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Aktuell Welt

Bei der FIFA brechen alle Dämme: Immer neue Enthüllungen

Mit dem Rückritt von FIFA-Chef Blatter bricht das Kartell des Schweigens über die Machenschaften im Welt-Fußballverband zusammen. Eine Enthüllung jagt die nächste.

Der zurückgetretene, aber noch amtierende Präsident des Fußball-Weltverbandes, Joseph Blatter, demonstrierte business as usual. In der FIFA-Zentrale in Zürich traf sich der 79-Jährige mit seinem Vertrauten, Domenico Scala, um - wie es hieß - einen Handlungsrahmen und einen Zeitplan für den Reformprozess im Fußball-Weltverband festzulegen. Derzeit sieht es allerdings eher so aus, als würde der Verband demnächst in die Luft fliegen.

Überall auf der Welt gehen Ermittlungsbehörden Hinweisen auf Korruption und dunkle Geschäfte nach. Hochrangige Fußball-Funktionäre beginnen zu reden. Eine kleine Auswahl:

WM- Qualifikation 2008 Frankreich gegen Irland: Frankreichs Henry spielt mit der Hand (Foto: dpa)

WM- Qualifikation 2010 - Frankreich gegen Irland: Frankreichs Henry spielt mit der Hand

Millionen nach Handspiel

Der irische Fußball-Verband (FAI) hat nach Angaben seines Präsidenten John Delaney von der FIFA Geld erhalten, damit er nicht rechtlich gegen das umstrittene Aus in der WM-Qualifikation für 2010 vorgeht. Die Zahl von fünf Millionen Euro dementierte Delaney im irischen Rundfunk dabei nicht. Die Fußballmannschaft Irlands war im November 2009 im Playoff-Rückspiel in Frankreich mit 1:1 nach Verlängerung ausgeschieden. Dem Ausgleichstreffer in Paris war ein nicht geahndetes eindeutiges Handspiel des französischen Stürmers Thierry Henry vorausgegangen.

In Venezuela ließ die Staatsanwaltschaft den Hauptsitz des nationalen Fußballverbandes FVF durchsuchen. Die Aktion stand im Zusammenhang mit der Festnahme von FVF- Präsident Rafael Esquivel, der derzeit mit sechs weiteren FIFA-Funktionären wegen Korruptionsvorwürfen in der Schweiz in Auslieferungshaft sitzt. Die Konten des 68-jährigen wurden eingefroren.

Task Force in Südafrika

In Südafrika nahm eine auf Korruptionsbekämpfung spezialisierte Polizei-Einheit Ermittlungen auf, ob bei der Vergabe der Weltmeisterschaft an das Land im Jahr 2010 Schmiergeld gezahlt wurde.

Südafrikas Sportminister Fikile Mbalula hatte eingeräumt, dass zehn Millionen Dollar aus dem Topf für die WM direkt an den FIFA-Funktionär Jack Warner gezahlt worden seien.

Einen Bestechungsversuch bestritt er aber. Mit dem Geld sollte der Bau eines Fußballzentrums für Einwohner afrikanischer Abstammung in Warners Heimat Trinidad unterstützt werden, so Mbalula. Warner wird von den USA steckbrieflich gesucht. Er bestritt jede Verwicklung in Korruption und kündigte gleichzeitig umfassende Aussagen an.

US-Justiz hat Kronzeugen

Ein Gericht in New York veröffentlichte Aussagen des langjährigen FIFA-Top-Funktionärs Charles "Chuck" Blazer, der als "Kronzeuge" vor der US-Bundespolizei FBI ausgepackt hatte. Seine 2013 gemachten Aussagen betrachtete die US-Justiz als derart brisant, dass sie sie zunächst unter Verschluss hielt, um weitere Ermittlungen nicht zu gefährden. Noch bei der Veröffentlichung waren jetzt mehrere Passagen eingeschwärzt.

Ex-FIFA-Funktionär Blazer (Archivbild: dpa)

Ex-FIFA-Funktionär Blazer

Blazer räumte ein, dass er gemeinsam mit namentlich nicht genannten Mitgliedern des FIFA-Exekutivkomitees und einem Mitverschwörer - dem Vernehmen nach Jack Warner - Schmiergeld vom späteren WM-Gastgeber 2010 Südafrika erhalten habe. Auch vor der WM 1998, die letztlich nach Frankreich ging, gab es Bestechung im FIFA-Apparat. Blazer gab zu, vor der Vergabe eine Zahlung erhalten zu haben - sagte allerdings nicht von wem. Laut US-Behörden kam das Geld vom gescheiterten Bewerber Marokko.

Schily: 2006 war sauber

Die Vergabe der Weltmeisterschaft 2006 an Deutschland war nach den Worten des damaligen Bundesinnenministers Otto Schily (SPD) sauber. Der SPD-Politiker sagte der "Bild"-Zeitung: "Deutschland hat eine in jeder Hinsicht hervorragende Bewerbung ... abgeliefert." Die habe - mit Unterstützung der Bundesregierung - das Exekutivkomitee der FIFA beeindruckt und überzeugt.

Er - so Schily weiter - halte es für ausgeschlossen, "dass von den für die Bewerbung verantwortlichen DFB-Vertretern versucht worden sein sollte, die Mitglieder des Exekutivkomitees durch unlautere Mittel zu beeinflussen".

wl/uh (dpa, afp, rtrr, sid)