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Musik

Beethovenfest 2017 schaut auf "Die ferne Geliebte"

Ein Liederzyklus und eine geheimnisvolle unnahbare Geliebte führten zu einer Explosion der Produktivität in Ludwig van Beethovens später Schaffenszeit. Genau das wird auch das nach ihm benannte Festival zeigen.

54 Konzerte an 22 Spielstätten, 2000 Künstler, ein Gesamtetat in Höhe von 4,5 Millionen Euro und 31.000 verfügbare Eintrittskarten - einige weniger als in den vergangenen Jahren. Soweit die relevanten Zahlen des diesjährigen Beethovenfestes in Bonn. Eröffnet wird es am 8. September. Mit dem Abschlusskonzert am 1. Oktober dauert es dann drei anstatt der bisherigen vier Wochen. Fakten, Zahlen und Inhalte dieses Klassik-Musikfestivals wurden am Freitag im Bonner "World Conference Center" (WCCB) bekannt gegeben.

Intendantin Nike Wagner nannte diesen Ort "de facto unser neues Festspielhaus" - eine Anspielung auf jahrelange, erfolglose Bemühungen, ein neues Konzerthaus in der Geburtsstadt Ludwig van Beethovens zu errichten. Als Konzertstätte ist das WCCB eine Zwischenlösung in diesem und kommendem Jahr - zumindest solange, bis die in die Jahre gekommene Beethovenhalle saniert sein wird. Christina Esser, Leiterin des Veranstaltungsmanagements des WCCB, berichtet, wie nervös man vor dem ersten Konzert dort gewesen sei. Letztlich sei es jedoch voll zufriedenstellend gewesen.

Jenseits aller Zahlen und Logistik hat das Festival diesmal ein Motto, das nur auf den ersten Blick auf leisen Füßen daherkommt, beobachtete der Bonner Kulturdezernat Martin Schumacher. "Wenn Liebe Berge bewegen kann", sagte Schumacher, dann sei "Die ferne Geliebte" sogar ein mächtigeres Thema als die Mottos der beiden vergangenen Jahre, "Veränderungen" und "Revolutionen".  

Josephine Brunsvik (gemeinfrei)

War vielleicht Josephine Brunsvik Beethovens "unsterbliche Geliebte"?

Nach der Krise kam der Blick nach innen

Historischer Ausgangspunkt des diesjährigen Festivalmottos sind die Jahre 1814-1816, eine Zeit der Krise im Leben Ludwig van Beethovens. Nach den großen, erfolgreichen Werken seiner mittleren Schaffenszeit wandte sich der zu der Zeit fast vollständig taube und zunehmend einsame Komponist nach innen. Ein Ergebnis dieser Neuorientierung war der erste Liederzyklus der Musikgeschichte. Für Beethoven-Biographen markiert "An die ferne Geliebte" daher auch den Auftakt seiner späten Schaffensperiode, einer Zeit voller radikal kompromissloser, auch revolutionärer Werke.

Sowohl die "ferne Geliebte" als auch die "unsterbliche Geliebte" - jene geheimnisumwobene Adressatin eines leidenschaftlichen Liebesbriefes, den Beethoven ein paar Jahre zuvor geschrieben hatte - sind unmittelbar mit der Biographie dieses Komponisten verbunden. "Gott sei Dank wissen wir nicht, wer sie war", sagte Nike Wagner. Die unbekannte Figur habe über die Jahre hinweg unendlich viel Spekulation verursacht und Kunstwerke inspiriert. 

Jene Spätphase im Schaffen van Beethovens sowie die Lieder verschiedener anderer Komponisten stehen im Fokus des nächsten Beethovenfestes. Auf dem Programm: Liederzyklen und Kunstlieder in verschiedenen Instrumentalbesetzungen, aber auch ein "Tag des Liedes", der vom deutschen Pianisten und Musikwissenschaftler Siegfried Mauser moderiert wird. An einem "Streichquartett-Wochenende" können Besucher sogar sämtliche Streichquartette aus Beethovens später Schaffenszeit hören.

"Innenräume der Zuschauer schützen"

Da Kammermusik ein intimeres, intensiveres und gleichzeitig herausforderndes Hörerlebnis ist, gleicht das Beethovenfest das Angebot mit neun Orchesterkonzerten aus: Sechs davon werden von gewöhnlichen Orchestern, drei von Originalklang-Ensembles bestritten. Auch hier sind Beethovens Spätwerk und das Kunstlied Leitmotive.

Rolf Rische und Nike Wagner (Beethovenfest / Barbara Frommann)

DW-Kulturchef Rische und Beethovenfest-Intendantin Wagner: "Eine weltweit bekannte Marke"

Große Namen in der Orchesterlandschaft, wie das Orchester des Mariinsky-Theaters St. Petersburg, dirigiert von Valery Gergiev, die Bamberger Sinfoniker mit Jakub Hrůša als Dirigenten und das BBC Symphony Orchestra, dirigiert von Sakari Oramo, haben ihre Konzerte mit Werken rund um die Themen Liebe und Sehnsucht versehen.

Das Thema spreche den "Innenraum" von Konzertbesuchern an, so Nike Wagner, einen Raum, der "in der heutigen lärmenden Zeit nicht verloren gehen und geschützt werden" solle.

DW-Kulturchef Rolf Rische, der bei der Veranstaltung im WCCB auch die Programmaktivitäten der Deutschen Welle im Fernsehen, Radio und Internet rund um das Beethovenfest benannte, sagte: "Beethoven ist eine weltweit bekannte, funktionierende Marke", mit der "etliche hunderttausend Nutzer" regelmäßig erreicht werden.

Der Kartenvorverkauf für das Beethovenfest in Bonn beginnt am 27. März.

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