auf Gastfamilien, die unentgeltlich Gastschülerinnen und -schüler aufnehmen. Zu ihnen gehört auch eine Familie in Bonn, die für sieben Monate die 16-jährige Meredith aus den USA zu Gast hat. Sie besucht nicht nur die Schule, sondern nimmt auch am normalen Leben der Familie teil. Wenn Meredith und ihr Gastbruder sowie ihre Gastschwester aus der Schule kommen, setzen sich alle zum gemeinsamen Essen zusammen. Manchmal kommen auch die Großeltern dazu. Meredith fühlt sich fast wie zu Hause:

Meredith:
„Ich liebe meine Familie. Ich habe so viel Glück mit meiner Familie, weil viele andere Leute hat eine sehr schwere Zeit mit seiner Gastfamilie, aber es ist ganz einfach mit meiner. Und es ist sehr gemütlich, es ist ganz genau wie in meiner Familie in Amerika.“

Sprecher:
Meredith hat es mit ihrer Gastfamilie gut getroffen. Sie wurde sehr freundlich aufgenommen. Andere Austauschschüler haben nicht so viel Glück, sie haben – wie Meredith es ausdrückt – eine sehr schwere Zeit. In den USA hat Meredith fünf ältere Brüder. In Deutschland gewöhnte sie sich ganz schnell an ihre 14-jährige Gastschwester Finia und ihren 17-jährigen Gastbruder Kilian sowie dessen Freundin Alegra.

Alegra:
„Ja, sagen wir so, ich war die erste Freundin, die sie hier hatte, und hab’ sie dann halt in der Schule an die Hand genommen und hab’ halt all meinen Freunden die Meredith vorgestellt, damit sie halt nicht alleine ist und so, im Unterricht.“

Sprecher:
Alegra kümmerte sich um die Gastschwester ihres Freundes, sie nahm sie sprichwörtlich an die Hand. Unter anderem machte sie die junge Amerikanerin mit ihren Freundinnen und Freunden bekannt. Meredith lernte mit deren Hilfe sowie der Unterstützung ihrer Schulkameradinnen und -kameraden und natürlich der Gastfamilie Deutsch. Im Gegenzug verbesserten alle anderen – inklusive der Großeltern – ihre Englischkenntnisse. Frei nach dem „Experiment“-Motto „Miteinander leben, voneinander lernen“ erfuhren die Gastgeschwister Finia und Kilian auch viel über amerikanische Schulen.

Finia / Kilian:
„Also, in der Schule ist das irgendwie ganz anders, weil bei uns ist es viel strenger und die dürfen irgendwie alles machen. Die dürfen schlafen in der Schule, Kaugummi kauen und alles. Und wir dürfen irgendwie gar nichts machen, also, wir dürfen nur so rumsitzen und halt lernen und aufpassen. / Ja, und in der Freizeit auch so, dass sie ja viel Sport in der Schule machen halt. Bei uns ist das ja eher so privat geregelt über Vereine und so.“

Sprecher:
Finia findet, dass das amerikanische Schulsystem weniger streng ist als das deutsche. Man dürfe dort irgendwie alles machen. In deutschen Schulen stünden das Lernen und das Aufpassen im Unterricht im Vordergrund. Kilian findet es gut, dass es an amerikanischen Schulen eigene Sportmannschaften gibt. Wer in Deutschland einen bestimmten Sport ausüben wolle, müsse sich selbst darum kümmern, müsse das privat regeln, indem er Mitglied in einem Sportverein werde. Wie seine Freundin Alegra verwendet auch Kilian die umgangssprachliche Floskel „und so“. Wer sie benutzt, gibt damit zu verstehen, dass es eigentlich noch mehr Beispiele für das Gesagte gibt, die aber nicht alle aufgezählt werden sollen. Merediths Gasteltern Ulrich und seine Frau Susanne hatten in der Zeitung gelesen, dass der Verein „Experiment“ noch Gastfamilien für sein Austauschprogramm sucht. Obwohl sie in ihrem Umfeld manchmal auf wenig Verständnis trafen, hatten die beiden mehrere Gründe für eine Bewerbung.

Ulrich / Susanne:
„Unser Anliegen war einmal natürlich, einem Kind eine Chance zu geben, Deutschland und die Deutschen kennenzulernen. Für uns war auch wichtig, die amerikanisch-deutsche Brücke zu unterstützen, dass man von Grund auf die Beziehung bei der Jugend aufbaut. / Ich stoße häufig auf Unverständnis, dass wir gefragt werden: ‚Warum macht ihr das eigentlich, warum nehmt ihr jemanden in eure Familie auf und finanziert das?’ Und ja, wir sagen einfach, wir wollen etwas Ehrenamtliches tun, und wir denken auch, dass man nicht immer nur nehmen kann, sondern auch etwas geben sollte.“

Sprecher:
Drei Ziele, drei Anliegen, hatten Ulrich und Susanne: Sie wollten zeigen, wie man in Deutschland lebt. Und sie wollten kein Geld dafür, sie wollten etwas Ehrenamtliches tun. Denn die beiden leben nach dem Spruch aus der Bibel: „Geben ist seliger als nehmen.“ In der Umgangssprache ist daraus geworden: Man soll nicht nur nehmen, sondern auch geben. Der dritte Grund für die beiden war, dass sie gegenseitiges Verständnis bei Jugendlichen für die Kultur auf beiden Seiten des Atlantiks wecken möchten. Sie wollen bildlich eine Brücke zwischen den Kulturen bauen. Bei dem Verein selbst sorgen Betreuerinnen und Betreuer – ebenfalls ehrenamtlich – dafür, dass sich die Austauschschülerinnen und -schüler im Gastland wohlfühlen. Die Bonner Familie und Meredith haben einen engen Kontakt zu ihrer 24-jährigen Betreuerin, die früher selbst einmal Austauschschülerin in den USA war. Meredith mag sie aus verschiedenen Gründen sehr.

