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Politik

Beethoven und die Pipi-Schlacht

Die Schlacht bei Minden von 1759 ist nicht gerade ein Highlight im Geschichtsbewusstsein. Im Deutschen Bundestag sorgte das historische Intermezzo des siebenjährigen Krieges jetzt trotzdem für amüsante Unterhaltung.

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Monika Dittrich Fernschreiber

"Kanzleretat“ stand trocken auf der Tagesordnung des Parlaments. Rein formal geht es dabei um das Budget des Bundeskanzleramtes. Doch traditionell ist das die Stunde der Oppositionspolitiker: In der Generaldebatte dürfen sie sich so richtig aufpumpen und über die Regierung herziehen. FDP-Chef Guido Westerwelle rechnet den Koalitionsfraktionen dann am liebsten vor, wo sie überall Geld verplempern. Nachdem er mit den großen Brocken durch war, nimmt er sich noch mal den westfälischen CDU-Abgeordneten Steffen Kampeter vor. Der kommt aus Minden und hatte dem Haushaltsausschuss zuvor 350.000 Euro "Gedenkfördermittel“ abgerungen. Mit diesem Geld darf das Städtchen Minden demnächst ausgelassen das 250. Jubiläum der Schlacht feiern. Hundert Mal mehr für Beethoven "Ein Treppenwitz!“, plustert Westerwelle sich auf. Kein Mensch habe je etwas von dieser Schlacht gehört. "Da mögen Sie zuhause für gefeiert werden“, schnaubt er in Kampeters Richtung, "Geldverschwendung bleibt es trotzdem.“ Der Westfale Kampeter will das natürlich nicht auf sich sitzen lassen und schlägt mit den gleichen Waffen zurück. Was denn mit dem Beethoven-Festspielhaus in Bonn sei, ruft er dazwischen. Westerwelle hat seinen Wahlkreis in Bonn; und er hatte sich persönlich dafür stark gemacht, dass der Bund dieses Projekt mit 39 Millionen Euro unterstützt. Darauf Westerwelle: "Wenn Sie den Unterschied zwischen Ludwig van Beethoven und ihrer Pipi-Schlacht in Minden nicht kennen, dann gehen Sie bitte noch mal auf die Schule, Herr Kollege!“ Gelächter im Saal, Triumph-Gesicht bei Westerwelle. Und leider kein kompetenter Historiker zur Stelle, der dem Parlament eine Nachhilfestunde hätte geben können. Kleine Schlacht mit großen Folgen Ob Westerwelle wohl weiß, dass in Großbritannien manche Regimenter bis heute den "Minden-Day“ feiern? Immerhin hatten es die Briten damals gemeinsam mit Hannover und Preußen geschafft, einen strategisch wichtigen Sieg über Frankreich und das Kurfürstentum Sachsen zu erringen. Damit waren die französischen Truppen aus dem Hannoveraner Raum vertrieben und Großbritannien hatte in Europa das erwünschte Kräftegleichgewicht erreicht. Und weil die Briten im gleichen Jahr die Franzosen auch in Kanada besiegten, ging das Jahr 1759 sogar als "Glorious Year“ in die britische Militärgeschichte ein. Also: Kleine "Pipi-Schlacht“ mit großen Folgen.

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