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Beethovenfest

Beethovenfestival 2004: Eröffnungsbericht

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Plakat Beethovenfest Bonn 2004 Bohemia 17.09. -10.10. 2004

Am Freitagabend, dem 19. September wurde das Beethovenfest Bonn 2004 in der Bonner Beethovenhalle eröffnet. Das Programm war dem diesjährigen Motto „Bohemia“ verpflichtet. In 56 Konzerten und musiktheatralischen Aufführungen will es den Verbindungslinien zwischen Ludwig van Beethoven und dem böhmisch-mährischen Kulturraum nachgehen. Bis zum 10. Oktober finden die Veranstaltungen in 21 Spielstätten in Bonn und der umgebenden Region statt. Dazu gibt es ein Rahmenprogramm des Festivals mit über fünfzig Veranstaltungen von Ausstellungen über Lesungen bis zu Filmvorführungen. Als Medienpartner und Hauptsonsor macht die Deutsche Welle das Festival zu einem weltweiten Ereignis. In diesem Jahr hat das Beethovenfest eine neue künstlerische Leiterin, Ilona Schmiel. Rick Fulker vom Eröffnungswochenende, das neben einem Volksfest in Bonn auch ein besonderes Konzert bot.

Ein klarer, dunkeler Klang strömt von der Bühne und verfliegt schnell in der trockenen Akustik der Beethovenhalle wieder. Jonathan Nott treibt seine Bamberger Symphoniker energisch voran. Mit extravaganter Gestik und fit wie ein Athlet, verbraucht der 41jährige, äußerst charismatische Chefdirigent dieses Orchesters dabei viele Kalorien. Auch seine Mimik liefert ein Erklärstück zu der „absoluten“ Musik von Ludwig van Beethovens Achter Sinfonie. Nott scheint dem Orchester Geschichten zu erzählen, bewegt seine Lippen, als wären die Noten gesungene Worte. Die Musiker antworten mit erdigen, bodenstämmigen Tönen. Wenig subtil, sondern ruppig, burschikos und ungestüm. Passend zu Beethovens Achter, die so manchen derben Witz enthält.

Beethoven und Böhmen ist das Thema des sechsten Beethovenfestes neuer Zeitrechnung und mit tatkräftiger finanzieller Unterstützung der Stadt Bonn. Zu deren Fortsetzung bekannte sich Bärbel Dieckmann, Oberbürgermeisterin der Stadt, in ihrer Ansprache vor dem Konzerbeginn ausdrücklich. Über die Beziehung zwischen dem Komponisten und jener osteuropäischen Gegend hinaus dokumentierte das Eröffnungskonzert mit Werken von Beethoven, Janáček und Ligeti die nachhaltige Wirkung der Osteuropäer auf die abendländische Musikkultur. Die heutige Musikpflege sei nichts Museales, sondern ein europäisches Zukunftsmodell, stellte Fürst Karl zu Schwarzenberg in seiner Ansprache fest:

O-Ton Fürst Karl zu Schwarzenberg:
Diese Unbefangenheit, dieser unmittelbare Zugang zu der Kultur, zum Musizieren, fröhlichen Miteinandersein bei Musik,... das alles ist das, was heute mit diesem alten Bohemia, nunmehr Tschechischen Republik genannt, in das heutige Europa eingebracht wird.

Für das Festival-Motto „Beethoven und Böhmen“ waren die Bamberger Symphoniker geeignete Vermittler, denn das Orchester wurde 1946 von ehemaligen Mitgliedern der Deutschen Philharmonie in Prag und von Musikern aus Karlsbad und Schlesien gegründet. Ein Exil-Orchester ist es zwar nicht mehr. Dennoch hat der Klang in der heutigen Landschaft, in der die Klangkörper sich immer mehr angleichen, immer noch etwas Eigenes. Unerhört brillant geriet Leoš Janáčeks „Sinfonietta.“ Das 1926 komponierte Werk, das die Unabhängigkeit der tschechischen Nation stolz feiert, verlangt nach robustem Blech und beseeltem Instrumentalgesang – und genau das bekam es auch. Vom zeitgenössischen ungarischen Komponisten György Ligeti erklang dann ein Frühwerk, das eindeutig in der Tradition Bartóks steht, das Concert Românesc. Die erstaunliche Entwicklung dieses wichtigen Komponisten wurde im Kontrast dazu in seinem 1974 entstandener San Francisco Polyphony deutlich. Klangatmosphären und musikalische Entwicklung durch Klangfarben-Wechsel, unterbrochen durch explosionsartige Ausbrüche, sind Wahrzeichen dieses Stücks. Insgesamt war es eine thematisch schlüssige und vielversprechende Eröffnung des diesjährigen Beethovenfestes. Weitere Höhepunkte werden Konzerte mit den Pianisten Gerhard Oppitz und Murray Perahia sein. Ferner wird das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin unter Kent Nagano und der Tschechischen Philharmonie unter Sir John Eliot Gardiner in Bonn auftreten. Und mit dem Namen der Deutschen Welle verbunden ist der diesjährige Orchestercampus China, zu dem das Orchester des Zentralen Musikkonservatoriums aus Peking eingeladen wurde. Solist ist der junge Pianlstar Yundi Li.


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