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Afrika

Bei den Massai in Tansania

Ein Leben in freier Natur und voller Abenteuer: Ein Traum, der für Angelika Wohlenberg wahr geworden ist. Die 54-Jährige lebt seit 26 Jahren als Krankenschwester, Hebamme und Missionarin bei den Massai in Tansania.

Massai (Foto:Brunnen Verlag Gießen:brunnen-verlag.de‎)

Von den Massai wird sie voll und ganz akzeptiert...

Schon mit acht Jahren verkündete die kleine Angelika, die in einem zehnköpfigen Pfarrershaus in Norddeutschland aufwuchs, dass sie später Missionarin werden wollte. Dabei war sie keineswegs ein "braves frommes" Mädchen. Statt mit Puppen zu spielen, balgte sie mit den Jungen auf der Straße oder kletterte in Baumwipfeln herum. Aufgrund ihrer Wildheit nannten sie alle nur Tarzan. Als Ausgleich zum für sie eher langweiligen Ausbildungsalltag zur Krankenschwester und Hebamme machte sie einen Motorrad- und Lkw-Führerschein. Keine schlechte Idee, denn die Stellenanzeige der Missionsgesellschaft, bei der sie sich 1983 bewarb, lautete: "Gesundheitsdienst auf Rädern durch die Massaisteppe in Tansania." Ein Arbeitsplatz ohne festen Wohnsitz, den seit zwei Jahren niemand besetzen wollte – für Angelika Wohlenberg war das der Einstieg in ihr neues Leben.

Fahrender Gesundheitsdienst in der Steppe

Massai und Angelika Wohlenberg (Foto:Brunnen Verlag Gießen:brunnen-verlag.de‎)

...und sobald sie mit ihrem Landrover auftaucht, kommen die Menschen von überall...

Die Wildheit des Landes, Dürre, Überschwemmungen, Löwen, Schlangen, Ungeziefer. Das alles erlebte sie hautnah, denn bevor sie 1990 erstmals in ein Haus in der Steppe zog, dienten ihr sieben Jahre lang nur ein Zelt und ein Geländewagen als Hauptwohnsitz.

Wenn sie mit ihrem Landrover auftaucht, dann rennen alle zusammen. Malaria, entzündete Augen, Trachom, eiternde Brandwunden, Durchfall, grauer und grüner Star, Haut- und Geschlechtskrankheiten: Das sind die häufigsten gesundheitlichen Probleme, mit denen sie zu tun hat. Für die Massai gehört Schwester Angelika, die zärtlich von ihnen "Mama Massai" oder auch aufgrund ihrer rasanten Fahrweise "Sister Haraka" genannt wird, was soviel heißt wie "die schnelle Schwester", inzwischen zum Leben dazu. "In der Kultur des Massai dreht sich alles um Rinder", sagt Angelika Wohlenberg und fügt hinzu: "Wenn man sich trifft, fragt man zunächst, wie es den Rindern geht." Erst dann erkundige man sich nach den Kindern, zu denen auch die Frauen zählten.

Im Kampf gegen die Genitalverstümmelung

Massai und Angelika Wohlenberg (Foto:Brunnen Verlag Gießen:brunnen-verlag.de‎)

...um sich von ihr behandeln zu lassen

Auf ihren Deutschlandreisen muss sie ihre Arbeit oft verteidigen. "Manche werfen Missionaren vor, sie würden in intakte Kulturen eindringen." Doch das, was sie in den 26 Jahren bei den Massai gesehen hat, sei alles andere als heil. "Dort, wo Massai Christen wurden, hat sich dagegen vieles zum Positiven verändert", betont sie. Die Frauen würden nicht mehr geschlagen werden, den Kindern werde der Schulbesuch nicht mehr verboten und junge Mädchen würden nicht mehr beschnitten und zwangsverheiratet werden.“

Massai und Angelika Wohlenberg (Foto:Brunnen Verlag Gießen:brunnen-verlag.de‎)

"Sister Haraka" möchte für immer in Tansania bleiben

Die Beschneidung der elf- bis 14-jährigen Mädchen ist bei den Massai Tradition. "In unzähligen Sitzungen unter den Bäumen der Steppe mache ich den Frauen und Männern klar, dass Gott sie so geschaffen hat, wie sie sind, und dass es deshalb nicht gut ist, einen Teil davon wegzunehmen." Viele Male schon wurde Angelika gerufen, wenn ein junges Mädchen am Verbluten war und schnell ins Krankenhaus gefahren werden musste. Der Glaube an die Kultur aber auch Ignoranz stünden den Massai oft im Weg, bedauert die Krankenschwester. Doch es gibt Hoffnung: „Manche Mädchen haben schon Scheinbeschneidungen vorgenommen und sich nur in den Oberschenkel geritzt.“

Doch Krankendienste und Aufklärungsarbeit waren Angelika nicht genug. Sie hat auch eine Grundschule, ein Internat und einen Kindergarten gegründet. Der 1997 von ihr in Leben gerufene Verein "Hilfe für die Massai" ermöglicht die Ausbildung der Schulkinder über Patenschaften. 2008 erhielt Angelika Wohlenberg für ihren Einsatz das Bundesverdienstkreuz am Bande. Für sie ist Tansania ihr Zuhause. "Ich kann mir vorstellen, dort alt zu werden. Ich will mich nicht pensionieren lassen, das ist langweilig."

Autorin: Bettina Hahne-Waldscheck

Redaktion: Michaela Paul

Über das Leben von Angelika Wohlenberg sind im Brunnen-Verlag zwei Bücher erschienen: "Mama Massai", und "Steppenkinder" von Hanna Schott.

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