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Kultur

Bedrohungen von Journalisten verzerren Pressearbeit im Irak

Irakische Journalisten sind oft Augenzeugen von Gewaltszenen - oder auch deren Opfer. Laut Reporter ohne Grenzen war der Irak auch 2006 das gefährlichste Land für Journalisten: 64 Personen wurden dort getötet.

Zwei Journalisten in Nadschaf heben die Arme als Zeichen ihrer Aufgabe

Zwei Journalisten in Nadschaf kapitulieren vor der Waffengewalt

Straßensperren und bewaffnete Milizen bestimmen das Bild im Leben der irakischen Bevölkerung, besonders in Bagdad. Im Alltag erleben die Menschen dies als notwendige Schutzmaßnahme. Denn wer sich nicht schützen kann, lebt gefährlicht. So auch irakische Journalisten, die auf ihrem Weg zur Arbeit tagtäglich Straßensperren und große Zementblöcke vor dem Eingang ihrer Arbeitsstätten in Kauf nehmen müssen.

Mit Eskorte zur Arbeit

Die politischen und militärischen Wirren im Irak spiegelten sich in den irakischen Medien in verschiedenen Formen wider, erläutert Zuhair Al Jazairi. Er ist Direktor der meistbesuchten irakischen Nachrichten-Internetseite "Aswat Al Irak" ("Stimmen Iraks"). "Zunächst einmal beschränkt die Situation die Arbeit von unabhängigen Medien, besonders solcher Redaktionen, die sich nicht durch eigene Milizen oder Straßensperren wehren können." Wenn sie keine Unterstützung aus dem Ausland erhielten, könnten sie finanziell nicht überleben, meint Al Jazairi.

Die großen Medienhäuser fahren ihre Mitarbeiter mit geschützten Bussen zur Arbeit und wieder nach Hause. Das können sich kleine, unabhängige Medieninstitutionen nicht leisten. Nach Al Jazairis Einschätzung leidet die Pressefreiheit unter den Sicherheitsmängeln sowie unter den kriegerischen und chaotischen Zuständen im Land. "Es ist sehr schwer, Themen objektiv und realistisch aufzugreifen", sagt er. "Die alte Journalistensprache ist zurückgekehrt - man redet um den heißen Brei herum, die Dinge werden nicht beim Namen genannt."

Gefiltert, kommentiert, manipuliert

Zwar redet die ganze Welt über den Irak und seine Sicherheitslage, irakische Medien vermitteln aber selten verlässliche Informationen. Nachrichten über den Irak sind im eigenen Land zu einer Importware geworden. Und das ärgert viele einheimische Medienleute.

Da die meisten Medienunternehmen bestimmten ethnischen und religiösen Gruppen zuzuordnen sind, werden importierte Meldungen zudem oft nur kommentiert ausgestrahlt. Dabei, meint Al Jazairi, spielten auch die Nachbarstaaten eine Rolle. "Jeder Nachbarstaat unterstützt die Medien, die als Sprachrohr seiner ethnischen oder Glaubensbrüder im Irak gelten." Das verschärfe die religiöse und politische Polarisierung. Dies gelte besonders für Nachbarstaaten, die ohnehin schon großen Einfluss im Lande haben. Denn sie verfügen über Verbindungen zu religiösen oder ethnischen Gruppen oder zu politischen Parteien und Strömungen in der Gesellschaft.

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