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Angriff auf Borussia Dortmund

Behörden prüfen islamistischen Hintergrund des Angriffs auf BVB-Bus

Nach dem Anschlag auf einen Mannschaftsbus des BVB prüfen die Sicherheitsbehörden einen islamistischen Hintergrund. Grund ist ein Schreiben in der Nähe des Tatorts. Die Bundesanwaltschaft ermittelt.

Polizisten sperren nahe dem Tatort die Zufahrt zu einem Hotel ab (picture-alliance/dpa/R. Vennenbernd)

Polizisten sperren nahe dem Tatort die Zufahrt zu einem Hotel ab

In dem mutmaßlichen Bekennerschreiben zum Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund gibt es Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund der Tat. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen wird in dem in deutscher Sprache verfassten, einseitigen Schreiben auf den Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt mit zwölf Toten vom Dezember und den Einsatz deutscher Tornado-Kampfflugzeuge in Syrien Bezug genommen. Zunächst hatten "Süddeutsche Zeitung" und die öffentlich-rechtlichen Sender NDR und WDR über die Details berichtet.

In Sicherheitskreisen wurde intensiv darauf hingewiesen, dass ein islamistischer Hintergrund des Anschlags weiterhin nicht geklärt sei. Es seien weitere Überprüfungen notwendig. Das Schreiben trage auch keine Symbole der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Es könne sich nach wie vor auch um gewaltbereite Fußballfans, Erpresser oder andere Täter handeln.

Dortmunds Trainer Thomas Tuchel (2.v.r.) am Abend des Angriffs (picture-alliance/dpa/I. Fassbender)

Dortmunds Trainer Thomas Tuchel (2.v.r.) am Abend des Angriffs

Das Schreiben beginnt nach den Informationen mit den Worten "Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen". Es werde behauptet, dass die deutschen Kampfflugzeuge daran beteiligt seien, Muslime im Kalifat des sogenannten Islamischen Staates zu ermorden. Weiter heiße es, ab sofort stünden Sportler und andere Prominente "in Deutschland und anderen Kreuzfahrer-Nationen" auf einer "Todesliste des Islamischen Staates", schreiben die Rechercheure von "Süddeutscher Zeitung", WDR und NDR. Auch nach dpa-Informationen soll die Drohung gegen Sportler, Schauspieler und andere Prominente so lange gelten, bis die deutschen Kampfflugzeuge aus dem Kriegsgebiet abgezogen und die US-Luftwaffenbasis im pfälzischen Ramstein geschlossen sei. Fußballfans werden angeblich nicht als Ziele erwähnt. Das Schreiben trägt demnach keine Unterschrift.

Ein zweites, angebliches Antifa-Bekennerschreiben, über das die Deutschen Presse-Agentur berichtet hatte, ist wohl eine Fälschung. "Wir halten das Schreiben für einen Nazifake", teilten die Betreiber des Internetportals Indymedia der dpa in Berlin mit. "Weder Inhalt noch Sprache deuten auf einen linken Hintergrund hin, deshalb haben wir es bereits sehr kurz nach der Veröffentlichung gelöscht." Aus Sicherheitskreisen hieß es, die Echtheit des angeblichen Antifa-Bekenntnisses werden geprüft.

Unter anderem wurde eine Scheibe des Busses beschädigt (picture-alliance/dpa/I. Fassbender)

Unter anderem wurde eine Scheibe des Busses beschädigt

Die Dortmunder Staatsanwältin Sandra Lücke hatte aus ermittlungstaktischen Gründen keine Angaben zum Inhalt des in der Nähe des Tatorts gefundenen Briefs gemacht. Das Schreiben werde untersucht und auf Echtheit geprüft, sagte Lücke. Es werde in alle Richtungen ermittelt. Die Polizei geht von einem gezielten Angriff auf den Bus der Dortmunder aus und sprach vom Verdacht auf ein versuchtes Tötungsdelikt. 

Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe übernahm derweil die Ermittlungen. Das teilte die oberste Ermittlungsbehörde mit und kündigte für 14.00 Uhr weitere Informationen an. Nach Informationen der Tageszeitung "Welt" wurde zudem das Bundeskriminalamt (BKA) mit den Ermittlungen beauftragt. Dieses habe eine Besondere Aufbauorganisation (BAO) in Berlin eingerichtet.

Die Dortmunder Polizei sucht derweil nach physischen Spuren. "Die Kollegen sind am Tatort", sagte ein Sprecher. Aber auch der Bus, den Beamte sichergestellt hätten, werde auf Spuren untersucht. Die Ermittlungen der Polizei liefen die Nacht durch. Wie viele Beamte im Einsatz sind, wollte der Sprecher nicht sagen. Ein weiterer verdächtiger Gegenstand, der in Tatortnähe gefunden worden sei, entpuppte sich laut Polizei bei genauerer Untersuchung als "Unrat".

Polizisten bei der Räumung des Stadions (Getty Images/L. Schulze)

Polizisten bei der Räumung des Stadions

Kurz vor dem Champions-League-Spiel gegen den AS Monaco waren am Dienstagabend gegen 19.15 Uhr drei Sprengsätze in der Nähe des Mannschaftsbusses des BVB explodiert, als dieser vom Hotel im Dortmunder Stadtteil Höchsten zum Stadion losfuhr. Neben BVB-Verteidiger Marc Bartra wurde ein Beamter verletzt. Der Polizist fuhr auf einem Motorrad vor dem Bus. Er erlitt ein Knalltrauma und einen Schock. Innenverteidiger Bartra zog sich bei den Explosionen unter anderem eine gebrochene Speiche im rechten Handgelenk zu. Der Spanier wurde noch am Abend operiert.

Die Polizei lobte das Verhalten der Zehntausenden Fußballfans nach der kurzfristigen Absage des Spiels. "Das ist gestern mit sehr viel Ruhe abgelaufen, und das hat uns natürlich als Polizei und sicherlich auch dem Verein sehr geholfen", sagte Nina Vogt, Sprecherin der Dortmunder Polizei, im deutschen Fernsehen. "Ich glaube, da können wir alle sagen, dass wir auf die Reaktionen gestern nur stolz sein können", betonte sie.

Das abgesagte Spiel soll am Mittwoch um 18.45 Uhr (MESZ) nachgeholt werden. Die Polizei will mit verstärkten Kräften für Sicherheit sorgen. "Wir werden heute natürlich mit starken Kräften hier vor Ort sein im Stadion, werden aber auch unser Möglichstes tun, um die Mannschaften zu schützen", sagte die Sprecherin Vogt weiter. "Wir stehen da mit beiden Vereinen und auch mit allen Sicherheitsbehörden in sehr engen Kontakt."

stu/se (afp, dpa,sid, rtr)

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