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Wirtschaft

Befürchtetes Flug-Chaos fiel aus

Flugreisende können aufatmen, jedenfalls vorerst: Nach einem juristischen Tauziehen sagten die Fluglotsen in Deutschland ihren eigentlich für diesen Donnerstag geplanten Streik ab.

Radarschirm (Foto: AP)

Arbeitsinstrument: Radar-Bildschirm eines Fluglotsen

Die Streikankündigung der deutschen Fluglotsen hatte weltweit Fluggesellschaften und Flughäfen alarmiert. Während die Airlines an Ersatzflugplänen für die angedrohten sechs Streikstunden feilten, organisierten die Flughäfen zusätzliches Personal und Versorgungsmaterial für gestrandete Passagiere. Am späten Mittwochabend dann die vorläufige Entwarnung: Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) teilte mit, sie werde an diesem Donnerstag (04.08.2011) nicht streiken.

"Letztlich egal"

Michael Schäfer (Foto: dapd)

Streik aufgeschoben, nicht aufgehoben: Michael Schäfer

Der GdF-Vorsitzende Michael Schäfer begründete die Entscheidung mit Rücksichtnahme auf Passagiere und Airlines sowie mit der Sicherheit im Flugverkehr. Da eine Entscheidung des Hessischen Landesarbeitsgerichts über den Streik erst in der Nacht zum Donnerstag zu erwarten gewesen sei, hätte das jede Planung unmöglich gemacht.

Streiks auf deutschen Flughäfen sind damit aber längst nicht vom Tisch, die Gewerkschafter denken bereits über neue Termine nach. Für diese Woche rechne er allerdings nicht mehr mit einem neuen Streikbeschluss, sagte Tarifvorstand Markus Siebers. Gewerkschaftschef Schäfer ergänzte, letztlich sei es egal, ob erst in einigen Tagen gestreikt werde.

Hin und her

Flugzeuge auf dem Frankfurter Flughafen (Foto: AP)

Müssen (noch) nicht am Boden bleiben: Flugzeuge auf dem Frankfurter Flughafen

Der Streik-Absage vorausgegangen war eine Entscheidung des Arbeitsgerichts Frankfurt/Main in erster Instanz, das einen Ausstand zunächst wegen eines formellen Fehlers in den Streikforderungen untersagt hatte. Doch die Gewerkschaft legte Berufung ein - vor dem Landesarbeitsgericht. Die dortige Verhandlung am Mittwochabend ging schließlich ohne eine Entscheidung zu Ende, weil die bundeseigene Deutsche Flugsicherung (DFS) nach der Streik-Absage ihren Antrag auf einstweilige Verfügung zurücknahm.

Flughäfen und Airlines äußerten sich erleichtert. Die europäische Flugaufsicht Europol hatte für den Fall eines Streiks mit erheblichen Störungen des Flugverkehrs gerechnet. Der Sprecher der größten deutschen Fluggesellschaft Lufthansa, Wolfgang Weber, sagte: "Wir sind vor allen Dingen froh für unsere Fluggäste." Die vorübergehende Verunsicherung der Kunden bedauere sein Unternehmen. An diesem Donnerstag werde der ganz normale Flugplan gelten. Der Verkehr auf dem Frankfurter Flughafen lief nach Angaben eines Sprechers der Betreiberfirma Fraport am Morgen reibungslos an.

"Immenser Schaden"

Kontrollraum der Deutschen Flugsicherung (Foto: dapd)

Blick hinter die Kulissen: DFS-Kontrollraum in Langen

DFS-Personalchef Jens Bergmann übte scharfe Kritik an der Gewerkschaft: Sie habe mit ihrer späten Absage bereits immensen wirtschaftlichen Schaden angerichtet. Zugleich forderte er die GdF zu weiteren Verhandlungen auf. Die Gewerkschaft will für die insgesamt rund 5500 DFS-Beschäftigten 6,5 Prozent mehr Geld durchsetzen. Die Deutsche Flugsicherung bot zuletzt von August an lediglich 3,2 Prozent. In dem Tarifkonflikt geht es aber nicht nur um die Vergütung - die GdF fordert auch bessere Arbeitsbedingungen und mehr Mitsprache für die Fluglotsen.

Autor: Christian Walz (dpa, dapd)
Redaktion: Gerd Winkelmann