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Deutschland

Beherzt handeln, ohne den Helden zu spielen

Wie viel Mut braucht Zivilcourage? Stellen Sie sich jemandem in den Weg, der andere bedroht? Es gibt einige Regeln, wie man eingreifen kann, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen.

Beobachter einer Schlägerei telefoniert. (Foto: dpa)

Was tun in brenzligen Situationen?

Dominik Brunner hat seinen Einsatz für Mitmenschen mit dem Leben bezahlt. Zwei junge Männer prügelten den Geschäftsmann an einem Münchner S-Bahnhof zu Tode, als dieser sich schützend vor vier angegriffene Schüler stellte. Das war im September vergangenen Jahres. Die mutmaßlichen Täter müssen sich seit dieser Woche vor Gericht verantworten.

Einer der Angeklagten im Mordfall Dominik Brunner vor Prozessbeginn im Landgericht in München. (Foto: dpa)

Einer der beiden Angeklagten (Mitte) beim Prozessauftakt im Mordfall Dominik Brunner

Der Fall wirft die Frage auf, wie gefährlich es eigentlich ist, beherzt einzugreifen, wenn andere Menschen bedroht werden. Etwas Orientierung will die Polizei mit sechs Grundregeln für Zivilcourage geben, allesamt nachzulesen auf der Internetseite „Aktion tu was“ (www.aktion-tu-was.de) der polizeilichen Kriminalprävention. Darüber hinaus bieten in Deutschland viele Polizeibehörden, aber auch Vereine und Volkshochschulen Kurse an, in denen umsichtiges Verhalten in brenzligen Situationen geübt werden kann.

Manchmal hilft schon ein lautes Wort

Grundregel Nummer eins der Zivilcourage lautet: "Ich helfe, ohne mich selbst in Gefahr zu bringen." Auch kleine Gesten könnten dazu beitragen, eine Straftat zu verhindern oder abzubremsen, heißt es auf der Internetseite der polizeilichen Kriminalprävention. Manchmal helfe schon ein lautes Wort, um den Täter einzuschüchtern und von seinem Vorhaben abzubringen.

Zweite Regel: "Ich fordere andere aktiv und direkt zur Mithilfe auf." Je konkreter, desto besser. Zum Beispiel: "Sie, die Dame mit dem Hut, rufen Sie bitte die Polizei." Wer ganz gezielt angesprochen werde, fühle sich eher verantwortlich, so der Ratschlag der Polizei. Wichtig sei außerdem, genau hinzusehen und sich die Situation einzuprägen, dem Opfer zu helfen und gegebenenfalls als Zeuge zur Verfügung zu stehen.

Brenzlige Situationen im Kopf durchspielen

"Jeder kann täglich Zeuge einer bedrohlichen Situation werden, bei der Menschen in der Öffentlichkeit angegriffen oder beleidigt werden", sagt Tom Waurig von Aktion Zivilcourage, einem Verein im sächsischen Pirna zur Förderung von Toleranz und Zivilcourage. Es sei nicht leicht, sich in einer gefährlichen Situation richtig zu verhalten. "Gar nichts zu tun, ist aber auf jeden Fall falsch."

Sein Verein empfehle, auf bedrohliche Situationen vorbereitet zu sein. "Wie würde ich reagieren, wenn zum Beispiel jemand in der U-Bahn angepöbelt wird? Es hilft, wenn man so etwas im Kopf schon einmal durchgespielt hat."

Den Täter siezen, dem Opfer helfen

Im entscheidenden Moment komme es darauf an, Aufmerksamkeit zu erzeugen und zum Beispiel mit fester Stimme und deutlichen Worten den Täter zu verunsichern. "Man sollte ihn aber immer siezen, damit andere nicht denken, man würde ihn kennen", so Tom Waurig von Aktion Zivilcourage. Waurig empfiehlt, den Täter niemals anzufassen, um ihn nicht unnötig zu provozieren und auch nicht seine Person zu kritisieren, sondern nur sein Verhalten.

"Außerdem sollte man Blickkontakt mit dem Opfer aufnehmen und zeigen, dass man bereit ist, zu helfen", so Tom Waurig vom Verein Aktion Zivilcourage. Es dürfe nicht darum gehen, den Helden zu spielen. "Man sollte sich nicht selbst in Gefahr bringen, sondern schnell Hilfe holen, vor allem natürlich die Polizei rufen."

Autoren: Michael Gessat/Monika Dittrich (mit dpa)

Redaktion: Hartmut Lüning

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