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Beethovenfest

Beethoven in Stein und Bronze

Weit über 100 Beethoven-Denkmäler gibt es weltweit, jedes Jahr kommen neue hinzu. In den meisten spiegelt sich allerdings eher der jeweilige Zeitgeist als Beethovens Genie wider.

Anderthalb Jahrzehnte nach Beethovens Tod gab es immer noch kein würdiges Denkmal des Komponisten – für Franz Liszt eine Schande. So beendete er mit einer großzügigen Spende das Tauziehen um die Finanzierung des Denkmals und ermöglichte 1845 der Stadt Bonn im Wettbewerb mit Wien einen zeitlichen Vorsprung. Dort wurde das Beethoven-Monument erst 1880 eingeweiht.

Mit dem Rücken zur Obrigkeit

Beethoven Denkmal in Bonn (Copyright@beethovenfest Bonn)

Lebendmaske des Komponisten

Am 12. August 1845 wurde auf dem Münsterplatz in Bonn, nur wenige hundert Meter vom Geburtshaus des Komponisten entfernt, das erste Beethoven-Monument weltweit enthüllt. Ein dreitägiger Konzertmarathon begleitete das Event und ging als erstes Beethovenfest in die Geschichte ein. Seitdem geistert auch die Anekdote herum, Beethoven hätte posthum für einen Eklat gesorgt: stand doch sein gerade enthülltes Monument plötzlich mit dem Rücken zum Balkon, von dem aus Friedrich Wilhelm IV. und die britische Königin Victoria die Zeremonie verfolgten.

"Allein die Tatsache, dass es als Anekdote so Fuß fassen konnte, zeigt, dass da eben was dran ist", meinte die Bonner Kunsthistorikerin Silke Bettermann im Gespräche mit der DW. Bettermann ist Autorin des Buches "Beethoven im Bild". "Man hat ja dem preußischen König buchstäblich abgerungen, dass man einen bürgerlichen Komponisten auf einem öffentlichen Platz mit einem Denkmal ehren durfte. Das war schon was ganz Besonderes." Zumal Beethoven für seine ruppigen Manieren gegenüber der Obrigkeit berühmt war.

Für immer grimmig

Das Beethoven-Denkmal in Bonn

Das älteste Beethoven-Denkmal der Welt steht in Bonn

Ein Trendsetter war das Monument von Ernst Hähnel nicht: Die Figur in leichter Schrittstellung, stilisierte bürgerliche Kleidung, allegorische Reliefs auf dem hohen Sockel: Alles entsprach dem damals üblichen Denkmalentwurf. Nur das Gesicht, von Hähnel nach der Lebendmaske des Komponisten modelliert, fiel aus dem Rahmen; keine Darstellung prägte das Bild Beethovens so nachhaltig wie diese. Von nun an meinte man, das Musikgenie an seinem grimmigen Gesichtsausdruck, zusammengepressten Lippen, zusammengezogenen Augenbrauen, wild zerzaustem Haupthaar und einem markanten Grübchen am Kinn immer und überall zu erkennen.

Mensch, Gott, Geist

Eine Beethovenbüste von Rodin-Schüler Naoum Aronson (Foto: alliance/Bildagentur-online)

Eine Beethovenbüste von Rodin-Schüler Naoum Aronson

Der sogenannte "Bonner Denkmaltypus" wurde immer wieder nachgeahmt und ist heute mit leichten Abweichungen wohl auf allen Kontinenten zu finden - zum Beispiel in der Kongressbibliothek in Washington oder im Petersburger Konservatorium. Besonders in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es einen echten Beethoven-Boom. Denkmäler ihm zu Ehren entstanden nicht nur im deutschsprachigen Raum; auch in Frankreich, Belgien, Italien, Frankreich und in Nord- und Südamerika wurde der Freigeist und Prophet der Ideen der Französischen Revolution in Stein und Bronze verewigt.

Dabei steigert sich die Beethoven-Verehrung sozusagen von Denkmal zu Denkmal: "Hatte man erst einen herausragenden Bürger, einen Menschen gewürdigt, so wurde Beethoven im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts immer mehr zum Gott", kommentierte Silke Bettermann. Auf dem Caspar Zumbusch-Monument in Wien ähnelt der mittlerweile sitzende Komponist dem Moses von Michelangelo. Und der Bildhauer Max Klinger zeigte den Komponisten gar als Zeus, in der Gesellschaft eines Adlers im Himmel thronend.

Das Beethoven-Denkmal von Max Klinger (Foto: Peter Endig dpa/lsn)

Ein Spötter verfasste zum Klinger-Denkmal folgendes Vers: "Sehr drückend scheint, Beethoven, Deine Stimmung / Der Schweiß entquillt und Deine Wangen glüh'n: / Ach, wir begreifen, Meister, die Ergrimmung / Groß ist die Qual, vergeblich Dein Bemüh'n!"

Allerdings setzte in Paris eine Gegenströmung ein: "Da sagt man, Beethoven ist in der ersten Linie ein Geist, der um die Musik ringt," erzählte Silke Bettermann. Vor allem Rodin und seine Schüler Emile-Antoine Bourdelle und Naoum Aronson trieben eine charakteristische Stilentwicklung voran, die ins Abstrakte abdriftete.

Beethoven zeitgenössisch

Über 100 Beethoven-Monumente zählen die Fachleute weltweit. Nur ungefähr die Hälfte davon ist auf dem europäischen Kontinent zu finden. Neue Denkmäler entstanden in den letzten Jahrzehnten vor allem in Japan, China und Südostasien, aber auch in Lateinamerika.

Beethovendenkmal Bonn (WilliK - Fotolia 2009)

"Beethon" mal ganz in Beton

"Während die asiatischen Denkmäler eine gewissen Naivität nicht scheuen und unvoreingenommen eine eigene stilisierte und ruhigere Formsprache mit einem europäischen Portrait verbinden", so Silke Bettermann, "hadert das alte Europa mit dem neuen Beethoven-Bild." Abgesehen von der 1986 in Beton gegossenen Beethovenbüste "Beethon" des Düsseldorfer Bildhauers Klaus Kammerich entstand in den letzten Jahrzehnten in Deutschland keine bedeutende visuelle Darstellung des Komponisten mehr.

Dabei sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt, wie ein Denkmal des Komponisten im 21. Jahrhundert aussehen könnte. So träumt die Musikwissenschaftlerin Bettermann von einem begehbaren Objekt, in dem man Klänge, Farben und Formen erleben könne. "Also es wäre mehr als eine Plastik, die irgendwo steht", sagte sie. Stattdessen schwebt ihr eine multimediale Einladung vor, sich mit Beethovens Musik, seiner Botschaft und seiner Modernität zu beschäftigen.