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Afrika

Befreiung deutscher Geisel in Nigeria gescheitert

Ein Versuch der Polizei, den in Nordnigeria entführten Deutschen zu befreien, ist gescheitert. Unbekannte entrissen den Ausbilder aus den Händen seiner Befreier. Die Spur führt zur islamistischen Sekte Boko Haram.

Am frühen Abend der Entführung des Deutschen am Mittwoch (16.07.2014) war es offenbar Sicherheitskräften und Milizen kurzzeitig gelungen, ihn zu befreien. Die Sicherheitskräfte seien mit dem Deutschen auf dem Rückweg in die nordnigerianische Stadt Gombi gewesen, sagte ein Augenzeuge gegenüber der DW, dessen Dorf die Gruppe passiert habe.

Doch dann habe sich das Blatt gewendet. "Die Angreifer bekamen Verstärkung, überwältigten die Befreier und nahmen den Weißen erneut in ihre Gewalt", sagte der Augenzeuge. Danach seien sie in Richtung des nahegelegenen Bundesstaats Borno verschwunden. Anwohner der dortigen Region Askira berichteten, den Deutschen und seine Entführer später gesehen zu haben. "Sie feuerten Schüsse ab und befahlen Passanten, nicht wezurennen", berichtete ein weiterer Augenzeuge. Später hätten sie das Dorf in Richtung des Sambisa-Waldes verlassen.

Der deutsche Ausbilder leitet eine Berufsschule in der Stadt Gombi im nordnigerianischen Bundesstaat Adamawa. Vier Unbekannte hatten ihm am Mittwochmorgen vor seinem Haus aufgelauert und ihn mit Motorrädern verschleppt.

Verdacht fällt auf Islamisten

Über die Identität der Entführer ist bisher nichts bekannt. Die Route der Entführer könnte jedoch ein Hinweis darauf sein, dass es sich um Kämpfer der islamistischen Boko-Haram-Miliz handelt, vermuten Beobachter.

Boko Haram hat seine Machtbasis im Bundesstaat Borno.

Noch am Mittwoch hätten mutmaßliche Kämpfer der Miliz ein Dorf in der Askira-Region überfallen, berichteten Anwohner der DW. Gombi, der Ort, an dem der deutsche Schulleiter entführt wurde, ist nur wenige Kilometer von Chibok in Borno entfernt. Von dort verschleppte die Terrorgruppe im April fast 300 Schülerinnen.

Nigerianische Polizisten in Abuja Foto: REUTERS/Afolabi Sotunde

Die Polizei ermittelt in dem Entführungsfall

"Entführungen waren vorher in Adamawa noch nie ein Problem", meint Muntaqa Ahiwa. Der Journalist berichtete bis vor wenigen Wochen für das Haussa-Programm der DW aus Adamawa. Mittlerweile arbeitet er im Bonner Funkhaus. In Nigeria gebe es auch noch andere Hinweise auf mögliche Hintergründe der Entführung: Erst am Dienstag (15.07.2014) wurde der Gouverneur Adamawas Murtala Nyako wegen Korruptionsvorwürfen abgesetzt, der als deutschlandfreundlich gilt. Er war vor einigen Monaten von der Regierungspartei PDP zur Oppositionspartei APC gewechselt. Manche Nigerianer würden daher politische Ränkespiele hinter der Tat vermuten, sagt Ahiwa.

Zwei Verfolger getötet

Der deutsche Lehrer arbeitet für das "Technical Training Center" (TTC), eine Ausbildungsinitiative der Regierung des Bundesstaates Adamawa gegen die massive Jugendarbeitslosigkeit. Mit deren Hilfe werden jährlich hunderte Jugendliche an mehreren Schulen im Bundesstaat in handwerklichen Berufen ausgebildet, beispielsweise als Tischler und Automechaniker. Die Ausbildungszentren bezahlen ihre Schüler sogar bei regelmäßiger Anwesenheit, eine absolute Ausnahme in dieser Region. Tausende Bewerber gibt es deshalb jedes Jahr für die Ausbildungsplätze. Mehrere deutsche Lehrer wurden als Schulleiter engagiert.

Archiv: Video von Abubakar Shekau vom 05.05.2014 (Foto: AP)

Hinweise führen zur Sekte Boko Haram

Nach der erneuten Entführung wollten Mitglieder einer Bürgerwehr offenbar wieder die Verfolgung aufnehmen. Dies habe ihnen die Polizei verwehrt, die sich selbst um die Angelegenheit kümmern wolle, berichtete der DW-Korrespondent am Donnerstagmorgen. Die Bürgerwehr hatte die Angreifer schon unmittelbar nach der ersten Entführung am Mittwochmorgen verfolgt. Zwei der Verfolger waren daraufhin getötet worden. Die anderen seien mit den beiden Leichen zurückgekehrt, erklärte der DW-Korrespondent.

Eine Sprecherin des Auswärtige Amts in Berlin sagte gegenüber der Deutschen Welle, die Entführung sei ihnen bekannt. Wie auch bei anderen Entführungen könne die Behörde allerdings keine weiteren Informationen veröffentlichen.

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