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Kultur

Befreiung in der Sahara

Für 17 der in Algerien vermissten Touristen ist die Tortur vorbei: Die Außenministerien in Berlin und Wien teilten am Mittwoch (14.5.03) mit, dass sechs deutsche und zehn österreichische Geiseln befreit wurden.

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Geiselnahme für die Hälfte der Touristen zu Ende

Aus deutschen Sicherheitskreisen verlautete zudem, dass ein Schwede auf freiem Fuß sei. Der Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin, Walter Lindner, sagte: "Es geht ihnen den Umständen entsprechend gut." Der deutsche Botschafter Hans Peter Schiff betreue die Geiseln in der algerischen Hauptstadt Algier. Insgesamt waren 32 europäische Touristen entführt worden, darunter 16 Deutsche. Lindner teilte weiter mit, Staatssekretär Jürgen Chrobog sei nach Algier gereist, um die deutschen Touristen abzuholen. Sie sollten noch am gleichen Tag nach Köln zurückgeflogen werden. Dabei wird auch der Sanitäts-Airbus der Flugbereitschaft der Luftwaffe eingesetzt.

Algerische Spezialkräfte haben nach Zeitungsinformationen die 17 Sahara-Touristen bereits am Dienstag (13.5.2003) aus der Gewalt von militanten Islamisten befreit. Nach einem Bericht von "El Watan" wurden bei der Aktion neun Entführer getötet. "El Watan" wie auch "Liberté" berichteten am Mittwoch von der Befreiungsaktion. Widersprüchlich sind die Angaben der Blätter darüber, wo die Touristen als Geiseln gefangen gehalten wurden. Nach einem Radio-Bericht, in dem ein Sprecher der Armee zitiert wurde, sollen die Touristen in der Hand der radikalen Salafisten-Organisation für Gebet und Kampf (GSPC) gewesen sein. Die GSPC wird verdächtigt, Beziehungen zur El Kaida-Organisation des Extremisten Osama bin Laden zu haben. Algerien hatte Tausende Soldaten sowie Suchflugzeuge in die
Sahara geschickt, um die Verschwundenen zu suchen.

Österreich und Schweiz

Auch Österreichs Außenministerin Benita Ferrero-Waldner hat bestätigt, dass alle zehn in der algerischen Sahara vermissten Österreicher frei sind und in ihre Heimat zurückkehren können. Sie seien noch in der Nacht in ein algerisches Krankenhaus gebracht worden. Die befreiten Österreicher seien "zwar sehr erschöpft, aber wohlbehalten", hieß es in einer Erklärung des Wiener Außenamtes.

Die Schweiz hat keine Erkenntnisse über die Freilassung ihrer vier Staatsangehörigen, die in der Sahara vermisst werden. "Wir können nicht bestätigen, dass sie sich unter den Freigelassenen befinden", sagte der Sprecher des Außenministeriums.

Keine weiteren Einzelheiten

Bundesinnenminister Otto Schily sagte, es bestehe "die Hoffnung, dass auch die anderen bald frei sind". Schily hatte nach eigenen Angaben am Dienstag (12.5.2003) mit dem algerischen Innenminister telefoniert. Lindner sagte, die Bundesregierung könne zu weiteren Einzelheiten der Befreiung aus Rücksicht auf das Schicksal der noch Vermissten nichts sagen. Mit ihrer schnellen Freilassung wird in Sicherheitskreisen nicht gerechnet.

Das Schicksal der Sahara-Urlauber in Algerien hat Politiker, Diplomaten und Angehörige in einen wochenlangen Nervenkrieg gestürzt. Zuletzt hatte Außenminister Joschka Fischer in Algier mit der algerischen Staatsführung über das Geiseldrama gesprochen. Fischer war dabei mit Staatspräsident Abdelasis Bouteflika und Außenminister Abdelasis Belkhadem zusammengetroffen. Insgesamt waren zwischen Ende Februar und Anfang April 32 Touristen entführt worden, unter ihnen 16 Deutsche, 10 Österreicher, 4 Schweizer, 1 Niederländer und 1 Schwede. (fro)

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