Meredith:
„Sie kann sehr gut Englisch, also, wenn ich nicht auf Deutsch sprechen kann, wir können auf Englisch sprechen, und das ist wichtig in etwa. Mein Deutsch, es ist gut, aber nicht so gut, dass ich mein Gefühl immer sagen kann! Und die Erfahrung auch hilft, weil sie versteht mich, wenn ich Heimweh habe, sie versteht das wirklich!“

Sprecher:
Da die Betreuerin selbst in einem fremden Land gelebt hat, kann sie nachempfinden, wie Meredith sich fühlt. Ganz besonders, wie es ist, wenn man Heimweh hat. Zu jedem Austausch gehört dieses Gefühl wohl ein bisschen dazu. Doch anders als früher haben es die Schülerinnen und Schüler heute deutlich leichter, mit ihrer Familie in der Heimat in Kontakt zu bleiben. Das ist allerdings nicht immer von Vorteil, beobachtet die Geschäftsführerin des Vereins, Bettina Wiedmann:

Bettina Wiedmann:
„Also, während man 1932 Briefe geschrieben hat oder sogar noch 1992/93, als ich im Austausch war, merken wir, dass es heute die neuen Kommunikationsmittel sind, die den Austausch verändern. Also, Dinge wie Skype und Facebook verändern die Art des Austauschs. Man muss sich mehr anstrengen, um wirklich komplett in eine andere Kultur einzutauchen und um sich von seiner Kultur weiter zu entfernen und loszusagen.“

Sprecher:
Früher schrieb man sich Briefe, die lange brauchten, bis sie ankamen. Und wenn ein Brief ankam, war das Erlebte schon Vergangenheit. Durch die neuen Kommunikationsmittel wie Skype und Facebook hat sich alles verändert. Noch am selben Tag, manchmal sogar direkt, in Echtzeit, kann das Erlebte mitgeteilt werden. Die ständige Verbindung zur Heimat hat allerdings den Nachteil, dass die Austauschschülerinnen und -schüler sich nicht auf die andere Umgebung, die andere Kultur einstellen. Sie können, wie es Bettina Wiedmann formuliert, nicht in sie eintauchen. Und von ihrer eigenen können sie sich nicht trennen, sich von ihr lossagen, weil Familie und Freunde in der Heimat ihrerseits auch von ihrem Erlebten erzählen. Bei Meredith ist das nicht so. Sie hat das Eintauchen in die deutsche Kultur gut geschafft. Sie genießt den Aufenthalt in einem Land, das sie schon lange vor ihrem Austausch mochte.

Meredith:
„Seit sechs Jahren oder so habe ich immer Deutschland geliebt. Ich weiß nicht genau, warum, aber ich hab’ immer die Sprache geliebt. Also, ich hab’ einmal es gehört und ich war: ‚Ohoho, ich will das lernen, weil es so schön ist und so unterschiedlich.’ Dann ich hab’ auch gehört, wie alt alles ist in Deutschland und so viel Geschichte. Und in Amerika es ist nur neu und groß, und Deutschland ist sehr schön.“

Sprecher:
Meredith mochte die deutsche Sprache. Darüber hinaus begeistert sie sich für die deutsche Geschichte und Architektur. Besonders die Altstädte mit ihren historischen Gebäuden finde man in den USA nicht. Ohne ein Stipendium des Vereins „Experiment“ hätte sich Meredith den Aufenthalt in Deutschland allerdings nicht leisten können. Diese Stipendien werden von den Partnerbüros in den jeweiligen Ländern vermittelt. Wer sich also für ein Stipendium für Deutschland interessiert, sollte sich – so Bettina Wiedmann – an das „Experiment“-Büro vor Ort wenden. Und Meredith fasst ihren Aufenthalt so zusammen:

Meredith:
„Es ist sehr, sehr cool!“




Fragen zum Text

Der Verein „Experiment“ finanziert sich durch …
1. Stipendien.
2. Spenden.
3. staatliche Unterstützung.

Jemand, der anderen gerne hilft, …
1. nimmt nicht nur, sondern gibt auch.
2. nimmt weniger, als er gibt.
3. gibt mehr, als er nimmt.

Was stimmt nicht? Will jemand ein anderes Land kennenlernen, dann …
1. sollte sie/er seine Abstammung vergessen.
2. muss sie/er Brücken bauen.
3. sollte sie/er in die Kultur eintauchen.


Arbeitsauftrag
Du möchtest als Austauschschülerin oder Austauschschüler ins Ausland gehen. Welches Land würdest du wählen? Begründe deine Antwort. Verfasse anschließend einen kurzen Steckbrief an deine Gasteltern, in dem du dich vorstellst.

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